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Antoine Philippon und Jacqueline Lecoq

1930 – Paris – 1995 / Paris 1932

Paneelwand „Pointe de Diamant“ (Modell „Behr Form 1307“). 1964
Hondurasmahagoni (Multiplex), furniert auf Spanplatte, lackiert; Birke; Stahlrohr; Glas – Hersteller: Erwin Behr, Wendlingen. 245 × 370 × 70 cm (96 ½ × 145 ⅝ × 27 ½ in.) Mit zwei zusätzlichen Glastablaren, Schubladen und Trennböden sowie großer Transportkiste.  [3112]

ProvenienzEhemals Galerie Philippe Jousse Entreprise, Paris

EUR 60.000 – 80.000
USD 73,800 – 98,400

Paneelwand „Pointe de Diamant“ (Modell „Behr Form 1307“)

Auktion 289Donnerstag, den 31. Mai 2018, 11.00 Uhr

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Vergleichsliteratur und -objekt: Demisch Danant (Hg.): Antoine Philippon. Jacqueline Lecoq. Ausst.-Kat., New York, 2011, S. 58f.

AusstellungWohl identisch mit: Internationale Handwerksmesse in München, Französische Sektion, 1964 / Art Basel Design Miami, Galerie Philippe Jousse Entreprise Paris, Juni 2017

Antoine Philippon und Jacqueline Lecoq hatten einen festen Platz im Herzen der Bestrebungen eingenommen, Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg wieder wohnlich werden zu lassen. 1955 hatten sich die beiden im Atelier von Marcel Gascoin kennengelernt, der sich nicht nur mit Systemmöbeln einen Namen gemacht hatte, sondern auch durch seine Fähigkeit, die besten Köpfe einer neuen Designergeneration um sich zu scharen. Philippon und Lecoq waren das, was man in Frankreich früher „décorateurs“ nannte: Architekten für Möbel.
Wie viele ihrer Weggefährten machten sich auch Philippon und Lecoq auf, den Alltag der französischen Arbeiterklasse durch moderne Materialien und qualitativ hochwertige Massenware komfortabler und harmonischer zu gestalten. Die Branche war im Umbruch begriffen, und die von Philippon als „Rationalisierung der Kunstfertigkeit“ betrachtete Industrialisierung hatte seinem Verständnis nach das Potenzial, die Ästhetik von Möbeln „nachhaltig zu verändern.“
Ihre technische Raffinesse machte Antoine Philippon und Jacqueline Lecoq bald auch über die Landesgrenzen Frankreichs hinaus bekannt. Als sie 1964 für die Internationale Handwerksmesse in München die französische Sektion kuratierten, zeigten sie nicht nur Möbelstücke bekannter Designer wie Pierre Guariche oder Bernard Govin, sondern sie stellten auch ihren eigenen Entwurf „Behr Form 1307“ vor. Bei dem Produkt mit dem etwas ungelenken Namen handelte es sich um 60 mal 60 Zentimeter große Wandpaneele, die sie beim deutschen Hersteller Erwin Behr in Wendlingen fertigen ließen. Behr gilt als Erfinder der Spanplatte, und kaum jemand verstand sich besser darauf, sie kunstfertig zu veredeln, als Philippon und Lecoq. Furniert mit amerikanischem Mahagoni und ausgeführt in der für das Duo charakteristischen Diamantenform erinnert die Wand an ihre Möbel, die zwar frei von großspuriger Ornamentik waren, in ihrer minimalistischen Strenge aber doch spürbare Wärme in die Wohnungen der Nachkriegszeit brachten. An Aluminiumhaken war ein weiß lackiertes, seidenmattes Sideboard angebracht, das mit der Paneelwand ein wundervolles Ensemble bildete.
„Wir können uns einer gewissen Tendenz zum Barock, die aus dem bauhäuslerischen Purismus vergangener Jahre erwächst, nicht erwehren“, sagte Antoine Philippon der Illustrierten „La Maison française“ seinerzeit. „Aber wenn wir klug und in Maßen damit arbeiten, kann daraus eine erstrebenswerte Evolution der Formen erwachsen.“ Formen, die es heute wieder zu entdecken gilt. FS

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