Auktionen Frühjahr 2019

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Gabriele Münter

Berlin 1877 – 1962 Murnau

Altar mit einer Schmerzensmadonna. 1908

Öl auf Pappe. 40,5 × 33 cm. (16 × 13 in.) Unten links signiert und datiert: Münter. 1908. Werkverzeichnis: Das Gemälde ist in der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, registriert und wird in das Werkverzeichnis der Gemälde Gabriele Münters aufgenommen.  [3654] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Rheinland

EUR 60.000 – 80.000
USD 67,400 – 89,900

Unter Vorbehalt:
62.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Altar mit einer Schmerzensmadonna

Auktion 307Freitag, den 31. Mai 2019, 11.00 Uhr

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Als Gabriele Münter und ihr Lebensgefährte Wassily Kandinsky 1909 ein Haus in Murnau erwarben, taten sie dies auch, um einmal aus der Großstadt München herauszukommen. Das hieß aber nicht, dass sie deswegen in ein kulturelles Niemandsland zogen. In Bayern war die Volkskunst Teil einer ausgesprochen lebendigen Tradition – und das vermeintlich Primitive an ihr inspirierte die Künstler der Avantgarde zu neuen Wegen der Vereinfachung und Abstraktion ihrer Formensprache.

Bald nach ihrer Ankunft entdeckte Münter im Ort eine Werkstatt für Hinterglasmalerei. Die Art, wie Kunsthandwerker dort aus schlichten Kompositionen mit kräftigem Kolorit und durch Umrisslinien voneinander getrennten Flächen religiöse Bilder fertigten, die die Gemüter tief bewegten, faszinierte sie auf Anhieb. Sie erlernte selbst die Technik und begann mit Kopien, später schufen sie und Kandinsky eine Reihe eigener Hinterglasbilder. Auch hatte Kandinsky bereits aus Russland einige Heiligenfiguren mitgebracht, die im Lauf der Zeit in ihrer gemeinsamen Münchner Wohnung und auch im Haus in Murnau zu einer großen Sammlung angewachsen waren. Münter schreibt 1910 an Kandinsky, als der sich in Moskau aufhielt: „Mit den Blumen ist es hier so schön! Und der Tisch mit den 17 Madonnen!“ (zit. nach: Ausst.-Kat. Gabriele Münter, Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, 1999, S. 29)

Und sie beließ es nicht bei der reinen Bewunderung, die Objekte der Volkskunst lieferten ihr Motive für eine Reihe von Gemälden. Bei „Altar mit einer Schmerzensmadonna“ blickt der Betrachter von der Seite auf ein Wandstück mit zwei nicht näher definierten Bildern und einem Kerzenhal ter. Auf einer profilierten Konsole steht die Madonna. Der Hausaltar ist geschmückt mit Blumen und weiteren kleinen Kerzenständern.

Indem Münter für ihren Bildaufbau eine leichte Untersicht wählte, verstärkte sie den kontemplativen Charakter der Arbeit. Wir sind hier zweifellos in einer privaten Wohnung, doch diese Perspektive von unten entspricht derjenigen der Gläubigen in einer Kirche. Und obgleich die Malerin mit der sehr reizvollen, aber auch auffallend bunten Farbigkeit den Stil der Volkskunst zitiert, wirkt das Gemälde dennoch nicht dekorativ, sondern konzentriert und innerlich. Unter den Künstlern des Blauen Reiter hatte Gabriele Münter mit ihren Stillleben ganz eigene Errungenschaften und Leistungen beigesteuert – das Gemälde „Altar mit einer Schmerzensmadonna“ zählt dabei zu ihren schönsten. OH

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