2011

Karl Blossfeldt

Schielo 1865 – 1932 Berlin

Chrysanthemum segetum, Wucherblume. 1915/25
Vintage. Silbergelatineabzug. 29,8 × 23,7 cm (11 ¾ × 9 ⅜ in.) Rückseitig mit Bleistift von Karl Blossfeldt beziffert: „180“ sowie Nachlassstempel und von weiterer Hand mit Bleistift beschriftet: „Originalabzug von Karl Blossfeldt, Chrysanthemum segetum Wucherblume, 10 x vergr. ...“.  [2012]

ProvenienzEhemals Nachlass Karl Blossfeldt

EUR 25.000 – 30.000
USD 26,700 – 32,000

Verkauft für:
43.750 EUR (inkl. Aufgeld)

Chrysanthemum segetum, Wucherblume

Auktion 271Mittwoch, den 31. Mai 2017, 18.00 Uhr

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Literatur und AbbildungAnn und Jürgen Wilde (Hg.): Karl Blossfeldt. Fotografie. Kunstmuseum Bonn, Ostfildern 1994, S. 55, Abb. 73 / Ann und Jürgen Wilde (Hg.): Karl Blossfeldt. Die Arbeitscollagen. München 2000, T. 12 / Grafikstiftung Neo Rauch & Archiv Ann und Jürgen Wilde (Hg.): Begegnung - An Encounter. Karl Blossfeldt & Neo Rauch. Berlin u. a. 2015, S. 97

Das photographische Werk von Karl Blossfeldt gehört mittlerweile zum festen Kanon der modernen, konzeptuellen Photographie. Vor allem seine systematischen Pflanzenaufnahmen mit ihrer geradezu architektonischen Präsentation der Motive machen ihn zum wichtigen Vorläufer für die seriellen Bilder von Bernd und Hilla Becher.

Das vorliegende Bild mit dem Pflanzenblatt einer Wucherblume besticht durch die greifbare Nähe und fleischige Materialität des abgebildeten Objekts. Formatfüllend und vom neutralen Raumhintergrund leicht abgerückt, beeindruckt die vitale Kraft und Plastizität der Photographie. Einzelne Elemente wie Blattspreite, –stiel und –scheide treten unmittelbar vor das Auge und bestimmen so den organischen Detailreichtum des gesamten Pflanzenstücks. Mittels der eigens konstruierten Plattenkamera sowie einer künstlichen Lichtinszenierung war es Blossfeldt möglich, die Oberflächenzeichnung der Pflanze im Schattenspiel körperhaft exakt wiederzugeben. Zusätzliche Nachzeichnungen der Blattkonturen und punktuelle Retuschen im Negativ tragen noch mehr zur stofflichen bzw. reliefhaften Wiedergabe des ausgewählten Motivs bei. Die extreme Makroaufnahme und der fragmentierte Ausschnitt wirken räumlich höchst präsent und doch zeitlich entrückt und monumental. Die Photographie changiert damit in ihrer Erscheinung zwischen einer dokumentarischen und abstrakten Darstellung, die dem damaligen naturwissenschaftlichen wie künstlerischen Anspruch gleichermaßen gerecht wird. Nicht zuletzt aufgrund der Ausbildung zum Modelleur und seiner Tätigkeit an der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums in Berlin entwickelt Blossfeldt eine individuelle und zugleich hoch moderne Bildsprache, die durch einen sezierenden und sachlichen Blick auf das einzelne Objekt gekennzeichnet ist.

In seinen Werken stellt Blossfeldt einen bisher unbekannten Bezug zwischen dem Haptischen und Optischen her und führt dadurch die Kunst der Photographie zu einer neuen Bildauffassung. Die Anerkennung seines Schaffens, u.a. durch zeitgenössische Avantgardekünstler wie Max Ernst und Moholy-Nagy, kulminiert in der erfolgreichen Ausstellung „Exoten, Kakteen und Janthur“ 1926 in der Galerie Karl Nierendorf in Berlin und den darauf folgenden Publikationen: „Urformen der Kunst. Photographische Pflanzenbilder“ (1928) und „Wundergarten der Natur. Neue Bilddokumente schöner Pflanzenformen“ (1932). Dieser Erfolg zeigt sich bis in die heutige Zeit in der vielfältigen Rezeption seiner Photographie, nicht zuletzt durch die US-amerikanische Künstlerin Sherrie Levine (Los 2187).
(Sabina Mlodzianowski)

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