Auktionen Herbst 2018

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Gabriele Münter

Berlin 1877 – 1962 Murnau

Elmau, Neuschnee im Oktober. 1942

Öl auf Pappe. 38 × 45,7 cm. (15 × 18 in.) Unten rechts signiert: Münter. Rückseitig mit Bleistift mit der Werknummer bezeichnet und betitelt: 1/42 [im Kreis] Elmau, Neuschnee im Oktober. Dort auch der Stempel in Schwarz: GABRIELE MÜNTER NACHLASS; sowie auf einem kleinen Aufkleber mit der Nachlassnummer: L [= Landschaft] 160 [die Nr. nur fragmentarisch erhalten und mit Bleistift hinzugefügt]. Oben rechts mit weißer Kreide erneut mit der Nachlassnummer beschriftet: L. 160.  [3492] Gerahmt 

ProvenienzGalerie Wilhelm Grosshennig, Düsseldorf (lt. rückseitigem Etikett) / Privatsammlung, Norddeutschland (wohl 1972 bei Grosshennig erworben, seitdem in Familienbesitz)

EUR 150.000 – 200.000
USD 172,000 – 230,000

Elmau, Neuschnee im Oktober

Auktion 300Donnerstag, den 29. November 2018, 18.00 Uhr

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Wer jemals in den Bergen Neuschnee erlebt hat, weiß, warum Gabriele Münter in Elmau zu Pinsel und Farben gegriffen hat. Man stößt am Morgen die Fensterläden auf und die Gebirgslandschaft hat sich vollkommen verwandelt. Wo gestern noch kahler Fels war, ist nun alles in erhabenes Weiß gehüllt. Münter brauchte in den schwierigen Kriegsjahren solche Naturerlebnisse, um zu malen. Es entstanden neben einigen Landschaften hauptsächlich Blumenstillleben, die sich in der Notzeit noch am ehesten verkaufen ließen oder die die Malerin gegen Waren eintauschen konnte. Wiederholt reiste Münter nach Elmau bei Garmisch; hier bemühte sie sich um Porträtaufträge der Pensionsgäste.
Seit den späten 1920er-Jahren beruhigen sich Farben und Formen im Werk Gabriele Münters. Die expressive Geste weicht einem realistischeren Zugriff auf das Motiv. Dies ist zweifellos auf Münters Auseinandersetzung mit der Malerei der Neuen Sachlichkeit zurückzuführen. Unser Gemälde zählt zum Umkreis der neusachlichen Werke. Wir schauen in eine weite, friedvolle Landschaft. Im Vordergrund eine grüne Alm mit einer Hütte, die einziges Zeugnis menschlichen Einflusses ist. An einer Gruppe von Laubbäumen in herbstlicher Färbung bleibt der Blick hängen, bevor er die Nadelwaldhänge des Vorgebirges streift und der Kamm des verschneiten Wettersteingebirges die Landschaft monumental beschließt.
Man kann nicht umhin, sucht nach Spuren des Zeitgeschehens in diesem Bild, das im Kriegsjahr 1942 entstand. Eine bemerkenswerte Stille geht von dieser menschenleeren Landschaft aus, eine Stille, die im krassen Gegensatz zum Stakkato der Wochenschauen und den ersten Flächenbombardements der Alliierten stand. Die unverrückbare Größe des Gebirges vermittelt Kontinuität, ist es doch den Zeitläufen enthoben. Die Farbgebung ist eher zurückhaltend, Münter vermeidet jede Zuspitzung. Kühle und warme Grüntöne dominieren, dazu Grau und Weiß. Man gewinnt den Eindruck, dass in der krisenhaften, bedrückenden Zeit des Krieges die Malerin im klaren Blick auf die Landschaft, deren erhabene Weite und stille Größe hervorhebend, Trost und Zuversicht erfährt. Eine große Sehnsucht nach Frieden spricht aus dieser Landschaft. OH

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