Auktionen Frühjahr 2019

ORANGERIE bauhaus forever!

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Wassily Kandinsky

Moskau 1866 – 1944 Neuilly

„Gitterkreise“. 1931

Aquarell, Gouache und Spritztechnik auf Papier, vom Künstler auf Karton aufgezogen. 50 × 30 cm (54,2 × 32,8 cm). (19 ⅝ × 11 ¾ in. (21 ⅜ × 12 ⅞ in.)) Unten links mit Feder in Schwarz monogrammiert und datiert: K / 31. Rückseitig auf dem Karton mit Bleistift bezeichnet, datiert und betitelt: No. 431 1931 – „Gitterkreise“. Werkverzeichnis: Barnett 1041.  [3355] Gerahmt 

ProvenienzRudolf Probst (1890–1968), Dresden und Mannheim / Karl Flinker (1895–1986), Paris / Josef Steegmann (1903–1988), Köln und Vaduz / Privatsammlung, Süddeutschland / Herbert Hirche (1910–2002), Stuttgart (erworben in der Galerie Flinker, Paris, seitdem in Familienbesitz)

EUR 70.000 – 90.000
USD 78,700 – 101,100

„Gitterkreise“

Auktion 305Donnerstag, den 30. Mai 2019, 14.00 Uhr

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AusstellungSonder-Ausstellung W. Kandinsky: Zeichnungen 1910–1931. Neue Aquarelle. Grafik. Berlin, Galerie Ferdinand Möller, 1932, Kat.-Nr. 73 / Kandinsky. Stockholm, Gummesons Konsthall, 1932, Kat.-Nr. 38 / Neuere Kunst aus württembergischem Privatbesitz: I. Klassische Moderne. Stuttgart, Staatsgalerie, 1973, Kat.-Nr. 73 / Kandinsky. Kleine Freuden: Aquarelle und Zeichnungen. Düsseldorf, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, und Stuttgart, Staatsgalerie, 1992, Kat.-Nr. 135, Farbabb

Kandinsky verteidigte sein Leben lang seine Vorstellungen von der Universalität der Kunst. Ganz egal, welche Formbausteine er gerade nutzte, immer sollten diese Bausteine als Gleichnis einer höheren, ja geradezu kosmischen Harmonie dienen. Waren die ersten abstrakten Bildelemente bei Kandinsky noch dem Naturvorbild verpflichtet, wurden seine Bildzeichen während der Bauhaus-Jahre 1922 bis 1933 unter dem Einfluss konstruktivistischer Ideen immer geometrischer: Punkt und Kreis, Linie und Dreieck, Gitter und Viereck. In seinem theoretischen Hauptwerk dieser Zeit, „Punkt und Linie zu Fläche“ von 1926, analysiert er die Bildeigenschaften und den Ausdrucksgehalt der geometrischen Grundformen. Gerade dem Kreis kommt in diesen Jahren besondere Bedeutung zu. In Briefen an den Kunstkritiker Will Grohmann erläutert Kandinsky, warum: Kein anderes Element ist so „bescheiden“, aber „rücksichtslos behauptend“, so „präzis, aber unerschöpflich variabel“, so „leise und laut gleichzeitig“. Der Maler bezeichnet den Kreis als romantisch und nennt eine kommende Romantik „ein Stück Eis, in dem eine Flamme brennt“ (zitiert nach: Peter Anselm Riedl: Wassily Kandinsky in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg, 1983, S. 112).
Die „Gitterkreise“ wirken betont sparsam, rein zeichenhaft erscheinen die Formen, das Farbspektrum umfasst wenige, nah beieinander liegende Töne. Das Werk ist dennoch weit mehr als gemalte Theorie: Die Elemente schweben transparent auf dem in Spritztechnik aufgebrachten Grund und verlieren so ihre Strenge. Kandinsky hebt in der Entmaterialisierung von Objekten und Grund die Flächigkeit auf. Drei Kreise bilden den Angelpunkt der Komposition. In ihren Mittelpunkten stoßen Gitterkonstruktionen aneinander. Das den Kreisen innewohnende Drehmoment kann die gesamte Bildordnung in Bewegung setzen. Die Spannung der Arbeit entsteht nicht allein durch die Vernunft der Ordnung, sondern ist in erster Linie Folge der künstlerischen Intuition, die auch für Kandinsky stets Grundlage allen Schaffens blieb. Der in der Provenienz des Werkes genannte Herbert Hirche studierte 1930 bis 1933 am Bauhaus in Dessau und Berlin und arbeitete danach in den Büros von Mies van der Rohe, Egon Eiermann und Hans Scharoun. Nach dem Krieg war er bis 1948 im Planungsamt der Stadt Berlin zuständig für Belange des Wiederaufbaus der Stadt. An der Hochschule in Berlin-Weißensee lehrte er bis 1950. Von 1960 bis 1970 stand er dem Verband deutscher Industriedesigner als Präsident vor. Seine Industrieprodukte wie seine Möbel konzipierte Hirche nach den klassischen Bauhaus-Prinzipien der Funktionalität auf der Basis kubischer Grundformen, unter anderem für die Firma Braun. OH

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