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Karl Hofer

Karlsruhe 1878 – 1955 Berlin

„Mädchen, sich kämmend“. 1938
Öl auf Leinwand. 100 × 70 cm (39 ⅜ × 27 ½ in.) Unten rechts monogrammiert und datiert: CH38. Auf dem Keilrahmen oben links mit Kreide betitelt: Mädchen sich kämmend. Dort auch ein Etikett der Ausstellung Winterthur 1939 (s.u.). Wohlert 1371.  [3542] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Norddeutschland / Privatsammlung, Schweiz

EUR 250.000 – 350.000
USD 267,000 – 374,000

Verkauft für:
412.500 EUR (inkl. Aufgeld)

„Mädchen, sich kämmend“

Auktion 273Donnerstag, den 1. Juni 2017, 18.00 Uhr

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AusstellungKarl Hofer zum 60. Geburtstage. Winterthur, Kunstverein, 1939, Kat.-Nr. 31

Literatur und AbbildungVersteigerungskatalog 476: Kunst des XX. Jahrhunderts. Köln, Kunsthaus Math. Lempertz, 6. / 7.12.1963, Kat.-Nr. 278, Abb. Tf. 10 / 7. Auktion: Kunst der letzten 100 Jahre. München, Galerie Wolfgang Ketterer, 5. / 6.6.1972, Kat.-Nr. 665, Abbildung S. 139

„Der Mensch und das Menschliche war und ist immerdauerndes Objekt meiner Darstellungen“, äußerte Karl Hofer in seinem 1952 entstandenen Traktat „Aus Leben und Kunst“. Die seelische Einfühlung in seine Mitmenschen, die für ihn als Modelle fungierten, stellte für Hofer ein wesentliches Motiv dar, zu dem er immer wieder zurückkehrte und das er geschickt zu nutzen wusste.
Ab den 1920er-Jahren schuf er meisterhafte Darstellungen, die auf die zunehmende Überreizung der Menschheit durch die Moderne und die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges verweisen. In vielen Bildern bediente sich Hofer der Chiffre in Form von Masken, Clowns und Gerippen, um das Zwiespältige und Abgründige dieser Epoche darzustellen. 1933 wurde von den Nationalsozialisten ein Mal- und Arbeitsverbot gegen ihn verhängt. Somit verlor er seine Anstellung als Hochschullehrer. Dennoch entstanden weiterhin zahlreiche Gemälde, vor allem Landschaftsdarstellungen und visionäre Vorausahnungen des Elends, das der Zweite Weltkrieg mit sich bringen sollte.
Daneben hat Hofer die rein figürliche Darstellung nie vernachlässigt. Trotz der unheilvollen Realität, die sich in vielen seiner Bilder widerspiegelt, blieb die Sehnsucht nach Harmonie und klassischem Ideal im Schaffen Hofers stets erhalten. Unser Bild von 1938 gibt eine junge Frau als Halbakt wieder, das gewellte Haar zur Seite kämmend, die Augenlider gesenkt. In anmutiger Schönheit steht sie dem Betrachter gegenüber, ohne diesen anzuschauen. Dennoch kann sich der Betrachter dem Bann der Dargestellten kaum entziehen. Er fühlt sich in die Intimität des Moments aufgenommen, als stiller Beobachter wird er Teil der Komposition. Die kühlen Töne des Hintergrunds betonen die fast schon archaische Ruhe des Bildes. Die klaren und kantigen Umrisslinien wie auch der breitflächige und trockene Farbauftrag sind typisch für die Malweise Hofers, der, inspiriert von Expressionismus, Kubismus und Neuer Sachlichkeit, seine eigene künstlerische Formensprache fand. NB

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