Auktionen Frühjahr 2019

ORANGERIE bauhaus forever!

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László Moholy-Nagy

Bácsborsód 1895 – 1946 Chicago

Ohne Titel. 1925/26

Vintage. Fotogramm auf Silbergelatinepapier. Unikat. 24,1 × 18,2 cm. (9 ½ × 7 ⅛ in.) Rückseitig mit brauner Tinte bezeichnet und signiert: Moholy=Nagy. Werkverzeichnis: fgm 191. Mit Gebrauchsspuren.  [2065] Gerahmt 

ProvenienzMyron Kozman (1916–2002), Chicago / Ubu Gallery, New York / Corbeau et Renard, Cerisy-la-Forêt / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (seit 2008)

EUR 70.000 – 90.000
USD 78,700 – 101,100

Verkauft für:
87.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Ohne Titel

Auktion 305Donnerstag, den 30. Mai 2019, 14.00 Uhr

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AusstellungLa trajectoire du regard. Une collection de photographies du XXe siècle. Monaco, Salle du Quai Antoine 1er, 2006, S. 9

Literatur und AbbildungAuktion: Photographs. London, Phillips de Pury & Company, 17.5.2008, Kat.-Nr. 79 / Renate Heyne, Florian M. Neusüss und Hattula Moholy-Nagy (Hg.): Moholy-Nagy. The Photograms. Catalogue Raisonné. Ost­fildern, 2009, S. 164

„Dieses Jahrhundert gehört dem Licht. [...] die Fotografie ist die erste Form der Lichtgestaltung, wenn auch in transponierter und [...] fast abstrahierter Gestalt“ (Moholy-Nagy, 1927).

László Moholy-Nagy, der Universalkünstler, malte mit Licht auf Fotopapier. Wie die Farben in der Malerei oder Töne in der Musik vermag das Licht in der Fotografie bizarr-rätselhafte Kompositionen entstehen zu lassen. Licht schreibt sich ins Papier und wird zur Eigenkreation. „Fotogramme“ hat Moholy-Nagy ab 1925 jene Lichtkompositionen in Anlehnung an die Unmittelbarkeit in der Übertragung von Telegrammen genannt. Für Moholy-Nagy barg die Fotografie neue Möglichkeiten einer anderen Form der Seh-Erfahrung sowie der autonomen Gestaltung und freien Interpretation. „mit fieber erarbeiten geist und auge die neuen dimensionen des sehens“, schrieb er dazu 1926. Das Fotogramm als sein Medium der Erkenntnis hat er dabei ausgiebig und kreativ zu nutzen gewusst. Mit großer Geduld hat er immer wieder neue Themen variiert. Über vierhundert Fotogramme haben sich von ihm aus den Jahren 1922 bis 1943 erhalten oder sind zumindest dokumentiert.
Das Fotogramm ist Dichte und Transparenz zugleich und visualisiert verborgene Schichten. Indem Moholy-Nagy Gegenstände mehrfach aufs Papier gelegt und von verschiedenen Lichtquellen aus belichtet hat, gelang ihm letztlich die Abstraktion: Umrisse lösen sich auf zu undefinierbaren Formen. Konturen verweben sich miteinander, durchdringen sich, offenbaren ein Eigenleben. Lichtmodulatoren wie Objekte aus Metall, Glas oder Flüssigkeiten, Wasser, Öle entwickeln seltsame Effekte, die reflektiert, gebrochen, auf das Papier gebracht werden, sich unklar und unscharf zeigen. So manches Mal greift der Künstler selbst ins Bild und bringt das Licht dadurch zum Fließen, wie auch beim vorliegenden Fotogramm (WVZ: fgm 191).
Nur vage können wir in dem Blatt konkrete Formationen erkennen, stattdessen ein um sich selbst kreisendes Gebilde wie einen Lichtkegel, der tänzerisch im dunklen Raum zu schweben scheint. Aufschluss gibt das Werkverzeichnis, das das Bild in die Abfolge von zwei Dutzend Handstudien stellt, alle in den Jahren 1925/26 entstanden. Während die anderen Blätter die Hand des Künstlers eher untätig zeigen, schraubt sich die Hand in unserem Blatt geradezu ins Bild, nach dem Lichtschein wie nach einem Kegel greifend. Darin offenbart sich, wenn man so will, eine gestische Übertragung des von Moholy-Nagy geprägten Terminus „Lichtmalerei“: Hand, Bewegung und Licht werden zu gemeinsamen Akteuren, zu Zeichen, zum „konstruktivistischen Emblem“.
Moholy-Nagy übereignete dieses durchaus ungewöhnliche Fotogramm einst dem Künstler Myron Kozman, dem er ein enger Freund und Mentor war. Kozmans Interesse an avantgardistischen Techniken wie der der kameralosen Fotografie hat Moholy-Nagy nachweislich gefördert und unterstützt. Vielleicht kann man das Blatt in diesem Sinne auch als eine Art Chiffre verstehen, als eine Aufforderung, Moholy-Nagy zu folgen und es ihm in eigenen Fotogrammen gleichzutun. FS

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