Auktionen Frühjahr 2019

ORANGERIE bauhaus forever!

308a

Josef Zotti

Borgo Valsugana 1882 – 1953 Wien

Paar Kugelleuchten aus dem Wiener Kaffeehaus „Café Museum“. 1929/30

Messing, vernickelt. Ø 65 cm. (25 ⅝ in.) Rekonstruierte Deckenklappe.  [3156]

Provenienz„Café Museum“, Wien (1930–1960er-Jahre) / Privatsammlung, Niederösterreich

EUR 25.000 – 30.000
USD 28,100 – 33,700

Paar Kugelleuchten aus dem Wiener Kaffeehaus „Café Museum“

Auktion 305Donnerstag, den 30. Mai 2019, 14.00 Uhr

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Vergleichsliteratur: Ausst.-Kat.: Kirk Varnedoe: Vienna 1900. Art, Architecture & Design. New York, The Museum of Modern Art, 1986, S. 45 / Ausst.-Kat. Roberto Festi: Josef Zotti. Architetto e designer 1882–1953. Trient, Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, Wien, Hochschule für angewandte Kunst, 1993, S. 61–67, Abb.-Nr. 97, S. 173, Abb.-Nr. 103, S. 175f.

Nicht alles, was nach Bauhaus aussieht, muss auch tatsächlich Bauhaus sein. So denkt man auch bei den vernickelten Riesenkugeln im Bauhaus-Jahr unwillkürlich an die Fotos von Marianne Brandt oder Irene und Herbert Bayer, auf denen sich Kunst, Künstlerinnen und Künstler des Dessauer Bauhauses in solch runden Glanzstücken spiegeln. Und doch führt der Weg hier nach Wien, von wo zahlreiche der Bauhaus-Ideen und Bauhäusler stammten oder wo sie gelernt hatten.
Die vier Kugelleuchten waren in der österreichischen Metropole Hauptgestaltungselement des berühmten „Café Museum“, das nach seiner Gründung 1899 zu einem wichtigen Treffpunkt der Wiener Kunstwelt avancierte. Alban Berg, Otto Wagner, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Joseph Roth, Robert Musil und Georg Trakl saßen, dachten und trafen sich hier zum Kaffee. Später spiegelten sich in den Kugelleuchten die Verse von Ernst Jandl oder von Elias Canetti, der unter ihnen in den 1930er Jahren an seiner Autobiografie „Das Augenspiel“ schrieb und dem „Café Museum" darin explizit ein Kapitel widmete.
Die ursprüngliche Inneneinrichtung des Kaffeehauses hatte Adolf Loos geschaffen. Sie wurde jedoch 1929 vom aus Südtirol stammenden Innenraumarchitekten und Designer Josef Zotti komplett erneuert. Zotti, ein Schüler Josef Hoffmanns, verteilte konkav gerundete Sitzinseln mit knallrotem Lederbezug im Raum und ließ sie sich in den runden Kugelleuchten an der Decke spiegeln. Das rote Leder der konkaven Bänke mit den klugen Köpfen darauf fand ein kühl reflektiertes Pendant in den konvexen Schwingungen der Kugelleuchten.
Zottis Raumgestaltung war minimalistisch modern, der reinen Form verpflichtet. Zugleich gelang es dem Designer, durch die indirekte Lichtführung der verchromten Kugelleuchten mit verborgener Lichtquelle Parallelen zum „Film noir“ und zum kurz zuvor entstandenen Meisterwerk „Metropolis“ des Wiener Regisseurs Fritz Lang zu schaffen. Womit wir bei einer neuen Verbindung Berlin-Wien-Bauhaus wären, denn: Während die metallenen Kugelleuchten im Wiener Café glänzten, war die metallene Maschinen-Maria aus "Metropolis" in Berlins Kinos zu sehen, und am Bauhaus in Dessau tobte zur selben Zeit das Metallische Fest. Es sind – im wahrsten Sinne – diese wiederholten Spiegelungen von gestalterischen Ideen, hier in Metall, voller Kraft in minimalistischer Konzentration der Formen bei gleichzeitig reicher Gestaltungs- und Spielfreude, die Wien und eben Weimar, Dessau und Berlin in diesen Jahren des produktiven Aufbruchs verbanden, für den heute mehr denn je die „Idee Bauhaus“ steht. SK

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