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Horst Antes

Heppenheim 1936 – lebt in Karlsruhe und Castellina/Chianti

„Gelbes Bild“. 1976/79
Acryl auf Leinwand. 129 × 196,5 cm (50 ¾ × 77 ⅜ in.) Rückseitig mit Pinsel in Braun betitelt, bezeichnet und signiert: gelbes Bild Aquatec Antes. Werkverzeichnis: Fiedel/Symczak 1979-9.  [3422] Gerahmt 

ProvenienzGimpel & Hanover und André Emmerich Galerien, Zürich (1980) / Privatsammlung, Hessen

EUR 90.000 – 120.000
USD 106,000 – 141,000

Verkauft für:
87.500 EUR (inkl. Aufgeld)

„Gelbes Bild“

Auktion 281Donnerstag, den 30. November 2017, 17.00 Uhr

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AusstellungHorst Antes. Bilder und Plastiken. Zürich, Gimpel & Hanover und André Emmerich Galerien, 1980, Kat.- Nr. 3 / Horst Antes. Dreiundfünfzig Bilder. Dreiunddreißig Sammler aus Süddeutschland. Villingen Schwenningen, Städtische Galerie, und Bad Säckingen, Kunstverein Hochrhein, 1987, Kat.-Nr. 11, Abb. / Antes. Bilder 1959 bis 1993. München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen im Haus der Kunst, und Wuppertal, Von-der-Heydt-Museum, 1993/94, Kat.-Nr. 55, Abb. S. 20

Horst Antes war 26 Jahre alt, als er die Figur des „Kopffüßlers“ erfand. Diese eigentümlichen Wesen ohne Torso boten dem Maler unendliche Möglichkeiten zur Nuancierung von Farbpalette und psychologischen Schattierungen. „Sie können monumental und aggressiv sein, Trauer zeigen oder Scheu“, schrieb der Kurator Joachim Sartorius über die Kopffüßler im Katalog zu seiner großen Berliner Antes-Retrospektive von 2013. „Manchmal ist ihnen eine naive Anmut eigen, sie können zutraulich sein oder irritierend, sie können sich maskieren oder verlieben“ (Joachim Sartorius (Hg.): Horst Antes. Malerei 1958–2010. Ausst.-Kat. Berlin, Martin Gropius Bau, 2013).
Das „Gelbe Bild“, das in den Jahren zwischen 1976 und 1979 entstand, ist ein hervorragendes Beispiel, um dies zu illustrieren. Man sieht darauf eine Landschaft, in der man entfernte Ähnlichkeiten mit der Toskana erkennt, wo der Künstler seit den frühen Siebzigerjahren gern malte und Kraft schöpfte. Darüber türmt sich ein unrealistisch orangegelber Himmel auf. Die Vermutung liegt nahe, dass er nur deshalb einen solch poppigen Farbton trägt, damit der tiefblaue Kopffüßler davor im Komplementärkontrast besondere Präsenz erlangt. Und trügt uns der Schein oder vollführt die Figur mit der rechten Hand eine Geste des Bedauerns? „Feeling blue“, in der englischen Umgangssprache ist das ein Ausdruck für Niedergeschlagenheit und Trauer.
Die Interpretation gewinnt an Plausibilität, wenn man die zweite Figur betrachtet, vor deren Antlitz Antes im „Gelben Bild“ einen wahren Vorhang an Tränen gelegt hat. Auch dort lässt der Künstler das Kolorit zwischen kompositorischen Notwendigkeiten und seelischem Ausdruck oszillieren. Blass, als sei bereits alle Lebensfreude aus ihr gewichen, tritt diese zweite Figur dem blauen Kopf gegenüber. Werden wir hier womöglich gerade Zeuge eines persönlichen Dramas? Die Antwort muss lauten: Könnte sein, könnte aber genauso gut auch nicht sein. Die Kunst von Horst Antes ist zu komplex für einfache Erklärungen. Denn was wir bisher übersehen haben, ist der gelbe Halbkreis, den die zweite Figur am unteren Bildrand hält. Weshalb wölbt er sich direkt über den Löffel auf dem seltsam hellblau gewellten Tisch? Oder ist dieser Tisch ein stilisierter Wasserlauf, ein See – der Ozean gar? Auch deswegen darf man das „Gelbe Bild“ zu Antes´ Meisterwerken zählen. Je länger man es betrachtet, desto stärker geraten die Gewissheiten ins Wanken – und immer mehr Fragen führen zu immer weniger Antworten. UC

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