Die Villa

Im Jahr 1775, als der 1729 angelegte Kurfürstendamm nicht viel mehr war als ein breiter Reitweg, der das Berliner Stadtschloss Unter den Linden mit dem Jagdschloss Grunewald verband, ließ Friedrich der Große auf dem Ort der heutigen Fasanenstraße einen „Koeniglichen Fasaneriegarten“ anlegen. Das fürstliche Gehege musste später der wachsenden Großstadt weichen, hinterließ aber seinen poetischen Namen.

 

Nach der Reichsgründung 1871 setzte Bismarck seine Idee durch, aus dem Reitweg eine Prachtstraße im Stil der Pariser Champs Elysées erbauen zu lassen. Die Fasanenstraße entwickelte sich durch ihre hervorragende Lage deshalb zu einer ersten Adresse als Wohnsitz adeliger und großbürgerlicher Familien. 1891-92 errichtete hier der Architekt Hans Grisebach (1848 -1904) ein stattliches Haus für seine Familie und sein Atelier. Es war eines der ersten großstädtischen Einfamilien-Reihenhäuser in Berlin. Grisebach, erfolgreicher Architekt, hat in Berlin und dem ganzen deutschen Reich Geschäfts- und Privathäuser entworfen – darunter den Wohnsitz des preußischen „Museumsgenerals“ Wilhelm von Bode in der Uhlandstraße, wie auch den des Dichters Gerhart Hauptmann. In den 1920er Jahren zog auch die künstlerische Prominenz der Kulturmetropole Berlin hierher, so z.B. die Filmdiva Asta Nielsen. Es entstanden auch großzügig angelegte Restaurants, wie das Wintergartenensemble.

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fasanenstraße schwer beschädigt. Notdürftig repariert wandelten sich manche Häuser zu provisorischen Stätten des Berliner Nachtlebens. Erst als Mitte der 70er Jahre die öffentliche Diskussion über die Architektur des 19. Jahrhunderts und ihre Schutzwürdigkeit aufkam, begann eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Zukunft des Quartiers. Ein heftiger Streit entbrannte gerade über das Wintergartenensemble, also die Hausnummern 23, 24 und 25 der Fasanenstraße. Zeitweise sah es so aus, dass alle drei entweder einem Kaufhausausbau oder der „autogerechten Stadt“ zum Opfer fallen würden. Der Historismus des 19. Jahrhunderts stand am Ende der Prestigeskala der historischen Architekturstile. In den 1970er Jahren wurden Besuchergruppen durch die Fasanenstraße geführt, und auf die  Grisebach-Fassade als besonders abstoßendes Beispiel architektonischer Verlogenheit hingewiesen.

 

Erst 1980 kam das Ensemble auf die Berliner Landesdenkmalliste. Danach entschloss sich Berlin, das Wintergartengebäude zum Literaturhaus auszubauen. 1984 erwarb die Deutsche Bank die Gebäude Nr. 24 und 25 und ließ sie aufwendig und denkmalgerecht restaurieren. In der Nr. 24 entstand das Käthe Kollwitz-Museum. Fasanenstraße 25, die Villa Grisebach, wurde durch diese Arbeiten ein glanzvolles Zeugnis für die Wohnkultur der Jahrhundertwende um 1900. Seit Vollendung der Rekonstruktion im Jahre 1986 ist das repräsentative Gebäude Sitz des Berliner Auktionshauses Grisebach.