Auktionen Herbst 2018

Zeitgenössische Kunst

807

Joseph Beuys

Krefeld 1921 – 1986 Düsseldorf

„Berglampe“. 1953

Bronze. 16 × 10 × 5 cm. (6 ¼ × 3 ⅞ × 2 in.) Rückseitig am Fuß mit Namensprägung: BEUYS. Eines von 7 dem Joseph Beuys Estate bekannten Exemplaren. [3121].  [3121]

ProvenienzSammlung Willy und Fänn Schniewind, Neviges (direkt vom Künstler erhalten) / Privatsammlung, Rheinland

EUR 80.000 – 100.000
USD 92,000 – 115,000

Verkauft für:
100.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Berglampe“

Auktion 301Freitag, den 30. November 2018, 18.00 Uhr

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Vergleichsliteratur:

KREUZ ZEICHEN. Religiöse Grundlagen im Werk von Joseph Beuys. Suermondt-Ludwig-Museum und Museumsverein Aachen 1985. S. 59: Zeichnungen 2 Lampen von 1956. S. 73: Abbildung 2 Lampen (ehem. Slg. Ströher, Darmstadt)

Joseph Beuys. Plastische Arbeiten. 1947-1985. Kaiser Wilhelm Museum Krefeld 1991. S. 13: Abbildung der zwei Berglampen 1 aus / 2 an

Götz Adriani, Winfried Konnertz, Karin Thomas: Joseph Beuys. Köln: DuMont Buchverlag, 1994. S. 32: Abbildung der Berglampen im Block Beuys im Hessischen Landesmuseum, Darmstadt

Joseph Beuys und das Mittelalter. Ostfildern: Schnütgen-Museum der Stadt Köln und Cantz Verlag, 1997. S. 127: Abbildung der in der Sammlung des Kolumba befindlichen Skulptur (Munitionskiste mit Fichtenstamm, „Kreuz mit Sonne“ und „Berglampe“)

Literatur und AbbildungRalf Rothmann: Feuer brennt nicht, aber diese Lampe sehr wohl. In: Grisebach. Das Journal. Heft 8. Berlin 2018, S. 10 m. Abb

Berglampen, einfache Grubenlichter, waren für Arbeiter ‚unter Tage’ unverzichtbar. Auch die 1953 von Joseph Beuys entwickelte „Berglampe“, die zu seinen frühen plastischen Arbeiten zählt, war für den Künstler unverzichtbar. Wie ein roter Faden durchzieht das Motiv sein Werk. Letztmalig verwendete er es 1978, ein Beleg für die hohe Bedeutung, die der Künstler dem Motiv beimaß. Bekannt sind sieben Werke, die sich in ihrer Ausarbeitung, in ihrem Kontext wie auch ihrer Patina unterscheiden, so dass jede Berglampe als Unikat zu verstehen ist.
Beuys hat die Berglampe als Paar in den Versionen „1 an / 2 aus“ geschaffen. Als solches fanden sie Eingang in den Block Beuys, der sich heute im Hessischen Landesmuseum Darmstadt befindet. 1958 nimmt Beuys an einem Wettbewerb für ein Mahnmal für Auschwitz teil. Geplant war eine große Version der Berglampe am Eingangstor des ehemaligen Konzentrationslagers, die wie ein leuchtender Kristall den Schreckensort markieren sollte. Der Entwurf wurde jedoch nicht realisiert. Franz van der Grinten beschreibt Beuys’ Entwurf wie folgt: „Schräg geneigt und quer gelegt hätte sie in einer reflektierenden Silberfassung, so groß, dass man von hinten in äußerster Körperstreckung ihren oberen Rand hätte berühren können, nach Beuys‘ Plan Denkmal für Auschwitz werden sollen, in eine Achse gestellt, die vom Außentor her durch zwei fallbeilartige Torbögen in perspektivischer Verkürzung dramatisiert worden wäre, vor allem, wenn das Morgenlicht, in der Schale aufgefangen, von ihr würde ausgestrahlt worden sein.“ (Joseph Beuys und das Zeichen des Kreuzes. In: Kreuz Zeichen. 1985. S. 10)
Drei Jahre später bewirbt sich Joseph Beuys für eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf und fügt seiner Bewerbungsmappe „2 Berglampen. 1 an / 2 aus“ bei. In seiner um 1972 entstandenen Installation mit Munitionskiste mit „Kreuz und Sonne“ und Fichtenstamm ist ebenfalls eine Berglampe integriert. Die Arbeit befindet sich heute im Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln. 1978 schließlich erstellt Beuys ein Multiple mit dem Titel „Cuprum 0,3% unguentum metallicum praeparatum“, das den Abdruck der Berglampe in Bienenwachs mit feinverteiltem Kupfer zeigt.
Die Deutungsebenen der Berglampe im Werk von Joseph Beuys sind zahlreich. Aus dem kantigen Lampenkörper erwächst eine Flamme, deren Lichtkranz als polygonal geformte Scheibe ausgearbeitet ist. Ist sie ein Andachtsgegenstand der christlichen Liturgie, oder in ihrer archaischen Form schlicht als unheilabwehrendes Pentagramm konzipiert?
Anne Ganteführer-Trier

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