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Gabriele Münter

Berlin 1877 – 1962 Murnau

Abendlicher Staffelsee mit Kühen. 1951
Öl auf Karton. 40,5 × 33 cm (16 × 13 in.) Rückseitig oben links mit der Werknummer in Bleistift (im Kreis): 24/51. Unten links mit dem Stempel in Violett: GABRIELE MÜNTER NACHLASS; in der Mitte mit der Nachlassnummer in weißer Kreide: L [= Landschaft] 257. Dort auch ein Etikett der Hutton-Hutschnecker Gallery Inc., New York (datiert: 1937). Mit einer Bestätigung (in Kopie) von Dr. Alfred Gunzenhauser, München, vom 7.4.1971, dass das Bild im schriftlichen Nachlass der Künstlerin in der Städtischen Galerie, München, unter der Nummer L 257 registriert ist.  [3083] Gerahmt 

ProvenienzNachlass der Künstlerin / Sammlung Flitner, Tübingen (um 1970/71 in der Galerie Gunzenhauser, München, erworben)

EUR 200.000 – 300.000
USD 236,000 – 353,000

Abendlicher Staffelsee mit Kühen

Auktion 281Donnerstag, den 30. November 2017, 17.00 Uhr

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Literatur und AbbildungSteffen Popp: Staffelsee mit Kühen, in: Grisebach – Das Journal, Ausgabe 7/2017, S. 50/51, Abb. S. 50

Als Gabriele Münter 1951 den „Abendlichen Staffelsee mit Kühen“ malte, lag die Hochzeit des von ihr wesentlich mitgeprägten deutschen Expressionismus lange zurück. Inzwischen waren Werke des „Blauen Reiter“ erst als „entartet“ geschmäht und dann nach 1945 als Teil des Kanons moderner Kunst wieder von deutschen Museen angekauft worden. Als Konstante blieb der Malerin, mit wenigen Unterbrechungen, die künstlerische Auseinandersetzung mit der Landschaft am Staffelsee und dem Ort Murnau. Um das Jahr 1908 hatten die Künstlerin und ihr Lebensgefährte Wassily Kandinsky die Gegend für sich entdeckt und seitdem immer wieder den Blick über den See gemalt.
Murnau entwickelte sich so dank der Aufenthalte von Münter und Kandinsky, von Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin, zu einem Ausgangspunkt des deutschen Expressionismus. Nach einigen rastlosen Jahren, die auf die Trennung von Kandinsky im Jahr 1915 folgten, war Gabriele Münter Anfang der Zwanzigerjahre dorthin zurückgekehrt. Die schriftlichen Quellen belegen, wie quälend die Wiederkehr in das zuvor gemeinsam bewohnte Haus für sie war. Erst ein Jahrzehnt später konnte sich die Malerin entschließen, dauerhaft in Murnau zu leben.
Von diesen Konflikten ist hier nichts zu spüren. Ihr Gemälde „Abendlicher Staffelsee mit Kühen“ zeugt vielmehr von der Vertrautheit mit der voralpinen Landschaft. Mit sicherem, dunklem Strich hat Münter die Umrisse des Sees, der Hügel und Bergkuppen, der Bäume und Tiere angelegt. Ebenso sicher wählte sie die Farben: Den Vordergrund do-miniert ein sattes Wiesengrün mit vier skizzierten braunen Kühen darauf. Dann folgt das flächige Oval des Sees, in dem sich in der unteren Hälfte blau die Schatten der Bäume auf der Insel, in der oberen in changierenden Orange-Rosa-Tönen die Wolken des Abendhimmels spiegeln.
Das Bild besticht durch den austarierten Aufbau der Szenerie, die bei starker Präsenz und Lebendigkeit der leuchtenden Farben vor allem große Ruhe ausstrahlt. Auf die Rückseite des Kartons hat Münter lapidar notiert: „Staffelsee von gestern“. Mehr hatte sie zu ihrem Meisterwerk nicht zu sagen. Das war, nach all den turbulenten, schrecklichen Jahren, nicht nur für sie ein großes Glück. Auch davon erzählt dieses Gemälde. ET

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