Auktionen Herbst 2018

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Käthe Kollwitz

Königsberg 1867 – 1945 Moritzburg

„Abschied“. 1910

Kohle und Bleistift auf Bütten (Wasserzeichen: MBM France). 63 × 48,2 cm. (24 ¾ × 19 in.) Rückseitig mit der handschriftlichen Bestätigung von Hans Kollwitz, dem Sohn der Künstlerin: 48/50 Aus dem Nachlaß Käthe Kollwitz Hans Kollwitz Eigentum von Ottilie Kollwitz 78. Werkverzeichnis: Nagel/Timm 604. Das Gesicht der Frau (Selbstbildnis) noch einmal wiederholt. Vorzeichnung zu der Radierung: Tod, Frau und Kind. 1910 (von dem Knesebeck 108).  [3407]

ProvenienzNachlass Käthe Kollwitz / Ottilie Kollwitz, Berlin (in Familienbesitz bis 1978)

EUR 200.000 – 300.000
USD 227,000 – 341,000

Verkauft für:
437.500 EUR (inkl. Aufgeld)

„Abschied“

Auktion 296Freitag, den 26. Oktober 2018, 14.00 Uhr

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AusstellungKäthe Kollwitz. Berlin, Galerie Pels-Leusden, 1978, Kat.-Nr. 18, S. 4 / Käthe Kollwitz. Die Zeichnerin. Kunstverein Hamburg, 1980, und Kunsthaus Zürich, 1981, Kat.-Nr. 60, Abbildung S. 97 / Käthe Kollwitz. Zeichnungen, Druckgraphik, Skulpturen aus dem Besitz der Galerie Pels-Leusden, Berlin und anderen Sammlungen. Frankfurt a.M., Jahrhunderthalle Hoechst, 1985, Kat.-Nr. 17, S.150, mit Abbildung

Es bewegt mich immer sehr, wenn ich meinen Blick auf die große Ausnahmekünstlerin Käthe Kollwitz lenken darf. Schaut man auf dieses Blatt „Abschied“, fällt es nicht leicht, Worte zu finden für die großen Gefühle, die es bei mir auszulösen vermag. Das Motiv prägt sich sofort tief in die Seele eines jeden Menschen ein, der auch nur ein wenig sein Herz geöffnet hat. Also eines jeden, der sich mit seinem Herzen auf den Weg durchs Leben macht, der Mitgefühl spürt und eben dann auch zeigt, wenn er der Not seines Nächsten begegnet – um schließlich auch danach zu handeln.
Es scheint mir, dass das Bild „Abschied“ in einem symbolischen Sinn für das steht, was Bernd Schultz als Sammler nun tut: Er nimmt selbst Abschied von einer jahrzehntelang leidenschaftlich aufgebauten Sammlung, weil er es nicht zulassen wollte, dass es bis zum heutigen Tag am Entstehungsort eines der brutalsten Verbrechen der Menschheit, in Berlin, kein Museum gibt, das daran erinnert, wie viele Menschen von hier den Weg ins Exil und in den Tod gehen mussten. Für wie viele Menschen war Berlin Stadt des Abschieds. Kann es etwas Sinnstiftenderes geben, als das Blatt „Abschied“ von Käthe Kollwitz, dieser Ur-Berliner Künstlerin, genau für diesen Zweck in neue Hände zu geben?
Aber natürlich geht es der Künstlerin in ihrer Darstellung eigentlich um einen ganz persönlichen, intimen Schmerz: den Abschied von den eigenen Kindern. Ohne Tränen in den Augen kann man dieses Bild nicht in sich aufnehmen. Was sagen uns die überstarken Arme und großen Hände von Käthe Kollwitz in diesem Blatt? Sie erzählen von der übergroßen, unendlich starken Liebe: zu beschützen und zu bewahren, was man selbst in die Welt gebracht hat. Auch um die Liebe zu bewahren, muss man kämpfen. Und wenn man dieses Bild von Käthe Kollwitz sieht, dann spürt man, wie wichtig ihre Botschaft auch für die heutige Zeit ist. Denn man fragt sich leider immer wieder in Deutschland in diesen Tagen: Wo ist die Kollwitzsche Menschlichkeit nur geblieben? Das ist der stille Appell, der von diesem großen Kunstwerk ausgeht.



Carmen Würth, Künzelsau



1978 zeigten wir eine anläßlich seines hundertsten Geburtstages ein Jahr zuvor eine Karl Hofer Ausstellung in der Galerie Pels-Leusden. Sie war als Antwort auf die von Dieter Ruckhaberle inszenierte Ausstellung und den ideologisch überfrachteten Katalog in der Staatlichen Kunsthalle Berlin gedacht. Unsere Würdigung veranlaßte den damaligen Direktor der Nationalgalerie, den unvergessenen Prof. Dieter Honisch, auch unsere Ausstellung zu besuchen. Er verabschiedete sich mit den Worten: „Herr Pels-Leusden, Sie haben die Ehre des Künstlers gerettet.“ In dieser Ausstellung befand sich eine von Hofers berühmten Harlekin Darstellungen aus dem Jahr 1927 „Pierrot und Harlekin“. Ich war diesem Bild verfallen, als ich es Jahre zuvor bei unseren hoch ehrenwerten Kollegen Lempertz in Köln sah und mit wie immer halsbrecherischem Einsatz eroberte. Um diese Leihgabe bemühte sich dann der Enkel von Käthe Kollwitz beharrlich. So lud er mich in sein Haus in Schlachtensee ein, um mich, von meiner Liebe zum Werk von Käthe Kollwitz wissend, zu einem Tausch anzuregen. Bei der Zeichnung „Abschied“ habe ich dann kapituliert und das Hofer Gemälde ziehen lassen.



Bernd Schultz, Berlin

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