Auktionen Oktober 2018

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Jakob Philipp Hackert

Prenzlau 1737 – 1807 San Piero di Careggio

Felsiges Flusstal bei Sorrent. Um 1770
Tuschpinsel in Graubraun über Bleistift. 46,5 × 34,4 cm (18 ¼ × 13 ½ in.) Unten links signiert: Ph. Hackert f. Oben links beschriftet und datiert: a Sorriento 1770. Werkverzeichnis: Nicht bei Nordhoff/Reimer.  [3408]

ProvenienzKunsthandel, Wien (bis 2013)

EUR 8.000 – 12.000
USD 9,090 – 13,600

Felsiges Flusstal bei Sorrent

Auktion 294Donnerstag, den 25. Oktober 2018, 14.00 Uhr

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Wir danken Claudia Nordhoff, Rom, für die Bestätigung der Authentizität der Zeichnung.

Literatur und AbbildungAuktion 101: Galerie Gerda Bassenge, Berlin, 31. Mai 2013, Kat.-Nr. 6330

Die Gestalthaftigkeit von Licht war etwas, das die Zeichner gegen Ende des 18. Jahrhunderts in zunehmendem Maße zu interessieren begann. So ist bei diesem Blatt eines Flusstals von Jakob Philipp Hackert sofort klar, was den Künstler fasziniert haben muss: der Gegensatz zwischen dem die Konturen auslöschenden, gleißenden Licht auf der linken und dem steilen, in tiefe Schatten getauchten Felsen auf der rechten Seite.
Hackert lässt jedem Detail die gleiche Aufmerksamkeit zuteilwerden. Die Blätter der Bäume sind ebenso einzeln und präzise erfasst wie die vielgestaltig gefalteten Gesteinsmassen der aufragenden Schlucht. Dabei schieben sich die Felsen wie die Kulissen eines Barocktheaters von den Seiten in die Szene ein. Die linke, hell ins Licht getauchte Felswand mit dem am Felsen lehnenden Landmann und den beiden Waschfrauen klärt dabei die Größenverhältnisse, während diesem Trio oben rechts eine kleine Baumgruppe auf dem Felsen antwortet, womit Hackert eine diagonale Blicklinie über das gesamte Blatt spannt. Auch aus der Tiefe wird durch den Fluss eine sich extrem verkürzende, mäandernde Linie nach vorn bis an den unteren Bildrand gezogen und die Szene so von hinten durchstochen.
Die wilde, raue Landschaft zur pittoresken Szene der Landleute in einen Gegensatz zu stellen, wird kunsthistorisch in der Regel als Hinweis auf das Erhabene der Natur gedeutet. Mehr Gewicht hat hier eine typische Entdeckung des italienreisenden Künstlers, nämlich welch abrupt aufeinanderprallende Lichtkontraste es im Süden zu studieren und abzubilden gilt. In einer ganzen Motivgruppe des unterirdischen Italiens – Grottengewölbe oder Blicke aus Grotten ins Helle hinaus – ist dies von Hackert und anderen Künstlern seiner Zeit immer wieder versucht worden. Wenig später verstanden es Künstler wie Adrian Zingg in Dresden, durch Anwendung der Sepiatechnik diese Klaviatur von Braunnuancen weiter auszudifferenzieren. Was für Konsequenzen das hat, ist bereits in dieser, wohl um 1770 entstandenen Zeichnung erkennbar: Eine Darstellung ohne Buntfarben verbindet Personen und Umgebung zur Textur, ihre allein der wandernden Sonne unterworfenen Konturen verschmelzen zu einem einzigen Ganzen. Um das Goethe-Wort aus der Farbenlehre frei abzuwandeln: Sie werden zu „Taten und Leiden“ des Lichts.



Kilian Heck, Berlin

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