2002

Vera Lutter

Kaiserslautern 1960 – lebt in New York

The Bridge, Fulton Ferry Landing, Brooklyn: June 23, 1996. Silbergelatineabzug, auf Leinwand aufgezogen. Unikat. 125 × 106 cm (49 ¼ × 41 ¾ in.) Mit beiliegendem Echtheitszertifikat von Vera Lutter mit Abbildung und gedruckten Werkangaben, darauf mit schwarzem Filzstift signiert.  [2012] Gerahmt 

ProvenienzEhemals Galerie Max Hetzler, Berlin

EUR 12.000 – 18.000
USD 14,100 – 21,200

The Bridge, Fulton Ferry Landing, Brooklyn: June 23, 1996

Auktion 279Mittwoch, den 29. November 2017, 18.00 Uhr

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Die unikaten Architekturphotographien von Vera Lutter bestechen durch denselben magischen Glanz wie die ersten Daguerreotypien aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Menschenleer und von einem erhabenen Standort aufgenommen, entfalten ihre Bilder eine geradezu gespenstische Aura, in der das Objekt selbst zu leuchten beginnt im Kontrast zu dem tiefschwarzen Hintergrund. Vergleichbar mit der berühmten Aufnahme von Henry Fox Talbot „Ansicht der Boulevards von Paris“ (1843), die von einem Fenster des Hotels de Douvres über mehrere Stunden aufgenommen wurde, nutzt Vera Lutter dazu leer stehende Gebäude oder mietet Hotelzimmer an, um diese in eine große Camera obscura zu verwandeln. Der Raum wird mit schwarzer Plastikfolie vollkommen abgedunkelt, so dass nur durch ein kleines Loch am Fenster das Licht von außen ins Innere eindringen kann und auf der gegenüberliegenden Wand meterhohe Bahnen von Photopapier über viele Stunden, manchmal auch tage-, wochen- oder monatelang hinweg belichtet. Dabei entstehen auf dem Kopf stehende, seiten- und tonwertverkehrte Abbilder dessen, was sich vor dem Fenster befindet. Nur die Objekte, welche nach der langen Belichtungszeit genügend Licht reflektieren konnten, hinterlassen ihre Spuren auf dem Papier. Jegliche Bewegung ist aus die- sen Bildern verschwunden. Die Bildschärfe wird allein über die Größe der Lichtöffnung definiert und die Größe der Wand bestimmt das Bildformat.
Mit diesen wenigen Eingriffen konzentriert sich Vera Lutter auf das Wesentliche und auf die reine Präsenz des photographischen Abbildes. Nicht die mechanische Reproduktion und Vervielfältigung ist hier entscheidend, sondern das einzelne Original, der Ort der Herstellung und der damit verbundene zeitliche und technische Aufwand. Ein frühes Motiv von Vera Lutter ist die Metropole New York und deren monumentale Architektur mit ihren außergewöhnlichen Panoramen und Perspektiven. So blicken wir von einem Feuerwehrhaus in Brooklyn Heights auf Lower Manhattan mit dem World Trade Center (Los 2002) oder vom hohen Stockwerk aus auf die 5th Avenue gen Norden (Los 2001). Beide Photographien sind im Juni 1996 entstanden und zählen zu den ältesten Aufnahmen der in Deutschland gebürtigen Photographin, die zum Teil erstmals 2015 in der Gagosian Gallery New York ausgestellt worden sind. Das spätere Bild der La Salle Street in Chicago aus dem Jahr 2001 (Los 2038) setzt die architektonische Form dieser frühen Photographien Vera Lutters nahtlos fort. SM

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