Auktionen Herbst 2018

29

Karl Hofer

Karlsruhe 1878 – 1955 Berlin

„Jüngling mit Kopftuch“. Um 1924

Öl auf Leinwand. 111 × 80 cm. (43 ¾ × 31 ½ in.) Unten rechts monogrammiert: CH. Auf dem Keilrahmen oben mit Kreide betitelt: Jungling[!] m. Kopftuch. Dort auch ein Etikett der Ausstellung Berlin/Karlsruhe 1956/57 (s.u.) und ein Stempel der Galerie Alex Vömel, Düsseldorf. Werkverzeichnis: Wohlert 582. Retuschen.  [3005] Gerahmt 

ProvenienzGalerie Alfred Flechtheim, Berlin / Erich Raemisch, Krefeld/Freiburg i. Br./Bad Sooden (1956) / Galerie Alex Vömel, Düsseldorf (1967) / Privatsammlung, Norddeutschland

EUR 250.000 – 350.000
USD 287,000 – 402,000

„Jüngling mit Kopftuch“

Auktion 300Donnerstag, den 29. November 2018, 18.00 Uhr

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AusstellungKarl Hofer. Bilder aus dem Jahr 1924. Berlin, Galerie Alfred Flechtheim, 1924/25 (o. Kat.) / Carl Hofer, Ernesto de Fiori. Düsseldorf, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, 1927, Kat.-Nr. 31 / Karl Hofer. Das gesammelte Werk. Mannheim, Städtische Kunsthalle, 1928, Kat.-Nr. 43, Abb. S. 21 / 55. Ausstellung: Kollektivausstellung Karl Hofer. Berlin, Berliner Secession, in Gemeinschaft mit der Galerie Alfred Flechtheim, 1928, Kat.-Nr. 34, Abb. S. 34 / Karl Hofer. Zürich, Kunsthaus, 1929, Kat.-Nr. 15 / Expressionismus in Malerei und Plastik. Krefeld, Kaiser-Wilhelm-Museum, 1946/47, Kat.-Nr. 34, m. Abb. / Von Nolde bis Klee. Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts. Köln, Kölnischer Kunstverein, 1947, Kat.-Nr. 17 / Ausstellung expressionistischer Malerei. Wuppertal, Kunst- und Museumsverein, im Städtischen Museum, 1947, Kat.-Nr. 29 / Ausstellung Carl Hofer. Düsseldorf, Galerie Alex Vömel, Kunstkabinett Hans Trojanski, 1947 (o. Kat.) / Berliner Festwochen 1953: Ausstellung Karl Hofer anläßlich seines 75. Geburtstages. Berlin, Hochschule für bildende Künste, 1953, Kat.-Nr. 12 / Karl Hofer. Hamburg, Kunstverein in Hamburg; Mannheim, Städtische Kunsthalle; Karlsruhe, Staatliche Kunsthalle, und Stuttgart, Württembergischer Kunstverein, 1954, Kat.-Nr. 2 / Hundred Years of German Painting. London, The Tate Gallery, 1956, Kat.-Nr. 62 (mit irrtümlichen Maßangaben) / Gedächtnis-Ausstellung für Karl Hofer. Berlin, Hochschule für bildende Künste, und Karlsruhe, Badischer Kunstverein in Verbindung mit der Staatlichen Kunsthalle, 1956/57, Kat.-Nr. 36 / Karl Hofer. München, Galerie Karin Hielscher, 1958, Kat.-Nr. 20 / Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts. Freiburg i. Br., Augustinermuseum, 1962, Kat.-Nr. 44, m. Abb. / Kunst des 20. Jahrhunderts aus rheinisch-westfälischem Privatbesitz. Malerei, Plastik, Handzeichnung. Düsseldorf, Städtische Kunsthalle und Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, 1967, Kat.-Nr. 140, Farbabb. 43 / Deutsche Kunst 1900–1930. Hamburg, Galerie Levy, 1979, Kat.-Nr. 101

Literatur und AbbildungBenno Reifenberg: Karl Hofer. Leipzig, Klinkhardt & Biermann, 1924 (= Junge Kunst, Bd. 48), Abb. Tf. (25) / Rom Landau: Karl Hofer. In: Deutscher Bote, 3.2.1925, Nr. 12, S. 595-598, hier Abb. vor S. 614 / Alfred Kuhn: Karl Hofer. In: Die Horen, Jg. 1, 1924/25, S. 131-142, hier Abb. S. 133 / Der Querschnitt, V. Jg., 1925, H. 1, Abb. nach S. 48 („Neue Bilder von Carl Hofer“) / Hellmut Richter: Die neue Malerei und wir. 50 Maler in 50 Bildern. Leipzig, Dürr, 1930, S. 93-94, Abb. S. 93 / Die Galerie Vömel. In: Rhein-Echo (Düsseldorf), 9.9.1948, Nr. 107, S. 1 / Der siebzigjährige Hofer. In: Hessische Nachrichten (Kassel), 21.9.1948, Nr. 126, S. 4 / Werner Haftmann: Malerei im 20. Jahrhundert. München, Prestel, 1954/55, 2 Bde., hier Tafelband, S. 309, Abb. 170, u. S. 509 (datiert „1928“) / Werner Haftmann: Malerei im 20. Jahrhundert. Eine Bild-Enzyklopädie. München, Prestel-Verlag, 1965, S. 286, Abb. 702, u. S. 408 / Versteigerungskatalog 478: Kunst des XX. Jahrhunderts. Köln, Kunsthaus Lempertz, 26./27.5.1964, Kat.-Nr. 217, Abb. Tf. 20 / Auktion 160: Moderne Kunst. Hamburg, Dr. Ernst Hauswedell, 24./25.6.1968, Kat.-Nr. 508, Farbabb. S. 93 / Maren Kames: Etwas Korbartiges, Hartes, in: Grisebach. Das Journal. Heft 8, Berlin 2018, S. 16–19, Abb. S. 17/19

Hofer hat in den 1920er-Jahren berühmte Zeitgenossen porträtiert, darunter der Sammler und Kunstkritiker Paul Westheim, der Dichter Joachim Ringelnatz und auch sein Kunsthändler Alfred Flechtheim. Umso faszinierender ist es, dem Künstler dabei zuzusehen, wie er in seinen Menschenbildern immer stärker eine allgemeingültige Wahrheit suchte. Unser großformatiges Meisterwerk in den charakteristisch erdigen Farben ist eines der Gemälde, bei denen sich der Maler diesem zentralen Sujet in seinem Schaffen widmet. Über den „zarten Eros“ der Hoferschen Figurenbildnisse hatte schon der Direktor der Mannheimer Kunsthalle Gustav Friedrich Hartlaub geschrieben (in: Kunst und Dekoration, 63.1928/29, S. 241). Bis heute kann sich der Betrachter dem entrückten Charme des namenlosen Knaben kaum entziehen: Mit nacktem Oberkörper, die Hände in Höhe des Hosenbunds zusammenhaltend, steht er selbstbewusst dem Betrachter gegenüber. Auf dem Kopf trägt er einen locker gewickelten Turban, der einen Schatten über die Augenpartie wirft und ihn noch geheimnisvoller wirken lässt. Das Tuch gehört zu den Accessoires, die Hofer in seinem Atelier bereithielt, wie die Variationen vom „Mädchen mit Kürbissen“ belegen.
Die repräsentative Kraft des „Jünglings mit Kopftuch“ als eines ikonischen Hauptwerks des Malers entging auch dem Kunsthistoriker Werner Haftmann nicht, der das Gemälde 1954 für sein Kompendium „Malerei im 20. Jahrhundert“ auswählte. Auch die umfangreiche Ausstellungsliste belegt die Prominenz des Bildes. Sie setzte schon früh ein: 1928 wurde es in der großen Retrospektive zum 50. Geburtstag des Malers in der Mannheimer Kunsthalle gezeigt. GK

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