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Serge Poliakoff

Moskau 1900 – 1969 Paris

„Composition abstraite“. 1952
Öl auf Rupfen. 61 × 46,3 cm (24 × 18 ¼ in.) Unten rechts signiert und datiert: SERGE POLIAKOFF 52. Rückseitig ein Etikett der Galerie Aenne Abels, Köln (unvollständig). Auf dem Keilrahmen ein Etikett der Galerie Ariel, Paris. Werkverzeichnis: Nicht bei Poliakoff/Schneider. Mit einer Expertise von Alexis Poliakoff, Paris, vom 28. September 2017. Das Gemälde ist in den Archives Serge Poliakoff, Paris, registriert unter der Nr. 952068 und wird aufgenommen in den 6. Bd. des Catalogue raisonné der Werke Serge Poliakoffs (in Vorbereitung).  [3035] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Hessen

EUR 150.000 – 200.000
USD 177,000 – 236,000

„Composition abstraite“

Auktion 281Donnerstag, den 30. November 2017, 17.00 Uhr

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AusstellungKunst nach 45 aus Frankfurter Privatbesitz. Frankfurt a.M., Kunstverein, Steinernes Haus am Römerberg, 1983, ohne Nr., Abb. S. 289

Man hat sich angewöhnt, in Serge Poliakoff einen der Hauptvertreter der École de Paris zu sehen. Allerdings war der gebürtige Moskauer ungefähr eine Generation älter als seine Mitstreiter des Informel. Um Poliakoffs Sonderstellung inner-halb der abstrakten Malerei seiner Wahlheimat Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg die gebührende Ehre zu erweisen, geht man deshalb nicht fehl, zur Orientierung auch andere Künstler hinzuzuziehen.
Unser Gemälde mit dem schlichten Titel „Composition abstraite“ aus dem Jahr 1952 ist aufgrund seiner außergewöhnlichen Qualität hervorragend geeignet, Serge Poliakoffs Schaffen neu zu verorten. Als Kasimir Malewitsch 1915 das erste seiner „Schwarzen Quadrate“ in Moskau ausstellte, besuchte sein musisch hochbegabter Landsmann, wiewohl gerade erst fünfzehn, in derselben Stadt bereits intensiv akademische Malkurse. In der rigiden Verknappung der Komposition auf geometrische Grundformen wie Vier- oder Fünfecke weist die Kunst der beiden über die Distanz von Jahrzehnten hinweg durchaus Berührungspunkte auf.
Was wiederum Poliakoffs Gespür für die Dynamik von Farbrhythmen angeht, so wird man nicht umhinkommen, Paul Klee zurate zu ziehen, selbst wenn es in der Malerei der beiden signifikante Unterschiede gibt. Auch von Künstlern wie Wassily Kandinsky und Sonia und Robert Delaunay weiß man, dass sie den Neuankömmling in Paris maßgeblich beeinflussten. Das Gemälde „Composition abstraite“ ist mit seinem Entstehungsjahr 1952 – obwohl Poliakoff damals schon in seinem 53. Lebensjahr stand – eine der frühesten Arbeiten, in denen der Künstler seinen unverwechselbaren Stil zu voller Blüte entwickelte.
Souverän hält er auf der groben Leinwand das Gleichgewicht zwischen den roten, blauen, grünen, ockerfarbenen und weißen Tönen. Dabei ist, betrachtet man nur einmal das Zentrum mit den schwarzen, roten, purpurfarbenen und altweißen Polygonen, die Anlage des Gemäldes erheblichen widerstreitenden Kräften ausgesetzt. Um diese zu mildern und im selben Moment das Malerische im Bild zu steigern, entwickelte Poliakoff seinen gebrochenen, gekonnt unfertig wirkenden, in sich vibrierenden Farbauftrag. Auch deshalb muss diese „Composition“ von 1952 als eines der frühen Hauptwerke des Künstlers angesehen werden. UC

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