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Emil Nolde

Nolde 1867 – 1956 Seebüll

Aufziehendes Wetter über Marschenhof (Seebüllhof). Aquarell auf Japan. 33,5 × 45,5 cm (13 ¼ × 17 ⅞ in.) Unten rechts mit Feder in Braun signiert: Nolde.  [3372]

ProvenienzPrivatsammlung, Niedersachsen (1957 in der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde erworben, seitdem in Familienbesitz)

EUR 120.000 – 150.000
USD 128,000 – 160,000

Aufziehendes Wetter über Marschenhof (Seebüllhof)

Auktion 273Donnerstag, den 1. Juni 2017, 18.00 Uhr

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Elf Jahre – von 1916 bis 1927 – lebten Emil und Ada Nolde auf ihrem Bauernhof Utenwarf in Nordfriesland. Als sie diesem „kleinen naturgesegneten Platz“ den Rücken kehrten, taten sie dies schweren Herzens. Doch die Eingriffe in das Biotop dieser urtümlichen Landschaft, die Nolde stets vehement beklagte, ließen ihnen keine andere Wahl. Nach langem Suchen entdeckte das Paar nur wenige Kilometer südlich der deutsch-dänischen Grenze eine leer stehende, einsame Warft inmitten des Graslandes. Die beiden erwarben nicht nur sie, sondern auch den benachbarten Bauernhof, um dort möglichst ungestört arbeiten zu können. Die Fertigstellung des eigenwilligen, von Nolde selbst entworfenen Wohn- und Atelierhauses auf dem künstlich aufgeschütteten Stück Land, das vor Sturmfluten schützen sollte, erfolgte 1930.
Das Aquarell „Aufziehendes Wetter über Marschenhof“ zeigt den Blick von der Ostseite des Hauses über den noch unfertigen Garten auf eben jenen Bauernhof, den die Noldes nach dem Umzug nach Seebüll an einen Landwirt verpachtet hatten. Die markante Fassade des Hofes hielt Nolde auf zahlreichen Gemälden und Aquarellen fest. Unser Blatt gibt das Gebäude in freier Malweise ohne viele Details wieder. Doch man erkennt zweifelsfrei die beiden Giebeldächer und die Stallungen links mit dem großen, hellen Scheunentor. Auf nordfriesischen Bauernhöfen befinden sich vor oder neben dem Haupthaus üblicherweise Diemen, um darauf Heu, Stroh oder Getreide zu trocknen. So auch hier: Sie ermöglichen dem Künstler den Einsatz von Gelb in dem dominanten Farbakkord Grün und Rot, den das saftige Grasland und die Klinkersteine der Fassade bilden.
Das Kolorit der Diemen wird aufgegriffen in den angedeuteten Gartenpflanzen rechts unten sowie - furios leuchtend - bei der Darstellung des Himmels. Dort bringen die tiefstehende Sonne, die die Wolkenränder violett färbt, und eine gewaltige graue Gewitterwolke Spannung in die Komposition. Solche delikaten Farbübergänge beherrschte Emil Nolde wie kein Zweiter. Und er wusste auch, wovon er sprach, wenn er über die schweren Sommergewitter seiner Heimat berichtet: „Auf dem flachen Lande sind sie der Schrecken der schwachen Gemüter und dem Starken jedesmal ein Erlebnis in Dramatik und Naturgröße.“ (Zit. nach: Emil Nolde: Jahre der Kämpfe. Köln 1985, 5. Auflage, S. 126)
AF

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