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Horst Antes

Heppenheim 1936 – lebt in Karlsruhe und Castellina/Chianti

Figur Maya V. 1961
Mischtechnik auf Papier. 66,3 × 51 cm (26 ⅛ × 20 ⅛ in.) Unten rechts signiert: Antes.  [3182] Gerahmt 

ProvenienzEhemals Fritz Genkinger, Stuttgart/Böttingen

EUR 35.000 – 45.000
USD 43,100 – 55,400

Figur Maya V

Auktion 290Donnerstag, den 31. Mai 2018, 18.00 Uhr

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Der Maler Fritz Genkinger (1934–2017) studierte ab 1957 an der Kunstakademie in Karlsruhe unter anderem bei HAP Grieshaber, wo er den jungen Horst Antes kennenlernte. Unser Bild kam durch Tausch in Genkingers Besitz.

In den späten 1950er-Jahren wandte sich Horst Antes vom Informel ab, begründete eine neue gegenständliche Malerei und wurde zu einem Hauptvertreter der Neuen Figuration. Neben dem „Kopffüßler“, den er als sein Markenzeichen etablierte, schuf Antes weitere Kunstfiguren, wie zum Beispiel die weibliche Gestalt der „Maya“. Mit dem Titel des Bildes, „Figur Maya V“, schuf er eine selbstbewusste Referenz auf Francisco de Goyas berühmte zwei Majas im Prado in Madrid. „Die bekleidete Maja“ und vor allem „Die nackte Maja“ brachten Goya in Konflikt mit der Inquisition und kosteten ihn schließlich seinen Posten als Hofmaler. Antes wiederum sicherte sich seinen Platz in der Kunstgeschichte, indem er mit dem Pinsel Wesen zum Leben erweckte, wie sie nur in der Welt der Malerei existieren können.

Die „Figur Maya V“ ist ein solches Geschöpf. Transparente und deckende Schichten von expressiver Farbigkeit überlagern sich gegenseitig. Eine unruhige Umrisszeichnung in Ultramarin fasst konvexe, leuchtend weiße Körperformen ein. Während der Künstler bestimmte Teile des Körpers wie das dreifache Auge, die rote Wange, den Busen und die Scham überbetont, verzichtet er auf andere ganz, etwa auf Nase, Hals und Bauch. Die Figur füllt das Bild fast vollständig aus. Alle Farbschichten und Pinselstriche sind mit ihr verwoben – einen Hintergrund gibt es nicht. Von einem Energiefeld aus gelben, orangefarbenen, weißen und blauen Schlieren umgeben, pulsiert die Figur und dehnt sich beständig aus. Die erhobenen Arme und die Beine sind bereits von den Bildrändern angeschnitten. In der Mitte des Körpers löst sich das Geflecht der weißen Pinselstriche wie eine durchlässige Membran, beinahe so, als würde die Gestalt auch nach vorne aus dem Bild herauswachsen. Eine machtvolle Präsenz und ungestüme Wildheit geht von der „Figur Maya V“ aus. Ihr nackter Leib mit den überproportionierten Geschlechtsmerkmalen erinnert an jenen Archetyp Frau, den man von den ältesten Zeugnissen menschlichen Kunstschaffens kennt, an die zirka 40.000 Jahre alte, aus Mammutelfenbein geschnitzte „Venus vom Hohlefels“ etwa, die erst vor zehn Jahren in der gleichnamigen Höhle auf der Schwäbischen Alb gefunden wurde. KH

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