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Lovis Corinth

Tapiau/Ostpreußen 1858 – 1925 Zandvoort

„Astern im Kelchglas“. 1924
Öl auf Leinwand. 60 × 45 cm (23 ⅝ × 17 ¾ in.) Oben rechts signiert und datiert: LOVIS CORINTH 1924. Berend-Corinth/Hernad 945.  [3094] Gerahmt 

ProvenienzLeo Michelson, Berlin/Paris (spätestens 1926, wohl bis ca. 1950/53) / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen (spätestens 1961, seitdem in Familienbesitz)

EUR 250.000 – 350.000
USD 308,000 – 431,000

„Astern im Kelchglas“

Auktion 290Donnerstag, den 31. Mai 2018, 18.00 Uhr

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AusstellungLovis Corinth, Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis. Berlin, Nationalgalerie, 1926, Kat.-Nr. 403 / Lovis Corinth. München, Münchener Neue Secession, und Wien, Hagenbund und Neue Galerie, 1929, Kat.-Nr. 62, m. Abb. / Lovis Corinth, 1858–1925. Zürich, Kunsthaus, 1933, Kat.-Nr. 47 („Blumen in Vase“) / Lovis Corinth. Basel, Kunsthalle, 1936, Kat.-Nr. 73 („Blumen in Vase“)

Literatur und AbbildungÖsterreichische Monatshefte (Wien), 5. Jg., 1929, Nr. 3, m. Abb. / Thomas Corinth: Lovis Corinth, Eine Dokumentation. Tübingen, Verlag Ernst Wasmuth, 1979, Abb. 152 (Foto des Ateliers von Albert Wonnemann, Berlin, wohl April 1924: „Astern im Kelchglas“ links vom Künstler im Hintergrund auf der Staffelei) / Ausst.-Kat.: Lovis Corinth. München, Haus der Kunst; Berlin, Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin; Saint Louis, The Saint Louis Art Museum, und London, Tate Gallery, 1996/97, S. 22, Abb. 28 (Abb. des o.g. Fotos)

Als Lovis Corinth unser Bild malte, stand er auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Es war ein weiter Weg gewesen, von seinen naturalistischen Anfängen über die impressionistischen Bilder mit überwiegend klassischen Stoffen aus dem Alten Testament und der griechischen Mythologie bis hin zu den Bildnissen, Landschaften und Stillleben der jüngeren Zeit, in denen er zu einer speziellen, malerisch virtuosen Spielart des Expressionismus gefunden hatte. Bei den „Astern im Kelchglas“ sollte Corinth seine gestische Ausdrucksmalerei einmal mehr in stupender Souveränität vortragen. Für diesen Strauß von roten und blauen Blumen ist der Begriff Stillleben eigentlich fehl am Platz, denn „still“ ist dort gar nichts: Jeder einzelne der brillant gesetzten Pinselstriche scheint belebt und beseelt und vom überbordenden künstlerischen Temperament des Malers bewegt. Ganz besonderen Reiz erlangt dieses Blumenbild jedoch dadurch, dass sich Corinth hier auch als Kolorist von höchsten Graden zeigt.

Die Nuancen von Blau und Rot, mit denen er der vergänglichen Blütenpracht eine dauerhafte Existenz auf der Leinwand schenkte, greift Corinth über die gesamte Komposition verteilt wieder auf – auch an Stellen, an denen offensichtlich wird, dass dies nur geschah, um das farbliche Gleichgewicht in eine abstrakte Ausgewogenheit zu bringen. Es mag sein, dass sich der umfassend gebildete Künstler das bei anderen Malern abgeschaut hatte, bei den Venezianern des 16. Jahrhunderts zum Beispiel. Doch die Art, wie er dies in seine eigene Sprache der Zwanzigerjahre übersetzte, beweist, dass er darin seinen besten Vorbildern ebenbürtig war. UC

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