Auktionen Herbst 2018

635

Max Beckmann

Leipzig 1884 – 1950 New York

„Selbstbildnis mit steifem Hut“. 1921

Kaltnadel auf BSB-Bütten. 31,5 × 24 cm (49,8 × 33,5 cm). (12 ⅜ × 9 ½ in. (19 ⅝ × 13 ¼ in.)) Signiert. Werkverzeichnis: Hofmaier 180 III.B. (von IV.B.). Einer von wohl 50 Abzügen auf diesem Papier. Berlin, I.B. Neumann. Leicht unregelmäßig gebräunt.  [3325] Gerahmt 

EUR 50.000 – 70.000
USD 57,500 – 80,500

Verkauft für:
75.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Selbstbildnis mit steifem Hut“

Auktion 299Freitag, den 30. November 2018, 11.00 Uhr

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Im größten Teil seiner zahlreichen Selbstbildnisse stellt sich Max Beckmann „offiziell“ dar und nicht im lässigen Habit des Künstlers. Das setzt mit dem schwarzen Anzug von „Selbstportrait in Florenz“ 1906 (Göpel 66) ein, den der Künstler auch in den folgenden Selbstdarstellungen trägt. Seit 1904 lebt er in Berlin, wo im „Selbstbildnis malend“ von 1910 (Göpel 35) erstmals der Bowler als Attribut eines großstädtischen Bürgers auftaucht. Danach ist er Attribut im Ölbild „Die Straße“, 1914 (Göpel 180), sowie den Lithografien „Nachhauseweg“ (Hofmaier 138) wie auch „Zu Haus“ (Hofmaier 160), beide von 1920, und in unserer Radierung. Deren „Setting“ ist ebenfalls in „Zu Haus“ vorgedacht: der Künstler rauchend an einem Tisch mit Petroleumlampe, auf dem eine Katze sitzt. „Selbstbildnis mit steifem Hut“ erweitert diesen Schauplatz im ersten Zustand zu einem Atelier mit abgestellten Leinwänden und einer großen Leuchte, verkürzt die Komposition später jedoch auf den knappen Bildausschnitt des Porträtierten. Die Katze oder vielmehr der Kater Pummi – seit 1919, als sich Beckmann in Frankfurt bei seinen Freunden, dem Ehepaar Battenberg, von den zerstörerischen Erlebnissen im Ersten Weltkrieg erholte und allmählich seine künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten zurückgewann, häufiger Gast in seinen Bildern –, in der Grafik zunächst auf dem Arm Beckmanns, wird zur magischen Assistenzfigur.
Beckmanns Selbstporträts sind Zeugnisse für die jeweilige Lebenssituation, in der der Künstler den Blick oft auf die eigene Physiognomie richtete. Es bleibt jedoch nie bei der vordergründigen Wiedergabe dessen, was man sieht. Der Blick dringt vielmehr in die Tiefe, er vollzieht eine Bestandsaufnahme des Inneren. So stehen die Selbstdarstellungen für Beckmanns Überzeugung, im Nachdenken über die eigene Person die Verantwortung des Individuums sich selbst gegenüber zu veranschaulichen.
Auch die Radierung „Selbstbildnis mit steifem Hut“ enthält Anspielungen auf den Raum hinter der sichtbaren Wirklichkeit. Ihn zu fassen, wiederzugeben und erlebbar zu machen ist Gegenstand des gesamten Schaffens Beckmanns. In der „Schöpferischen Konfession“ schrieb er schon 1918: „Das einzige, was unsere eigentlich recht überflüssige und selbstsüchtige Existenz einigermaßen motivieren kann, (ist) daß wir den Menschen ein Bild ihres Schicksals geben, und das kann man nur, wenn man sie liebt.“ Von dieser Idee nahm er sich selbst nicht aus, sie gipfelt in seinem Meisterwerk „Selbstbildnis im Smoking“ (Göpel 274), aber auch in dem ebenfalls im Jahr 1927 publizierten Aufsatz „Der Künstler im Staat“.
EO

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