Auktionen Frühjahr 2019

ORANGERIE bauhaus forever!

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Henry van de Velde

Antwerpen 1863 – 1957 Zürich

„Bloemenwerf-Stuhl“. 1894/95

Padouk-Holz – Hersteller: Henry van de Veldes Werkstatt, Brüssel. 93 × 45 × 39 cm. (36 ⅝ × 17 ¾ × 15 ⅜ in.) [3248]

ProvenienzAlexandre Delcommune (1855–1922), Brüssel / Familie Pilier-Delcommune, Brüssel / Privatsammlung, Rheinland

EUR 12.000 – 15.000
USD 13,500 – 16,900

Verkauft für:
15.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Bloemenwerf-Stuhl“

Auktion 305Donnerstag, den 30. Mai 2019, 14.00 Uhr

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Vergleichsliteratur: Klaus-Jürgen Sembach: Henry Van de Velde. New York, 1989, S. 44f. / Elizabeth Cumming und Wendy Kaplan: The Arts and Crafts Movement. London, 1991, S. 203, Abb. 164 / Amy F. Ogata: Art Nouveau and the Social Vision of Modern Living: The Belgian Artists in a European Context. Cambridge, 2001, S. 97

Eine dominierende Rolle im Spektrum der europäischen Stilbewegungen um 1900 nahm Brüssel ein. Als herausragend erwies sich hier Henry van de Velde, der sich 1895 ein eigenes Haus geschaffen hatte, mit dem er schlagartig zur Speerspitze der Reformbewegung avancierte. Haus Bloemenwerf in Uccle war Grundstein für van de Veldes weiteren Ruhm, da es von internationalen Kunstkennern sofort als programmatische Verwirklichung etwas ästhetisch Autarken wahrgenommen wurde. Beispielhaft zeigte das Haus, dass Architektur und Innenraumgestaltung das eigentliche Gesamtkunstwerk des Jugendstils sein sollten. Die Individualität des Interieurs, von Kleidung und Lebensstil der Bewohner ließen eine neue, modern-vorbildhafte kulturelle Identität entstehen.
Revolutionär wirkte besonders das Mobiliar. Der „Bloemenwerf-Stuhl“ wurde zur Designikone. Die einfache, lineare Gespanntheit aller Konstruktionselemente war gänzlich neuartig, nur, so van de Velde selbst, mit Gesetzen des Schiffbaus zu vergleichen. Der Entwurf ließ alle Stilprinzipien der traditionellen Salonmöbel weit hinter sich – und die Moderne des 20. Jahrhunderts begann.
Das Konzept von Haus Bloemenwerf kann als Initialzündung für die folgende einzigartige Karriere van de Veldes gelten. Auf Drängen des Kunstkenners und Mäzens Harry Graf Kessler siedelte van de Velde 1900 zunächst nach Berlin über. 1902 gingen Kessler und van de Velde gemeinsam mit dem erklärten Ziel nach Weimar, in der traditionsreichen, aber ruhigen und rückständigen Residenzstadt die künstlerische Avantgarde zu etablieren. Unmittelbar nach seiner Ankunft dort begann van de Velde mit Entwürfen für einen Anbau der Großherzoglichen Kunstschule, für das Kunstgewerbliche Seminar. 1907 konnte nach seinen Plänen die Kunstgewerbeschule eröffnet werden, 1911 erfolgte der Umbau der benachbarten Kunstschule, die mit den beiden anderen Bauten zu einem geschlossenen Architekturensemble vereint wurde. Die Werkstätten der Kunstgewerbeschule unter der Leitung von van de Velde wurden mit einer Fülle von Aufträgen und Entwürfen für Porzellan, Keramik, Textilien, Tapeten, Möbel, Beleuchtungskörper und besonders Silberarbeiten berühmt.
1919 verließ van de Velde Deutschland. Im selben Jahr wurden Kunstgewerbeschule und Kunstschule in Weimar zum „Staatlichen Bauhaus“ vereint, das unter der Leitung von Walter Gropius, den van de Velde noch als seinen Nachfolger empfohlen hatte, seinen weltweiten Siegeszug für die Synthese von Kunst und Design antrat. Die Grundlagen dafür hatte auch van de Velde gelegt. Ingeborg Becker

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