ORANGERIE Ausgewählte Objekte

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Man Ray (d.i. Rudnitzky, Emmanuel)

Philadelphia 1890 – 1976 Paris

Schachspiel für Juliet Man Ray – Unikat. 1964
Elfenbein, geschnitzt, teilweise gefärbt; Kassette (7,5 × 51,5 × 37,7 cm) aus Eichenholz und Wollstoff. Spielsteine von 10–5 cm (3 ⅞–2 in.) Signiert und datiert auf der Unterseite des weißen Königs: Le ROi Man Ray 1964 KING. Mit einem Zertifikat von Timothy Baum vom 20. Februar 2015 (in Kopie).  [3017]

ProvenienzJuliet Man Ray (1911–1991) (1964 als Geschenk des Künstlers) / Deren Freundin Elsa Combe-Martin (gest. 1998) / Privatsammlung, New York (1967 als Geschenk des Vorbesitzers)

EUR 50.000 – 70.000
USD 58,900 – 82,400

Schachspiel für Juliet Man Ray – Unikat

Auktion 280Donnerstag, den 30. November 2017, 11.00 Uhr

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Vergleichsliteratur: Larry's List (Hg.): The Imagery of Chess Revisited. New York, 2005, S. 44f.

Literatur und AbbildungJean-Hubert Martin: Man Ray. Objets de mon affection. Paris, 1983, S. 161

Da sitzen sie, hoch über den Dächern von Paris. Beide konzentriert, ja angespannt fast. Der eine, Marcel Duchamp mit windzersaustem Haar, setzt eine Figur, der andere, Man Ray, reagiert zunächst fassungslos und empört sich dann. Beschwichtigende Geste von Duchamp, Man Ray lehnt sich wieder etwas zurück. Es ist eine kleine Szene nur in dem ohnehin kurzen avantgardistischen Film „Entr'acte“, der 1924 als Zwischenspiel zu Francis Picabias Ballettinszenierung „Relâche“ nach dessen Ideen entstanden war. Regisseur René Clair zeigt die beiden Künstler als Schachspieler. Und tatsächlich trafen sich Man Ray und Duchamp zu jener Zeit regelmäßig zu Partien am Brett. Dessen strenges Raster – für Man Ray „Ursprung und Ziel aller Kunst“ – animierte Man Ray schon früh zu ersten fotografischen Experimenten. Bereits in den 1920er Jahren entwarf er dann auch Schachspiele, reduzierte die Figuren des bereits seit dem Mittelalter in Europa verbreiteten Spiels auf simple geometrische Formen.
Das hier vorgestellte Figurenset schuf Man Ray 1964 für seine Frau Juliet, zeitlebens Gefährtin und Muse für ihn. Es ist ein in Material und Gestalt herausragendes Unikat. Schmeichelnd liegen die Figuren in der Hand. Sie sind allesamt aus Elfenbein gefertigt und schon allein dadurch einzigartig in Man Rays Œuvre. Unter dem Fuß des weißen Königs befindet sich eine Signatur: „Le ROi – Man Ray – 1964 – KING“. Auch der schlichte hölzerne, mit grauem Wollstoff ausgeschlagene Koffer, in dem die 32 Figuren aufbewahrt werden, wurde von Man Ray designt.
Im Gegensatz zu diesem außergewöhnlichen Figurenreigen waren für den frankophilen Amerikaner manche seiner zum Teil in Serie aufgelegten anderen Schachspiel-Designs zeitweilig vor allem eins: eine Einnahmequelle. Insbesondere nach seiner Flucht 1940 aus Paris, als er mit knappen Mitteln und recht isoliert von den dortigen Künstlerkreisen in Hollywood lebte. Hier lernte er Juliet Browner kennen, 1946 heirateten sie – übrigens in einer Doppelhochzeit mit Max Ernst und Dorothea Tanning, beide ebenfalls passionierte Schachspieler.
Die Freiheit des Künstlers und die Regeltreue des Schachspielers stellten keinen Widerspruch für Man Ray dar. Wie kommentierte er das doch gleich selbst? „The player poses a problem. The painter gives you the solution.“ Vielleicht ließ Picabia, der Maler, genau deshalb in der eingangs erwähnten Filmszene die strenge Ordnung plötzlich durch einen Wasserstrahl stören, der das Brett stürzte und die Figuren durcheinanderwirbelte. Schachmatt! KG

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