Auktionen Herbst 2018

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Lovis Corinth

Tapiau/Ostpreußen 1858 – 1925 Zandvoort

„Flieder im Kelchglas“. 1923

Öl auf leinenstrukturierter Pappe. 73 × 48,2 cm. (28 ¾ × 19 in.) Unten rechts signiert und datiert: Lovis Corinth 1923. Werkverzeichnis: Berend-Corinth/Hernad 899.  [3599] Gerahmt 

ProvenienzA. Wuttke, Klein-Niendorf (1926) / Privatsammlung, Berlin (in den 1970er-Jahren als Leihgabe in der Nationalgalerie, Berlin) / Galerie Sander, Darmstadt (nach 1980) / Privatsammlung, Süddeutschland / Privatsammlung, Schweiz (bis 2009) / Privatsammlung, Norddeutschland

EUR 350.000 – 450.000
USD 402,000 – 517,000

„Flieder im Kelchglas“

Auktion 300Donnerstag, den 29. November 2018, 18.00 Uhr

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AusstellungLovis Corinth. Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis. Berlin, Nationalgalerie, 1926, Kat.-Nr. 374 / Lovis Corinth 1858–1925. Gemälde und Druckgraphik, München, Städtische Galerie im Lenbachhaus, 1975, Kat.-Nr. 94, Abb. S. 189 / Lovis Corinth, Seelenlandschaften. Walchenseebilder und Selbstbildnisse. Kochel am See, Franz Marc Museum, 2009, S. 67, Abb. 19

Literatur und AbbildungAuktion 165: Ausgewählte Werke. Berlin, Grisebach, 5.6.2009, Kat.-Nr. 16

Seit 1909 hielt sich Lovis Corinth in der Sommerzeit wiederholt zu Besuch bei einem seiner Schüler in dem Ort Klein-Niendorf in Mecklenburg auf. Auf dessen Gut fand er zahlreiche Bildmotive, hier entstand vierzehn Jahre später unser „Flieder im Kelchglas“.
Ein hinreißender Farbklang entfaltet sich vor einer locker auf den Grund gesetzten, in unterschiedlich differenzierten Werten vorgetragenen grauen Fläche. Sie hebt die fragile Schönheit des Flieders hervor, seinen koloristischen Glanz und seine flüchtige Lebendigkeit. Aus nächster Nähe betrachtet, steht in einem hohen Glas Flieder auf einer schwarzen Platte. Aber das Gefäß spielt nur eine Nebenrolle, der Flor der Blüten ist der Reiz, den der Maler wiederzugeben trachtete. Die Vielzahl kleiner Einzelblüten schwirrt gleichsam lebendig als Reflexe von Rosarot und Violett durch die Komposition, einmal blitzt an der gläsernen Wandung sogar Blau auf. In ebenso zahlreichen Abstufungen erscheint das Grün der Blätter, rasch vom Pinsel in Farbtupfen aufgebracht, mit Beimischungen oder weißen Höhungen.
„Cointh war so überreich an Ausdruck und so überreich an Gestaltenkönnen wie die Natur selbst. Im Farbenspiel tobte eine Leidenschaft, und dennoch ist in jedem Fleckchen die Form beherrscht. Aber eine Form ohne Enge. Die Fremdheit seiner gewaltigen Natur in unserer verspielten und experimentierenden Epoche ist mir bewußt geworden“, schreibt Charlotte Berend-Corinth, die Ehefrau des Künstlers, die selbst auch Malerin war, über den Umgang ihres Mannes mit der Farbe auf der Leinwand. Und wirklich – „Flieder im Kelchglas“, temperamentvoll vorgetragen und von sicherer Hand geführt, ist „die Natur selbst“.
EO

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