Auktionen Frühjahr 2019

Zeitgenössische Kunst

806

Ulrich Erben

Düsseldorf 1940 – lebt in Düsseldorf

„Rot und Blau“. 1988

Acryl auf Leinwand. 200 × 171 cm. (78 ¾ × 67 ⅜ in.) Rückseitig auf dem Schutzkarton mit Filzstift in Blau betitelt, signiert, datiert und bezeichnet: (“Rot und Blau”). ULRICH ERBEN 1988/89. Acryl auf Leinwand 200 × 171 cm. Hier mit Richtungspfeil.  [3456] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Süddeutschland (1989 in der Galerie Müller Roth, Stuttgart, erworben)

Addendum/ErratumDie Werkgruppe „Farben der Erinnerung“ beginnt, anders als im Begleittext im gedruckten Katalog geschrieben, Ende der Achzigerjahre.

EUR 35.000 – 45.000
USD 39,300 – 50,600

„Rot und Blau“

Auktion 308Freitag, den 31. Mai 2019, 18.00 Uhr

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AusstellungDas Purpurrot der Worte – Farben der Erinnerung. Düsseldorf, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, 1990, Abb. Tafel 11; Ulrich Erben. Träger des Otto Ritschl Preises 2003. Wiesbaden, Museum Wiesbaden, 2003/2004, Abb. S. 107. Dort jeweils abweichend betitelt: Blau versetzt

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In seiner Ende der Achzigerjahre beginnenden Werkgruppe „Farben der Erinnerung“ kehrt Ulrich Erben, nach langjährigen monochromen Malereien und den sich anschließenden konstruktiven Bilderordnungen, formal zur Geometrie seiner frühen weißen Bilder zurück. Der Gegenstand dieser Bilder ist die Erfahrung von räumlich elementaren Situationen, wie der Künstler sie erlebt hat. Die dazu verwendeten malerischen Mittel sind jedoch äußerst konkret, denn Erben beschränkt sich auf Farbe und Form. Durch das Verhältnis der Farben untereinander und das Zusammenspiel mit rechteckigen Formen eröffnet der Künstler Räume, Räume der Erinnerung. „Rot und Blau“ (1988) ist das erste Bild dieser wegweisenden Werkgruppe, die in einem Atelier in Wanheimerort bei Duisburg entsteht und für die Erben nicht mehr Öl-, sondern Acrylfarbe einsetzt. Diese ermöglicht einen lasierenden Auftrag, wodurch die beiden Hochrechtecke ein unglaubliches Strahlen gewinnen. In dem langwierigen Malprozess, bei dem alles Ablenkende und Unwesentliche ausgeschlossen wird, konzentriert sich Erben auf die Abstimmung der beiden aufeinandertreffenden Farben. Die lustvolle Intensität von Schieferblau und Purpurrot überwindet das Kalkül der geometrischen Formen. Erben versetzt seine „Farbformen“ in ein antagonistisches Spiel, in dem er Kontraste wie warm/kalt, männlich/weiblich, innen/außen sorgsam austariert. „Farben der Erinnerung“ sind konkrete Malereien, deren Gegenstand zugleich Erinnerungen des Weltsehens sind. Hier stehen sich selbstreferenzielle malerische Kategorien, außerbildliche Bezüge und Verweise auf erlebte Seherfahrungen gegenüber. „Rot und Blau“ exemplifiziert diese bildkünstlerische Dialektik Erbens und vereint alle Erfahrungsdimensionen seines Schaffens: Empathie für das Leben, Konkretion, Askese, Leichtigkeit und Präzision. Unser Bild oszilliert zwischen diesen scheinbar unvereinbaren Polen, und zurück bleibt die Zeit, die wir in fast meditativer Spannung vor dem Bild verbringen.
CG

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