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Lesser Ury

Birnbaum/Posen 1861 – 1931 Berlin

„Nächtliche Straßenszene“. Um 1888/90
Pastell auf Pappe. 55 × 35,6 cm (21 ⅝ × 14 in.) Unten rechts der Mitte signiert: L. Ury. Mit einer Expertise von Dr. Sibylle Groß, Berlin, vom 12. Oktober 2017. Das Pastell wird aufgenommen in das Werkverzeichnis der Gemälde, Pastelle, Gouachen und Aquarelle von Lesser Ury von Dr. Sibylle Groß, Berlin (in Vorbereitung).  [3171] Gerahmt 

ProvenienzEugen und Olga Haendler, Berlin / Martin Bernhardt, Berlin/New Jersey / Privatsammlung, Bayern (1974 bei der Galerie Gerda Bassenge erworben)

EUR 70.000 – 90.000
USD 82,400 – 106,000

Verkauft für:
106.250 EUR (inkl. Aufgeld)

„Nächtliche Straßenszene“

Auktion 281Donnerstag, den 30. November 2017, 17.00 Uhr

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AusstellungLesser Ury 1861–1931. Oils, Pastels, Gouaches, Watercolors, Drawings and Prints. New York, The Leo Baeck Institute in Zusammenarbeit mit The American Bank & Trust Company, in der Art Gallery der American Bank & Trust Company, 1973, Nr. 27 („Berlin Street, ca. 1916“)

Literatur und AbbildungAuktion 23, Teil I: Alte u. neue Kunst. Berlin, Galerie Gerda Bassenge, 13.–18.5.1974, Kat.-Nr. 1646, mit Abbildung

Nach Jahren der künstlerischen Ausbildung in Düsseldorf, Brüssel, Paris und München ließ sich Lesser Ury 1887 endgültig in Berlin nieder. Das großstädtische Leben hatte den Maler bereits während seines Aufenthalts in Paris beeindruckt, und die pulsierende, sich rasant entwickelnde Reichshauptstadt Berlin lieferte in Fülle die ihn faszinierenden Motive. Das moderne urbane Leben veränderte auch die Sehgewohnheiten und bot neue optische Eindrücke, die Lesser Ury in seinen stimmungsvollen Großstadtbildern ausgiebig einsetzte. So waren Stadtbewohner, Flaneure und Reisende in den von Gaslaternen, später von elektrischem Licht erhellten Straßen zunehmend auch nachts unterwegs – und mit ihnen Lesser Ury, der sich zu seinen unkonventionellen, mit dunkler Farbpalette ausgeführten Kompositionen inspirieren ließ. Was das damalige Publikum durchaus irritierte, die nächtlichen Straßenszenen mit den durch Zwielicht und Regen sich bewegenden Passanten, zählt heute zu den Meisterwerken der deutschen impressionistischen Malerei.
Bei Lesser Ury ist die Straße auch Schauplatz zufälliger Begegnungen. In unserem Bild steht der Maler am Rande eines belebten Boulevards und beobachtet aus der Perspektive des Fußgängers das abendliche Treiben. Ruhig wartet eine Pferdedroschke auf Passagiere, Straßenlaternen rhythmisieren die schemenhaft wiedergegebene Häuserflucht, die regennasse Fahrbahn gleicht einem silbern glänzenden Strom. Warmes Licht aus den Schaufenstern der Läden verwischt sich mit flüchtigen Schatten und der spiegelnden Fläche des Straßenbelags. In diese atmosphärische Szenerie tritt von links ein elegant gekleideter Herr mit Zylinder und Stock, an seinem Arm hat sich eine junge Dame mit modischem Hütchen eingehakt, in ihrem auffälligen violettfarbenen Mantel ist sie der eigentliche Blickfang des meisterhaft kolorierten Pastells. In den vom Bildrand angeschnittenen Gestalten dieses Paares, das in kurzer Entfernung unseren Weg kreuzt, erfasst der Maler einen besonderen Moment, der uns innehalten lässt, und unseren Blick auf das im Licht aufglühende Kleidungsstück lenkt, auf die Schönheit des Augenblicks, der doch nur vorübergehend ist. SCH

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