Auktionen Herbst 2018

Kunst des 19. Jahrhunderts

429

Friedrich Preller d. J.

Weimar 1838 – 1901 Blasewitz bei Dresden

Der Gebirgsbach Ache im Ötztal. 1901

Öl auf Leinwand auf Pappe. 34,5 × 49 cm. (13 ⅝ × 19 ¼ in.) Rückseitig mit einer Bestätigung von Toni Preller, der Witwe des Künstlers.  [3235] Gerahmt 

EUR 2.500 – 3.500
USD 2,840 – 3,980

Verkauft für:
18.750 EUR (inkl. Aufgeld)

Der Gebirgsbach Ache im Ötztal

Auktion 297Donnerstag, den 25. Oktober 2018, 18.00 Uhr

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Obwohl Friedrich Preller dem Jüngeren die Natur der Alpen von Kindheit an aus Erzählungen, Skizzen und Ölstudien des ab 1844 in Weimar als Hofmaler wirkenden Vaters vertraut war, erschienen seinen an italienischen Landschaften geschulten Künstleraugen Gegenden wie das Salzkammergut und die Ramsau lange Zeit nicht bildwürdig. Berchtesgaden beschrieb er gar als „Alpennatur für Damen, trotz Watzmann.“ Eine Änderung dieser Betrachtungsweise vollzog sich erst während eines Aufenthalts in Tirol im Jahre 1886, das fortan den Hauptanziehungspunkt aller nachfolgenden Alpenreisen bilden sollte. Im Ötztal studierte Preller mit unermüdlicher Ausdauer die wild-romantischen Gebirgsgewässer, von denen er sich ganz besonders durch die Ötztaler Ache angezogen fühlte. Deren mit Felsblöcken übersätes Flussbett legt dem schnell fließenden Wasser Hindernisse in den Weg, sodass es sich – mitunter kräftig aufschäumend – durch schroffe, teilweise mit Bäumen bewachsene Bergsturzhalden hindurchzwängt.
Auf der Suche nach dem geeigneten Motiv spürte Preller den kapriziösen Windungen und Gefällen der Ache nach, wobei er den Fluss sogar von Stein zu Stein springend durchkreuzt haben soll. Dieser lebensgefährliche Wagemut wird neben zahlreichen Skizzenbuchblättern auch durch unsere im September 1901 entstandene Ölstudie „Gebirgsbach Ache im Ötztal“ dokumentiert, welche motivisch an ein auf 1888 datiertes Bild aus der Dresdner Galerie Neue Meister (Gal.-Nr. 3374) anknüpft. Vor Ort malend, fokussierte Preller einen relativ kleinflächigen Abschnitt der Fluss- landschaft, um ungefähr drei Viertel der Leinwand mit dem graublau bis grünlich nuancierten Wasser und seinen weiß aufleuchtenden Schaumkronen zu füllen. In Anschauung der in leichter Aufsicht unbändig dahinsprudelnden Ache vermag das Auge des Betrachters nur an dem schmalen Streifen des braunen Ufergesteins und einem gewaltigen, die Strömung brechenden Felsbrocken Halt zu finden. Insofern gelingt es dem Künstler, sowohl den unmittelbaren Natureindruck als auch die realen Entstehungsumstände des Bildes zu transportieren. Darüber hinaus zeigt unsere nur wenige Wochen vor Prellers Tod gemalte Studie in ihrer koloristischen Ausdifferenziertheit und maltechnischen Präzision ein vollendetes Naturporträt, welches in Reminiszenz an das heute im Warschauer Muzeum Narodowe befindliche Ölgemälde „Landschaft aus den Ötztaler Alpen“ (1889) entstanden sein dürfte.



Uwe Steinbrück

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