Auktionen Frühjahr 2019

534a

Alexej von Jawlensky

Torschok 1864 – 1941 Wiesbaden

„Landschaft Genfer See“. 1915

Öl über Bleistift auf leinenstrukturiertem Papier, auf Karton aufgezogen. 26,1 × 37,7 cm. (10 ¼ × 14 ⅞ in.) Unten links monogrammiert: A.J. Rückseitig ein Aufkleber mit der Widmung in Bleistift: An Frau Dr. Stegemann meinen Weihnachtsgruß, A. Jawlensky. Ein weiterer Aufkleber mit der Bezeichnung: N.2. Dort auch ein Etikett der Leonard Hutton Galleries, New York. Werkverzeichnis: Jawlensky 600.  [3662] Gerahmt 

ProvenienzMarga Stegemann, Dresden (Geschenk des Künstlers, frühe 1920er-Jahre) / Ferdinand Ziersch, Wuppertal / Galerie Franz Resch, Gauting / Georg Schäfer, Schweinfurt (1969 von Resch erworben) / Leonard Hutton Galleries / Privatsammlung, Österreich

EUR 80.000 – 120.000
USD 89,900 – 135,000

„Landschaft Genfer See“

Auktion 307Freitag, den 31. Mai 2019, 11.00 Uhr

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AusstellungMeisterwerke des 20. Jahrhunderts. Düsseldorf, Galerie Wilhelm Grosshennig, 1967, Abb. S. 6 / Erbslöh und sein Kreis. Köln, Galerie Aenne Abels, 1968, Kat.-Nr. 31, Abb. / Jawlensky & Major German Expressionists. New York, Leonard Hutton Galleries, 1980/81, Kat.-Nr. 7, Farbabb. S. 19

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zwingt Alexej von Jawlensky als ehemaligen Leutnant der russischen Armee, Deutschland zu verlassen. Er emigriert in die Schweiz und bezieht dort mit Marianne von Werefkin, seiner Gefährtin Helene Nesnakomoff und seinem Sohn Andreas ein Häuschen in St. Prex am Genfer See. Aufgewühlt von dieser Erfahrung und der menschlichen Katastrophe des Krieges, zieht er sich zurück und widmet sich fortan dem Malen von Landschaften, was seinem Bedürfnis nach Kontemplation in dieser Zeit entgegenkommt. Die Formate werden kleiner. In einem Brief an seinen Freund Jan Verkade erinnert er sich viele Jahre später: „Meine Seele war durch vieles Leiden anders geworden, und das verlangte andere Formen und Farben zu finden, um das auszudrücken, was meine Seele bewegte… Ich verstand, dass ich nicht malen musste, was ich sah, sogar nicht das, was ich fühlte, sondern nur das, was in mir, in meiner Seele lebte…“ (zit. nach: Clemens Weiler: Alexej von Jawlensky, der Maler und Mensch, Brief vom 12. Juni 1938, S. 39ff, Wiesbaden 1955).



Auch unser Gemälde „Landschaft Genfer See“ entstand in dieser Phase. Es handelt sich dabei um eines der eher seltenen Bilder Jawlenskys, die im Querformat geschaffen wurden – so wie es See, Berge und Himmel vorgeben. Dennoch steht hier nicht die topografisch exakte Darstellung der Landschaft im Vordergrund, sondern die Variation der Farben, Formen und rasch gesetzten, aber dennoch sicheren Pinselstriche. Kontraste bestimmen das Bild: Braun-, Sand-, Rot und Violett-Töne wechseln sich ab mit verschiedensten Blau- und Türkis-Nuancen. Die fast vertikale Linienführung im Vordergrund und der gezackte Abschluss der Berggipfel im oberen Drittel der Komposition lassen die Pastelltöne des Himmels und der Wasseroberfläche umso heiterer und sanfter erscheinen. Alles, so scheint es, fließt dahin, vorbei an der schroffen, dunklen Felsenkette, die das Bild in zwei Hälften teilt.



Doch die wechselnden Stimmungen der Natur werden hier nicht einfach in Farbe übersetzt. Sie sind Ausdruck einer tiefen Spiritualität, die den Menschen in unterschiedlichster Weise bewegt und ihm Sinn stiftet: „Ich fühlte in mir, in meiner Brust“, notiert Jawlensky, „eine Orgel, und die musste ich zum Tönen bringen. Und die Natur, die vor mir war, soufflierte mir nur. Und das war ein Schlüssel, der diese Orgel aufschloss und zum Tönen brachte“ (zit. nach: a. a. O.). US

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