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Pablo Picasso

Málaga 1881 – 1973 Mougins

„Saltimbanque en costume rouge“. 1923 (?)
Aquarell auf Papier. 32 × 24,5 cm (12 ⅝ × 9 ⅝ in.) Oben rechts mit Feder in Schwarz signiert: Picasso. Rückseitig oben links mit Bleistift (vom Künstler?) datiert: 4 – I – 23. Werkverzeichnis: Zervos Bd. 5, Nr. 7 (datiert „Hiver 1922/23“). Gebräunt, Farben leicht geblichen.  [3559]

ProvenienzCarl Roesch, Diessenhofen (wohl in den 1930er-Jahren in Paris erworben, bis 1979, seitdem in Familienbesitz)

Addendum/ErratumDas Aquarell wird der Picasso Administration, Paris, bei der nächsten Sitzung des Komitees am 5.12.2017 im Original vorgestellt.

EUR 200.000 – 300.000
USD 236,000 – 353,000

„Saltimbanque en costume rouge“

Auktion 281Donnerstag, den 30. November 2017, 17.00 Uhr

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Picassos erste Darstellungen von Harlekinen und Gauklern stammen aus dem Jahr 1905. Seitdem hat er diese Motive in verschiedenen Werkphasen immer wieder aufgegriffen. Picasso liebte es zeitlebens, in die unterschiedlichsten Rollen zu schlüpfen: Außer als Harlekin präsentierte sich der Maler auch als Pan, als Minotaurus oder Matador. Jede dieser Identitäten spiegelte eine andere Seite seiner Persönlichkeit. 1905 sah sich der Maler noch als ein Artist, der durch die Welt wandert und außerhalb der gesellschaftlichen Norm steht.
Zu dieser Zeit besuchte Picasso mit seinen Freunden fast jede Woche den Zirkus Medrano in Paris. In jenem Jahr sandte Apollinaire ihm sein Gedicht „Saltimbanques“, das erst Jahre später veröffentlicht wurde. Die Ambivalenz zwischen Freiheit und Einsamkeit, die sich in den Figuren des „Fahrenden Volkes“ manifestiert, reizte den Künstler stark. 1917 unternahm Picasso eine Reise nach Rom, die ihm nicht nur den Wandel von der kubistischen zu einer wieder mehr naturalistischen Bildsprache bringt. Auf ihr kehrt er auch wieder zum Thema der Gaukler zurück. Äußerer Anlass war seine Arbeit am „Ballet Russe“: Jean Cocteau konnte damals Picasso überzeugen, Bühnenbild, Vorhang und Kostüme für das Ballett „Parade“ zur Musik von Eric Satie zu gestalten. In der Folgezeit entstanden mehrere Harlekin-Bilder, zu denen auch unsere Arbeit gehören dürfte.
Mit lässig überschlagenen Beinen sitzt der Gaukler auf einem Stuhl. Er trägt das typische Kostüm aus roter Jacke und Kniebundhose über weißen Strümpfen. Eine Hand greift an die Stuhllehne, die andere stützt den Kopf. In dieser Geste liegt etwas Abwartendes und Nachdenkliches, das im Gegensatz zur Stegreifkomik auf der Bühne steht. Möglicherweise wartet der Mann auf seinen Auftritt. Picassos Pinselauftrag ist locker. Nur an wenigen Stellen, den Armen und am linken Knie, unterstützt eine dunkle Umrisslinie die Figur. Den Raum hat der Künstler mit wenigen Strichen in Gelb und Blau skizziert. Picasso zeigt in dieser Arbeit einen Gaukler ohne Publikum: Es ist ein Bild der Melancholie. OH

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