Auktionen Herbst 2018

Kunst des 19. Jahrhunderts

461

Jean-Baptiste-Camille Corot

1796 – Paris – 1875

Bouquet d‘arbres, effet de crépuscule. Um 1845/50

Öl auf Leinwand. Doubliert. 25,5 × 18,3 cm. (10 × 7 ¼ in.) Unten rechts signiert: COROT. Nicht bei Robot. Das Gemälde wird unter der Nummer 55 aufgenommen in den 6. Nachtragsband der Werke von Corot von Martin Dieterle und Claire Lebeau, Paris.  [3806]

ProvenienzPrivatsammlung, Europa

EUR 40.000 – 60.000
USD 45,500 – 68,200

Verkauft für:
93.750 EUR (inkl. Aufgeld)

Bouquet d‘arbres, effet de crépuscule

Auktion 297Donnerstag, den 25. Oktober 2018, 18.00 Uhr

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Ein wahres koloristisches Kabinettstück liefert uns Camille Corot in dieser Ölstudie mit jungen Bäumen an einem Feldweg. Die sichtbare Realität der Landschaft und das eigene Empfinden des Künstlers gehen hier eine besonders schöne Verbindung ein.
An dieser spontan und mit lockerem Pinselstrich gemalten Studie lässt sich besonders gut der Entstehungsprozess nachvollziehen. So ist im oberen Bildteil eine hellblaue Farbe als Untermalung aufgetragen, die an verschiedenen Stellen offen liegt oder durch die darüberliegenden Farbschichten schimmert. An dem Baum in der Bildmitte ergibt sich dadurch eine besonders delikate Partie, indem die warmen Grüntöne des Laubes auf die hellblauen Farben der Untermalung treffen und so ein schillerndes Kolorit erzeugen. Dagegen sind die fein abgestimmten braun bis orangefarbenen Erdtöne des Landschaftshintergrundes komplementär zum Grün der Vegetation gewählt. Die Baumstämme der jungen Bäume geben dem Bild zusätzlich ein lineares Gerüst und dem Bildganzen eine Raumtiefe, die auch durch die links kniende Figur verstärkt wird. Der kleine rote Farbakzent auf deren Kappe bringt auf subtile Weise die ganze Farbkomposition zum Klingen. Solche Figuren, die sich in der Landschaft zu schaffen machen, tauchen in den 1860er-Jahren vermehrt in Corots Bildern auf und ver- schmelzen geradezu mit den sie umgebenden Farbflächen.
Es ist immer wieder erstaunlich, wie Corot, ausgehend von so einem einfachen Motiv, eine komplexe Farbharmonie aufbaut, die ebenso die Realität wiedergibt und gleichzeitig ein Stück autonome Malerei ist.
Corots Blick auf die Landschaft scheint jedenfalls der eines Liebenden, denn er hat in deren Darstellung seine Lebensaufgabe gesehen. Besonders schön kommt dies zum Ausdruck in den knappen biografischen Anmerkungen, die er auf Anfrage von offizieller Seite schrieb: „Zuerst war ich Schüler von Michallon. Nachdem ich ihn verloren, trat ich ins Atelier von Bertin ein. Dann warf ich mich auf die Natur und das ist alles“.



Michael Mohr

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