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Karl Hofer

Karlsruhe 1878 – 1955 Berlin

„Putzmacherin“. 1922
Öl auf Leinwand. Doubliert. 109,5 × 80 cm (43 ⅛ × 31 ½ in.) Unten links monogrammiert: CH. Auf dem Keilrahmen in Schwarz signiert und betitelt: K. Hofer Putzmacherin. Wohlert 479.  [3557] Gerahmt 

ProvenienzGalerie Alfred Flechtheim, Berlin / Hermann Lange, Krefeld (spätestens 1928 erworben, bis 1942) / Erben Hermann Lange / Mr. und Mrs. Jean Gazagnaire, New York / Galerie St. Etienne, New York (1962 von Gazagnaire erworben) / Sarah Reed Blodgett, Portland (OR) (1962 von der Galerie St. Etienne erworben, bis 2009 in Familienbesitz) / Privatsammlung, Schweiz

EUR 280.000 – 350.000
USD 344,000 – 431,000

Verkauft für:
350.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Putzmacherin“

Auktion 290Donnerstag, den 31. Mai 2018, 18.00 Uhr

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AusstellungAusstellung Carl Hofer, Ernesto de Fiori. Düsseldorf, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, 1927, Kat.-Nr. 30 / Karl Hofer. Das gesammelte Werk. Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1928, Kat.-Nr. 46 / Kollektivausstellung Karl Hofer. Berlin, Berliner Secession, in Gemeinschaft mit der Galerie Flechtheim, 1928, Kat.-Nr. 23 / Karl Hofer. Zürich, Kunsthaus, 1929, Kat.-Nr. 7 / Paintings by Expressionists. New York, Galerie St. Etienne, 1962, o. Nr. / The Collection of Sarah Reed Blodgett of Portland. European and American Paintings, Sculptures, Drawings and Prints. Portland, Art Museum, 1965, Kat.-Nr. 16, mit Abbildung / The Passionate Years. Expressionism in Germany 1905-1930. Seattle (WA), Art Museum, 1971 (ohne Katalog)

Literatur und AbbildungOscar Bie: Letter from Berlin. In: Apollo, Bd. 9, Januar 1929, S. 46

Die junge Frau auf unserem Gemälde hält, in sich versunken, einen Hut mit Band und Schleife in den Händen. Sie sitzt in einem Korbsessel, die grün bestrumpften Beine übereinandergeschlagen. Karl Hofers großformatiges Gemälde der „Putzmacherin“ zeigt – vor dunklem Fond – eine dunkelhaarige Modistin. Hofer variierte das Motiv über die Jahre und Jahrzehnte mehrfach. Die Künste hat es auch früher schon beflügelt. Goethe begehrte (und heiratete 1806) die Putzmacherin Christiane Vulpius, Richard Wagner verfasste in den 1860er-Jahren seine „Briefe an eine Putzmacherin“, mit deren Veröffentlichung er großes Aufsehen erregte. Auch Maler wie etwa Édouard Manet, Auguste Renoir und Edgar Degas fühlten sich von den kreativen Frauen inspiriert, die Kopfbedeckungen für Damen der Gesellschaft nähten, ihre männlichen Pendants nannte man Hutmacher.

Karl Hofers Porträt der Modistin in ihrem auffälligen gelben, asymmetrisch geschnittenen Obergewand ist jedoch kein Genrebild wie bei den französischen Impressionisten. Vielmehr bot es dem Maler Gelegenheit, seinem charakteristischen, von Vergeistigung und inneren Konflikten geprägten Mädchen-Typus in einer fast lyrischen Melancholie einmal mehr zum großen Auftritt zu verhelfen. Auch sonst entspricht dieses Gemälde den zentralen Merkmalen, die Hofers Œuvre jener Jahre kennzeichnen und sein Zeitgenosse Gustav Friedrich Hartlaub so treffend beschrieben hat: „[...] der Grundklang seiner Farben, dieses bei aller Leuchtkraft und Zartheit doch immer etwas Gedämpfte, Erdhafte, wenn nicht Stumpfe des Kolorits“ (Gustav Friedrich Hartlaub: Karl Hofer-Ausstellung, in: Kunst und Dekoration, 63. 1928/29, S. 240). Hartlaub hatte in der Mannheimer Kunsthalle 1928 eine große Überblicksausstellung zum Schaffen des Malers realisiert, in der auch dieses Bild zu sehen war. Entstanden ist die „Putzmacherin“ in einer Zeit kometenhaften Aufstiegs, als Hofer zu Beginn der 1920er-Jahre von dem Avantgarde-Galeristen Alfred Flechtheim vertreten wurde und ihm der nationale Durchbruch gelang. Flechtheim war es auch, der den Verkauf der „Putzmacherin“ an Hermann Lange arrangierte. Der Krefelder Industrielle fühlte sich durch das Bild besonders angesprochen, vielleicht weil er sein Vermögen in der Seidenindustrie verdient hatte. Daher bedeutete Karl Hofers Porträt der Modistin eine in mehrfacher Hinsicht attraktive Ergänzung von Langes umfangreicher Sammlung moderner Kunst. GK

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