Zeitgenössische Kunst

772N

Konrad Klapheck

Düsseldorf 1935 – lebt in Düsseldorf

„Das Lächeln der Auguren“. 1968
Öl auf Leinwand. 68 × 79,5 cm (26 ¾ × 31 ¼ in.) Rückseitig auf der Leinwand in Schwarz signiert und datiert: Klapheck 68. Auf dem Keilrahmen oben mit Bleistift betitelt: das Lächeln der Auguren. Auf einem Aufkleber auf der rückseitigen Pappabdeckung mit blauer Tinte signiert, betitelt, datiert und bezeichnet: Konrad KLAPHECK „Das Lächeln der Auguren“ (The Augur’s Smile; Le sourire des augures) 1968 68 × 80 cm Signatur auf der Rückseite der Leinwand – Pappe nicht entfernen. Ebenda ein Klebeetikett der Ausstellung Rotterdam u. andere Orte 1974/75 (s.u.). Pierre 203.  [3539] Gerahmt 

ProvenienzHannelore Mohr, Mülheim a.d. Ruhr / Privatsammlung, Süddeutschland / Privatsammlung, Schweiz

EUR 100.000 – 150.000
USD 107,000 – 160,000

Verkauft für:
175.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Das Lächeln der Auguren“

Auktion 276Freitag, den 2. Juni 2017, 18.00 Uhr

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AusstellungKonrad Klapheck. Rotterdam, Museum Boijmans van Beuningen; Brüssel, Palais des Beaux-Arts; Düsseldorf, Städtische Kunsthalle, 1974/75, Kat.-Nr. 66 auf S. 150, ganzseitige Abb. S. 151 / Schuhwerke. Nürnberg, Kunsthalle, 1976, o. Kat.-Nr., Abb. S. 73

Literatur und AbbildungKonrad Klapheck. Text von José Pierre. Institut für moderne Kunst, Nürnberg, und Verlag M. DuMont Schauberg, Köln, 1970, Nr. 203

Zum Inventar von alltäglichen Gegenständen, aus dem Konrad Klapheck seine Bilder bestückt, gehören auch Schuhe. Spätestens seit Vincent van Gogh weiß die Malerei, Schuhe haben eine Seele, sie werden durch den Gebrauch zum Spiegel ihrer Besitzer. In jüngerer Zeit haben Andy Warhol in seiner Serie „Shoes“ oder Domenico Gnoli, der italienische Maler riesiger Ausschnitte vereinzelter Gegenstände, Schuhe quasi „porträtiert“. In unserem Gemälde „Das Lächeln der Auguren“ ist die Bildoberfläche, wie bei Klapheck üblich, ausgewogen horizontal in Hell und Dunkel geschieden. Die magische Landschaft in Grüntönen bildet den Prospekt, vor dem ein Paar Sandalen mit hohen Absätzen auftritt. Durch die perspektivische Verkürzung verschwimmen die Konturen im Hintergrund. Die mit Schnallen zu schließenden Riemen über dem Fuß – eine rotorange, die andere gelbgrün – sind nur lose befestigt, sie werfen Schatten auf den Grund. In ihrer anthropomorphen Erscheinung gemahnte diese Linienführung den Künstler an spöttisch verzogene Lippen – der Titel des Bildes war gefunden. Klapheck ist ein Meister im Ersinnen von Überschriften zu seinen Gemälden. Sie sind nie zufällig, sondern liefern immer eine pointierte Stellungnahme zum malerischen Befund, leicht ironisch wie auch lyrisch überhöhend oder als lakonischer Kommentar. Hier spielt der Künstler, ein „pictor doctus“ von hohen Graden, nicht nur auf den ironischen Satz des Cato über römische Wahrsager an, sondern auch auf die kritische Grafik eines Honoré Daumier; er griff im 19. Jahrhundert das Thema in seiner Lithografie „Une rencontre de joyeux augures“ auf. Klapheck, Sohn eines Kunsthistorikerpaares, hat diese Quelle vielleicht gekannt, befasste sich als Maler aber ohnehin ausgiebig mit überlieferten Bildfindungen, sodass sich die Assoziation zu seiner Komposition leicht einstellte.

Lange Zeit war die Malerei des Konrad Klapheck „ein Epos, dessen Hauptfiguren nicht vom Menschen, sondern von seinen wichtigsten Gebrauchsgegenständen verkörpert werden“ (Notizen 1966, zit. n. José Pierre, Konrad Klapheck, Köln 1970, S. 96). Mittlerweile jedoch ist der Künstler zu einem seine Verehrer überraschenden Altersstil gelangt und malt figurative, nicht selten erotische Szenen wie auch an klassischen Vorbildern orientierte Landschaften.

Elke Ostländer

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