40

Marc Chagall

Witebsk 1887 – 1985 Saint-Paul-de-Vence

„Les mariés dans le ciel fleuri“. 1978-80
Öl auf Leinwand auf Karton. 46 × 38 cm (18 ⅛ × 15 in.) Mit einer Expertise (in Kopie) von Jean-Luis Prat, Comité Marc Chagall, Saint-Paul, vom 6. Juni 2002 (Expertisen-Nr. 2 002 043).  [3129] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Paris / Privatsammlung, Deutschland

EUR 300.000 – 400.000
USD 353,000 – 471,000

„Les mariés dans le ciel fleuri“

Auktion 281Donnerstag, den 30. November 2017, 17.00 Uhr

Los empfehlenLos notierenGebot abgeben

Literatur und AbbildungAuktion 229: 175 ausgewählte Kunstwerke des 19. und 20. Jahrhunderts. Bern, Galerie Kornfeld, 21.6.2002, Kat.-Nr. 21, m. Abb./ Olga Grjasnowa: Die Liebe kommt wie ein Traum daher, in: Grisebach – Das Journal, Ausgabe 7/2017, S. 72–74, Abb. S. 74

Losgelöst von der Last menschlichen Daseins schwebt ein verträumtes Liebespaar auf einem Pferd ins mystische, die ewige Freiheit verheißende Blau. In „Les mariés dans le ciel fleuri“ erzählt Marc Chagall von der Macht der Gefühle, der Sehnsucht nach Erfüllung in vollkommener Harmonie, von vergeistigter Schwerelosigkeit fern jeder Vernunft. Der Bräutigam ist seiner Braut voller Hingabe zugewandt. Zweifellos gibt es für die beiden nur das Jetzt. Selbst das Pferd scheint den Atem anzuhalten, ruhig und voll eigener Schönheit. Seine Dynamik verdankt das Gemälde dem imposanten Strauß Blumen, der Mann und Frau mit üppiger Blütenpracht in andere Sphären zu katapultieren scheint.
Am unteren Bildrand lässt Chagall seine Farben so kräftig leuchten, dass man als Betrachter intuitiv meint, den betörenden Duft der Blumen zu spüren. Nach oben hin, wo der Strauß in bläulich grünen Tönen sanft in den Himmel übergeht, wird das Kolorit kühler, die Stimmung von einem Geheimnis umwoben. Man merkt auf Anhieb, welche Freude es dem Maler bereitet haben muss, die Nuancen der Valeurs voll und ganz auszukosten. Links erkennt man den Eiffelturm, der seine Spitze den Liebenden leicht entgegenneigt.
Paris war die Stadt, die Chagall in jungen Jahren neue Horizonte erschloss und ihn inspirierte wie keine andere – sieht man einmal von seiner russischen Heimat ab. Orangerot geht gerade die Sonne unter, ihr Licht spiegelt sich unter einer Brücke im Wasser. Es wird Nacht, im oberen Teil des Bildes steigt schon, ganz zart, eine kleine, fast zerbrechliche Mondsichel am Himmel auf. Wohin die romantische Reise von Braut und Bräutigam geht, spielt für den Maler offenkundig keine Rolle.
Einer Fata Morgana gleich erscheint ein unbestimmter Ort am oberen Rand des Bildes – doch hat man den Eindruck, Weg und Ziel in „Les mariés dans le ciel fleuri“ ist allein das ungestörte Glück zweier Menschen, die dabei sind, zu einer Einheit zu verschmelzen. Der Traum, die Vision, das Vernunft-widrige ist Chagalls künstlerisches Credo: „Unsere ganze innere Welt ist Realität, vielleicht sogar realer als die sichtbare Welt. Wenn man alles, das einem unlogisch vorkommt, Fantasie oder Märchen nennt, beweist man damit nur, dass man die Natur nicht verstanden hat“ (Ingo F. Walther/Rainer Metzger: Marc Chagall 1887–1985. Malerei als Poesie, Köln 1987, S. 57). Dieses Werk entstand in der späten Schaffensphase des Künstlers, womöglich in Erinnerung an die junge, leidenschaftliche Verbindung mit seiner großen Liebe Bella. USO

Irrtum vorbehalten - wir verweisen auf unsere Versteigerungsbedingungen.