Auktionen Herbst 2018

2138R

László Moholy-Nagy

Bácsborsód, Ungarn 1895 – 1946 Chicago, Illinois

Ohne Titel. 1939

Vintage. Photogramm auf Silbergelatinepapier. Unikat. 50,5 × 40,4 cm. (19 ⅞ × 15 ⅞ in.) Rückseitig mit brauner Tinte signiert und datiert: „L. Moholy=Nagy Photogram 1939“ sowie mit Bleistift signiert und datiert sowie Widmung: „to Felix Witzinger with very best wishes L. Moholy=Nagy 1941 August 20th“. MIt leichten Gebrauchsspuren.  [2018]

ProvenienzFelix Witzinger, Schweiz / Privatsammlung, Schweiz

EUR 50.000 – 70.000
USD 56,800 – 79,500

Verkauft für:
71.250 EUR (inkl. Aufgeld)

Ohne Titel

Auktion 298Freitag, den 26. Oktober 2018, 18.00 Uhr

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In Moholy-Nagys Fotogramm-Œuvre gibt es in allen Werkphasen „Gruppen“ in denen sich der Künstler – offenbar fasziniert von den Licht- und Formwirkungen, die die von ihm fotogrammierten Gegenstände hervorrufen – ausgiebiger mit ihnen befaßt. Ganz im Gegensatz zu Man Ray, der die Dinge in seinen Fotogrammen animiert und in gesprächige Akteure verwandelt, vermeidet Moholy aber von vornherein die Wiedererkennbarkeit der Objekte. Damit verschließt er einen narrativen Zugang zu diesen Bildern (die auch nie einen Titel haben), weil er stattdessen ein sprachlich nicht faßbares Erlebnis hervorrufen will. Ähnlich wie bei der Musik, die auch kein Vorbild hat, sind wir mit Moholys Fotogrammen einem visuellen Eindruck ausgesetzt, der sich mit nichts Bekanntem verknüpfen läßt. Bei der so entstehenden produktiven Unruhe könnte man sich angesichts des hier gezeigten Fotogramms als Zeuge eines kosmischen Ereignisses fühlen, weil sich die lichten Formen vor schwarzem Hintergrund zu bewegen scheinen: da saust offenbar ein stellares Objekt in einer elliptischen Bahn um ein sich drehend auffaltendes energetisches Zentrum (wobei die nicht reflektierende, samtig-nachtschwarze Beschaffenheit der Bildoberfläche den Anschein von Bodenlosigkeit vertieft). Oder das Bild stimuliert, wie auch die anderen Fotogramme dieser „Gruppe“, eine synästhetische Empfindung, bei der man an Klänge denken mag, schließlich haben schon die alten Griechen mit ihrer „Sphärenharmonie“ im Kosmos Klänge verortet. Später, um 1943, verwandte Moholy-Nagy mit gebogenen Metallstäben und Plexiglas ähnliche Materialien, um mit ihnen immateriell wirkende Skulpturen aus virtuellen Volumen zu schaffen (s. in: Sibyl Moholy-Nagy, „Moholy-Nagy, Experiment in Totality“, New York 1950; Kat. „A New Vision For Chicago“, Illinois State Museum, 1990 und Kat. „Moholy-Nagy Future Present“, Solomon R. Guggenheim Museum New York, Art Institute of Chicago, Los Angeles County Museum of Art, 2016/17). Da uns dieses Bild zum Zeitpunkt (2009) der Erstellung des Œuvreverzeichnisses der Fotogramme Moholys noch nicht bekannt war, ist es dort nicht aufgeführt. Das Verzeichnis schließt mit der Nummer „fgm 421“. Inzwischen sind noch mehrere Fotogramme aufgetaucht, und dieses hier erhält die Nummer „fgm 428“. Moholy-Nagys Tochter Hattula ist die Provenienz dieses Fotogramms bekannt: der schweizer Pianist Felix Witzinger (geboren in Basel, gestorben in Indianapolis) war ein Sammler, der auch Moholys Werke kaufte. Man könnte sich vorstellen, daß Moholy dem Musiker Witzinger dieses Werk als Fotogramm einer „Klangskulptur“ zueignete.
Renate Heyne

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