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Norbert Kricke

1922 – Düsseldorf – 1984

Raumplastik. 1958
Stahl, verzinkt, auf Stahlplinthe. 58 × 41 × 48 cm (22 ⅞ × 16 ⅛ × 18 ⅞ in.) Auf der Plinthe monogrammiert und datiert: Kr 58. Die Skulptur wird aufgenommen in das Werkverzeichnis der Plastiken Norbert Krickes von Dr. Sabine Kricke-Güse, Berlin (in Vorbereitung).  [3035]

ProvenienzGalerie Iris Clert, Paris (1968) / Privatsammlung, Nordrhein-Westfalen

EUR 120.000 – 150.000
USD 148,000 – 185,000

Raumplastik

Auktion 290Donnerstag, den 31. Mai 2018, 18.00 Uhr

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Die sogenannten Raumplastiken gehören zu den bekanntesten Werken Norbert Krickes. Der gebürtige Düsseldorfer schuf sie ab den frühen Fünfzigerjahren in unterschiedlichen Größen, von handlichen Formaten bis zu übermannshohen Werken, die zur Aufstellung im Freien gedacht waren. Bei unserer Arbeit von 1958 mit dem schlichten Titel „Raumplastik“ handelt es sich trotz ihrer relativ moderaten Abmessungen um ein besonders qualitätsvolles Exemplar.

Formal lehnen sich die abstrakten, stark dynamischen Raumplastiken an die Bildhauerei des Informel an. Kricke verdankte die Inspiration dazu aber auch noch anderen Quellen. Albert Einsteins Relativitätstheorie faszinierte den Künstler sehr. Die Vorstellung von Raum und Zeit als alles durchdringende Konstanten regte sein ohnehin großes Interesse an den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft zusätzlich an, allerdings ohne genuin schöpferische Impulse deswegen zurückzudrängen. Tatsächlich ging es Kricke vor allem darum, die Einheit der beiden Kategorien darzustellen, was ihn zwangsläufig in die Sphäre der abstrakten Metapher führte.
Als wichtigste Gestaltungselemente dienten Kricke dabei dünne, gebündelte Metallstäbe, einzeln manchmal nicht viel stabiler als ein einfacher Faden.

Dies ist auch bei unserer „Raumplastik“ von 1958 der Fall – doch was hat der Künstler daraus gemacht! Nach allen Seiten streben die Stäbe hinaus in ihren Umraum, auf der Suche nach einem Oben und Unten, Vorn und Hinten, Rechts und Links kann einem als Betrachter fast schwindelig werden. Bewegung, Ausdehnung ist überall, und gleichzeitig spielt sich diese visuelle Explosion in höchstem Filigran ab. Zerbrechlich und sehr stabil zugleich ist diese „Raumplastik“, obwohl sie nur einen winzigen Ausschnitt, einen minimal kurzen Augenblick in Raum-Zeit-Kontinuum festzuhalten scheint. Dass es Kricke gelang, diese Balance zu halten, darin liegt der eminente Rang der Plastik. Sie zeigt einen Künstler, der seinen unverwechselbaren Ausdruck gefunden hat und nun aus dem Vollen schöpft. Arnold Bode, der Documenta-Gründer, sah das genauso. 1959 und noch einmal 1964 lud er ihn nach Kassel ein, als einen der bedeutendsten Bildhauer der jungen Nachkriegsgeneration. Ebenfalls 1964 zeigte ihn Edouard Trier auf der XXXII. Biennale in Venedig. UC

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