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Emil Nolde

Nolde 1867 – 1956 Seebüll

Dahlien und Astern. 1937
Aquarell auf Japan. 47,2 cm × 34,8 cm (18 ⅝ in. × 13 ¾ in.) Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert: Nolde. Auf dem beigegebenen Passepartout unten von Ada Nolde, der Ehefrau des Künstlers, mit Bleistift bezeichnet und datiert: Dahlien und Aster [!] 15.10.37.  [3417] Gerahmt 

ProvenienzSammlung Adalbert und Thilda Colsman, Langenberg (seitdem in Familienbesitz)

EUR 70.000 – 90.000
USD 82,400 – 106,000

Verkauft für:
87.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Dahlien und Astern

Auktion 281Donnerstag, den 30. November 2017, 17.00 Uhr

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Das Jahr 1937 ist ein Schicksalsjahr für Emil Nolde. Mehr als tausend Werke des Malers werden als „entartete Kunst“ von den nationalsozialistischen Machthabern aus deutschen Museen beschlagnahmt. Bereits Mitte Juli eröffnet die gleichnamige Propagandaausstellung in den Münchner Hofgartenarkaden. Nolde ist hier mit insgesamt 29 Gemälden am stärksten vertreten. Gleich im ersten Raum ist sein neun-teiliges Altarwerk „Das Leben Christi“ von 1911/12 zu sehen, welches der Künstler wegen seiner Wucht und Ausdrucksstärke in besonderem Maße schätzte.
Aber es gibt auch Positives aus diesem Jahr zu berichten: Nolde feiert am 7. August in Seebüll gemeinsam mit zahlreichen Freunden und Verwandten seinen 70. Geburtstag. Die offizielle Feier wird zwar vorsichtshalber abgesagt, doch lassen es sich die Gratulanten nicht nehmen, dem Künstler an diesem Ehrentag persönlich ihre Aufwartung zu machen. Auch das Sammlerehepaar Adalbert und Thilda Colsman ist bei dieser Feier zugegen. Hans Fehr, Noldes engster Freund, berichtet hierüber: „Wie anders gestaltete sich diese kleine intime Feier gegenüber dem sechzigsten Geburtstag mit der umfassenden Ausstellung in Dresden, im Jahre 1927! Aber Emil und Ada Nolde erstrahlten dennoch in stillem Glück“ (Hans Fehr: Emil Nolde. Ein Buch der Freundschaft. Köln 1957, S. 149).
Noldes Kunst bleibt von all den Widrigkeiten unberührt. Gut zwei Monate nach der Jubiläumsfeier in Seebüll entsteht unser farbenfrohes Blumenaquarell. Es ist ganz auf den Komplementärkontrast von Gelb und Violett aufgebaut. Die schwereren, blauvioletten Blüten der Dahlien drängen sich am unteren Bildrand, während die hellgelben Astern wie schwerelos emporsteigen, gestützt nur von ihren fragilen, grünen Stängeln. Deren orangefarbene Blütenstempel tauchen auch in den Dahlien wieder auf. Bei den vier Blumen am linken Bildrand verhält es sich genau umgekehrt: Dort finden sich dunkelviolette Stempel in hellgelben Blütenkränzen. Nolde unternimmt in „Dahlien und Astern“ eine faszinierende Gratwanderung zwischen Detailverliebtheit und dem freien Fluss der Farben: Die fiedrigen Blätter der Dahlien sind akribisch in mühevoller Kleinarbeit wiedergegeben, ebenso die mit spitzem Pinsel gemalten grünen Blumenstängel rechts. Demgegenüber steht in der Bildmitte die auffällig kolorierte Asternblüte, die man nur von hinten sieht und in der sich Gelb, Grün und das Grau des ganz frei gemalten Hintergrundes zu einer abstrakten Farbfläche vereinen. Hier wie auch in den Farbverläufen bei den übrigen Blumen finden sich die vom Künstler geschätzten „Selbstüberraschungen“, die den Reiz eines jeden Nolde-Aquarells ausmachen. AF

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