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August Macke

Meschede 1887 – 1914 Perthes-lès-Hurlus

„Wagen in silberner Straße“. 1913
Aquarell, Farbtusche, Silberbronze und Gouache auf Japan. 37,1 × 26,4 cm (14 ⅝ × 10 ⅜ in.) Auf einem Beiblatt mit dem Nachlassstempel Lugt 1775b und der mit Feder in Braun eingetragenen Nr.: F.Z. 37 Wagen in silberner Straße 1913. Darunter beschriftet: Unter obiger Bezeichnung wird dieses Blatt im Werkverzeichnis von August Macke geführt. Bonn, den 14.1.52. Dr. Wolfgang Macke [Sohn des Künstlers]. Werkverzeichnis: Heiderich Nachtrag 329-a.  [3326] Gerahmt 

ProvenienzGalerie Vömel, Düsseldorf (1953) / Eduard Houdremont, Essen (1957) / Privatsammlung, Süddeutschland

EUR 70.000 – 90.000
USD 82,400 – 106,000

„Wagen in silberner Straße“

Auktion 281Donnerstag, den 30. November 2017, 17.00 Uhr

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AusstellungAugust Macke. Bonn, Gesellschaft für Literatur und Kunst (Dramatischer Verein), Städtisches Museum Villa Obernier, 1918 (?) / August Macke. New York, Galerie Gerson, 1952, Kat.-Nr. 13 (Wagon on the Road?)

Literatur und AbbildungGustav Vriesen: August Macke. Stuttgart, Kohlhammer Verlag, 1953, Nr. 309, Abb. S. 289 / Ausst.-Kat. Macke, Aquarell-Ausstellung. Bielefeld, Städtisches Kunsthaus, 1957, Abb. S. 38 (nicht ausgestellt) / Ursula Heiderich: August Macke. Zeichnungen. Werkverzeichnis. Stuttgart, Hatje Verlag, 1993, Nr. 2198, S. 599

Es ist Nacht, eine Gaslaterne leuchtet, der Mond verbreitet seinen hellen Glanz. Man erkennt die Silhouette eines Kirchturms, der in den zartblauen Himmel ragt. In einem Haus brennt noch Licht. Außerdem sind da noch zwei Fußgänger und ein Kutscher, der die einsame Straße gerade überquert – dies ist die Szenerie, die August Macke Gelegenheit bot, sich einmal mehr als virtuoser Kolorist zu beweisen.
Straßenszenen spielen in Mackes Œuvre nicht nur eine bedeutende Rolle, sie zählen zu seinen ersten Sujets überhaupt. Das dynamisch Situative, die vorbeifahrenden Karossen und die flanierenden Menschen in Einklang zu bringen mit dem statischen Hintergrund – und dabei die Atmosphäre des Gesehenen auch farblich auf den Punkt zu treffen – das hatte den Maler seit je stark beschäftigt. „Fast immer habe ich auf der Straße das Skizzenbuch zur Hand, um Bewegungen von Menschen und Tieren allmählich voll beherrschen zu können, denn das lehrt einen kein Professor“, schrieb Macke schon als Schüler der Düsseldorfer Kunstakademie den Eltern im Dezember 1904 (zit. nach: Andrea Firmenich: August Macke: „Gesang von der Schönheit der Dinge“. Aquarelle und Zeichnungen, Ausst.-Kat. Köln 1992, S. 10).
Das Bild „Wagen in silberner Straße“ entstand 1913 im letzten Jahr vor seinem frühen Tod, als August Macke auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere den für ihn charakteristischen, von großer Farbstrahlkraft geprägten Stil gefunden hatte. Die Dynamik der Stadt einzufangen, Farbkontraste in ihrer Ausgewogenheit meisterlich zu beherrschen, dies ist ihm nun ein Leichtes.
Dazu kommt, dass in diesem speziellen Werk über allem der Charme des scheinbar Unfertigen liegt. In feinsinniger Skizzierung gelingt es Macke hier, mit wenigen Strichen ein atmosphärisches Blatt von hoher erzählerischer Dichte zu gestalten. In einem Brief, den er 1913 an einen seiner engen Vertrauten, den Kunstsammler und Mäzen Bernhard Koehler, adressiert, formuliert es der Künstler so: „Das Kunstwerk ist unsere Erfahrung, unser Staunen vom Maß der Dinge, das Rhythmische im Kunstwerk ist ein Gleichnis für das Rhythmische in der Natur selbst“ (August Macke an Bernhard Koehler, Brief v. 30.3.1913, zit. nach: Werner Frese und Ernst-Gerhard Güse (Hg.): August Macke.Briefe an Elisabeth, München 1987, S. 302–304). GK

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