Auktionen Frühjahr 2019

ORANGERIE bauhaus forever!

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Naum Slutzky

Kiew 1894 – 1965 Stevenage, England

Tee- und Kaffeeservice mit Tablett für Anna Sophie und Fritz Block. 1927

Silber, getrieben, gedrückt, poliert; Ebenholz. 29 cm / 12 cm / 19 cm / 8,5 × 56 × 30 cm. (11 ⅜ in. / 4 ¾ in. / 7 ½ in. / 3 ⅜ × 22 × 11 ¾ in.) Meisterzeichen: gezackter Halbkreis mit Punkt / Feingehaltszeichen: 800 / Reichsstempelung: Halbmond, Krone. Gesamtgewicht: 4.579 g. Ohne Milchkännchen.  [3133]

ProvenienzAnna Sophie (1895–1986) und Fritz Block (1889–1955), Hamburg, ab 1938 Los Angeles / Privatsammlung, Schweden (durch Erbschaft)

EUR 180.000 – 240.000
USD 202,000 – 270,000

Tee- und Kaffeeservice mit Tablett für Anna Sophie und Fritz Block

Auktion 305Donnerstag, den 30. Mai 2019, 14.00 Uhr

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Ausstellungballmer. zeichnungen graphik. slutzky. gerät schmuck. Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe, Juni 1931 (ohne Katalog) / Ein Bauhauskünstler in Hamburg. Naum Slutzky. 1894–1965. Hamburg, Museum für Kunst und Gewerbe, 1995, S. 18, Abb. 24, Kat.-Nr. 42, S. 62, Abb. S. 37 (Text Rüdiger Joppien)

Literatur und AbbildungArbeiten aus der modernen Kunstschule Johannes Itten, Berlin. In: Die Baugilde, Jg. 10, Nr,. 7, 10. April 1928, Nr. 7, S. 475–477, Abb. S. 477 (Teekanne ohne Wärmeschutz) / Monika Rudolph: Naum Slutzky. Meister am Bauhaus. Goldschmied und Designer. Stuttgart, 1990, Kat.-Nr. 2, S. 171 / Ausst.-Kat.: Die Metallwerkstatt am Bauhaus. Berlin, Bauhaus-Archiv, 1992, Kat.-Nr. 270, S. 268

Kugel, Zylinder, Rechteck, rechte Winkel und Kreise. So sieht das Silberservice eines Bauhäuslers für einen Architekten aus. Auftraggeber des vom Material her großbürgerlichen, stilistisch dem Bauhaus verpflichteten Services von 1927 war Fritz Block, damals einer der führenden Architekten Hamburgs. Ihm schuf Naum Slutzky mit der turmartigen Kaffeekanne und der an die Revolutionsarchitektur erinnernden kugeligen Teekanne ein architektonisches Kleinod in Silber. Sein Tablett beschreibt eine querrechteckige Plattform, die leicht über dem Boden schwebt. Die Schnaupen der Kannen stehen trichterförmig, sich nach vorn spitz verjüngend. Die Griffe führen ein geometrisches Eigenleben, muten expressionistisch an.
Slutzky war kein gelernter Silberschmied, aber in der Metallwerkstatt des Bauhauses bis 1923 mit Korpuswaren in Kontakt gekommen. Die geometrische Tendenz der Formteile hat hier ihren auch herstellungstechnischen Ursprung. Denn die Bauhäusler nutzten das Drücken und Montieren von Silberblechen, um Gefäße schnell und rationell ausführen zu können, wie es auch Slutzky bei unserem Service gemacht hat.
Im Œuvre Slutzkys ist das Service ein Solitär. Mehrteilige Kaffee- und Teeservice hätten zur Zeit der Neuen Sachlichkeit bereits überholt sein können. Doch haben Bauhaus-Metallkünstler wie Christian Dell, Marianne Brandt (Los 313), Otto Rittweger und Wolfgang Tümpel in den 1920er-Jahren noch ganze Service ausgeführt. Bei Emmy Roth, Paula Straus (Los 325) und Peter Behrens treten sie noch in den frühen 1930er-Jahren auf.
Block war auf Slutzky wohl schon 1926 gestoßen, als dieser Beleuchtungskörper entwickelte. 1927 dürfte es zur Auftragsvergabe an den finanziell stets knappen Slutzky gekommen sein, obgleich dieser bisher keine große Erfahrung auf dem Gebiet des Tafelsilbers besaß. Dabei könnten sich auch Ideen Blocks im architektonischen Service verbergen. Aus dem Auftrag generierte Slutzky wenig später eine Kannenform, die er danach mehrfach produzierte. So stellte er im März 1928 eine Teekanne aus, die die Blocksche Form wiederholt, aber einen gerundeten Griff hat und aus mattiertem Neusilber besteht. Diese Kanne wurde unter Hamburgs Architekten bald „Kult“, denn Karl Schneider, Robert Friedmann, Fritz Schleifer oder Herbert Sprotte besaßen sie. So wurde das Blocksche Service für Slutzkys weitere Entwicklung wegweisend. RJ

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