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Sigmar Polke

Oels 1941 – 2010 Köln

Skizzenbuch vom 30.12.1969. 1969
32 Filzstiftzeichnungen auf Papier (Stenoblock). 21 × 15 × 0,5 cm (8 ¼ × 5 ⅞ × 0 ¼ in.) Auf der Vorderseite datiert: 30.12.69.  [3004]

ProvenienzPrivatsammlung, Nordrhein-Westfalen (direkt vom Künstler erhalten)

EUR 200.000 – 300.000
USD 236,000 – 353,000

Skizzenbuch vom 30.12.1969

Auktion 285Freitag, den 1. Dezember 2017, 18.00 Uhr

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Wir danken Michael Trier, Künstlerischer Leiter des Estate of Sigmar Polke, für freundliche Hinweise

Literatur und AbbildungMichel Würthle: Polke, mein saftiger Hero. In: Grisebach. Das Journal. Heft 7. Berlin 2017, S. 64–69 m. Farbabb

Dass Sigmar Polke Skizzenbücher führte, war lange nicht bekannt. Nach seinem Tod 2010 gelangten fünfzehn dieser Kostbarkeiten in einer großen Ausstellung, Museum Ludwig Köln 2015, erstmals unter die Augen und in das Bewusstsein der Öffentlichkeit: eine unerwartete, zugleich entscheidende Erweiterung des Wissens um das Werk dieses Künstlers.
Was sofort auffällt: Polke verfügt über ein enormes zeichnerisches Vermögen, ist vertraut mit allen Materialien, kompositorischen und farbgestalterischen Chancen. „Ein bemerkenswerter Zeichner“, bekundet Frieder Burda. Vor allem aber kennt er die Geheimnisse dieses verborgenen Ortes, weiß, dass hier die Glut der Inspiration am heißesten aufbricht. Was den Künstler aus der Fülle des Erlebten und Gesehenen unvermittelt anspringt, findet hier seinen direkten Niederschlag. Während Kirchner in dieser Anfangssituation ekstatisch verglüht, behält Polke die ihm eigene Distanz bei. Auch im Skizzenbuch treibt er sein listenreiches Spiel, hinterlegt eine Andeutung, einen Scherz, eine „kleine Gemeinheit“, eine ironische Bemerkung – und ist, immer schon unerreichbar, ab- und weitergereist.
Ein Werk „aus-sehen“, ein Werk „aus-deuten“, das kann bei diesem Künstler nicht gelingen. Ein Mann der Fragen, nicht der Antworten. Auf dem Wege, niemals am Ziel. Neugierde trieb ihn und eine ausufernde Fantasie, die sich überall und jederzeit entzündete . Schon deshalb waren die Skizzenbücher ideale Gefährten, immer bereit, seine Einfälle zu beherbergen – bis zur nächsten Abreise: „Ein Tunnel in die Zukunft“. Kurz vor seinem Tode füllte der Künstler ein letztes: 380 Blätter, eingehüllt von schwarzer Tinte. Ein ahnendes Vermächtnis.
Das vorliegende Skizzenbuch vom Jahresabschluss 1969 versammelt 32 Skizzenbuchblätter von hoher Eigenständigkeit. Zugleich bleiben sie nicht bei sich, enthalten vielmehr ein schöpferisches Potenzial, das sich aufweitet bis ins große Format raumfüllender Bilder.
Gerd Presler

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