Auktionen Herbst 2018

38R

Karl Hofer

Karlsruhe 1878 – 1955 Berlin

„Montagnola (Tessin)“. Um 1930

Öl auf Leinwand. 80,5 × 100,7 cm. (31 ¾ × 39 ⅝ in.) Unten links monogrammiert: CH. Auf dem Keilrahmen zwei Etiketten der Baukunst-Galerie, Köln, und eines der Ausstellung Stockholm 1956 (s.u.). Werkverzeichnis: Wohlert 929. Mit einer zusätzlichen Bestätigung von Karl Bernhard Wohlert, Dortmund, vom 13. Mai 2004 (in Kopie).  [3495] Gerahmt 

Addendum/ErratumProvenienz: Nachlass Carl Hofer (Nr. 284) / Galerie Wirnitzer, Baden-Baden / Baukunst-Galerie, Köln / Ehemals Privatsammlung, Köln

EUR 80.000 – 120.000
USD 92,000 – 138,000

Verkauft für:
93.750 EUR (inkl. Aufgeld)

„Montagnola (Tessin)“

Auktion 300Donnerstag, den 29. November 2018, 18.00 Uhr

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AusstellungTysk nutidskonst [Deutsche Gegenwartskunst]. Stockholm, Riksförbundet för Bildande Konst und Deutscher Kunstrat, 1956, Kat.-Nr. 37 (laut Etikett) / Karl Hofer zum 90. Geburtstag. Köln, Baukunst-Galerie, 1968, Nr. 8 (Faltblatt) / Karl Kofer Retrospektiv-Ausstellung. Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen, Lithographien. Wilhelmshaven, Verein der Kunstfreunde, 1969, Kat.-Nr. 10 / Karl Hofer. Ölbilder, Zeichnungen, Druckgraphik der Jahre 1922 bis 1955. Köln, Baukunst-Galerie, 1972/73 (außer Katalog) / Retrospektiv-Ausstellung Karl Hofer. Köln, Baukunst-Galerie, 1975, Kat.-Nr. 28 (datiert: 1940) / Karl Hofer zum 100. Geburtstag. Köln, Baukunst-Galerie, 1978, Kat.-Nr. 27 / Ölbilder, Aquarelle, Zeichnungen von Karl Hofer. Konstanz, Universität, Galerie auf der Empore, 1979, Kat.-Nr. 2

Literatur und AbbildungE. Plunien: Ein Klassizist endet im Pessimismus. In: Die Welt, Hamburg, Nr. 291, 14.12.1972, S. 20

Es liegt eine feierliche Stimmung über Montagnola. Die Sonnenstrahlen tauchen die Gebäude in warmes Licht, während über dem See dunkle Wolken aufziehen und ein Gewitter ankündigen. Karl Hofer besuchte 1917 zum ersten Mal das Tessin und war begeistert von Landschaft und Architektur, in denen er eine Mischung aus italienischen und nordalpinen Wesenszügen erkannte. Strenge und Heiterkeit fand er hier in geradezu paradiesischer Weise vereint. Jahre später erwarb er ein Anwesen in Caslano am Luganer See, und er war auch häufiger zu Gast bei Hermann Hesse, mit dem er befreundet war.
Vielleicht war es der Dichter, der Hofer die reizvolle Aussicht zeigte, die er auf diesem Gemälde aus der Zeit um 1930 festgehalten hat. Von der Terrasse eines herrschaftlichen Hauses blickt man über Beete und Bassins, über Wiesen, Wege und zwischen Bäumen hindurch zum Ufer und weiter über den ganzen See hinweg. Im Gegensatz zu den Impressionisten war Karl Hofer der Meinung, dass das Sonnenlicht die Formen eher verfestige, denn auflöse. Und so modellierte er auf „Montagnola“ die Landschaft durch Licht und Schatten fast wie ein Bildhauer in einer für ihn ungewöhnlich reichen Farbpalette, mit kräftigen Tönen von hellem Gelb bis zu Smaragdgrün und in einem ganzen Spektrum von Rot, Violett und Ocker.
Karl Hofer wird manchmal als moderner Klassizist bezeichnet. Gerade Landschaften wie „Montagnola“ bestätigen diese Einschätzung. Ihnen ist eine ähnliche Melancholie zu eigen wie den Bildern eines Nicolas Poussin, und man bemerkt an diesem Gemälde auch deutlich Hofers Vorliebe für die tektonischen Prinzipien Paul Cézannes, dessen Bildideen der Maler in das 20. Jahrhundert überführte. Zugleich spiegeln die Harmonie und stille Schönheit, die „Montagnola“ zu einem Meisterwerk machen, zweifellos auch das Wohlbefinden wider, das Hofer bei seinen Sommeraufenthalten im Tessin empfunden haben muss. OH

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