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Hanne Darboven

München 1941 – 2009 Hamburg

„Konstruktionen“. 1968
42-teilig: Jeweils Tinte auf kariertem Papier. Jeweils 20 × 27 cm (7 ⅞ × 10 ⅝ in.) Auf dem letzten Blatt monogrammiert, datiert und bezeichnet: h.d. 1968 NYC.  [3071] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Berlin

EUR 50.000 – 70.000
USD 61,500 – 86,100

„Konstruktionen“

Auktion 292Freitag, den 1. Juni 2018, 18.00 Uhr

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Hanne Darbovens aus Zahlen, Diagrammen und Schrift bestehendes Werk ist von pulsierender Intensität. Man kann diese Intensität sofort spüren, auch wenn sich die den einzelnen Arbeiten zugrunde liegenden spezifischen Rechen- und Notationssysteme dem Betrachter erst bei tiefergehender Auseinandersetzung erschließen oder manchmal gar rätselhaft bleiben. In ihren Arbeiten visualisiert und dokumentiert Darboven (1941–2009) den Lauf der Zeit. Während eines zweijährigen New-York-Aufenthalts, bei dem sie zwischen 1966 und 1968 schon früh in Kontakt kam mit Künstlern wie Sol LeWitt, mit dem sie eine enge künstlerische und persönliche Beziehung verband, entwickelte Darboven ihre konzeptuelle und prozesshafte Arbeitsweise. Seit sie 1968 damit begann, Quersummen von Kalenderdaten zu errechnen, hat sie mit größter Disziplin, zunächst noch in New York, dann in Hamburg, täglich Seiten um Seiten mit der Hand beschrieben und damit die Zeit zum Thema und Material ihres Werks gemacht.
Ihrer Arbeit „Konstruktionen“ von 1968 liegt ebendiese damals gerade neu von ihr entwickelte, eigenwillige Quersummenrechnung zugrunde, nach der beispielsweise der 1. Januar 1968 die Summe 16 hat (1+1+6+8=16), wird aber von der Künstlerin gleich auf eine Periode von insgesamt zehn Jahren angewandt. In der 42-teiligen Arbeit, in der die Zahl 42 den möglichen Quersummen eines Kalenderjahres entspricht, werden die Häufigkeiten des Auftretens gleicher Quersummen für die Jahre von 1968 bis 1977 als gleichmäßig ansteigende und wieder abfallende Flächen auf kariertem Papier dargestellt. So entstehen in Darbovens Werk aus linearen Kalenderdaten durch irrationale Regeln neue verblüffende Regularitäten und Sichtweisen auf die verstreichende Zeit.
Nach ihrer Rückkehr nach Hamburg machte Darboven die „Konstruktionen“ von 1968 zur Vorlage ihres Buchs „1968–77. New York“ und bestätigte damit deren wesentliche Bedeutung für ihre sich nun auch in Buchform ausdrückende Schreibkunst. Völlig zu Recht wird Darboven aufgrund von Arbeiten aus der New Yorker Zeit, wie etwa der „Konstruktionen“ von 1968, immer wieder international als Pionierin der Konzeptkunst gefeiert. Aber „Konstruktionen“ von 1968 strahlt nicht nur die Ordnung eines zugrunde liegenden konzeptuellen Systems aus, sondern zeugt, auch ohne dass man das System nachvollziehen muss, von einer akribischen, obsessiven, zum Überborden neigenden Arbeitsweise und damit einer von einem ganz eigenen Rhythmus getragenen, Kategorien überschreitenden singulären künstlerischen Position.
Elisa Schaar

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