Auktionen Frühjahr 2019

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Sigmar Polke

Oels 1941 – 2010 Köln

Ohne Titel (Münster 1973). 1973

Gouache und Goldfarbe auf Papier. 100 × 70 cm. (39 ⅜ × 27 ½ in.) Unten rechts signiert und datiert (geblichen): S. Polke 73. Mit Editionsstempel. Werkverzeichnis: Becker / von der Osten 36. Eines von 30 Unikaten. Jahresgabe des Westfälischen Kunstvereins, Münster 1973.  [3247]

ProvenienzPrivatsammlung, Nordrhein-Westfalen

EUR 80.000 – 120.000
USD 89,900 – 135,000

Verkauft für:
100.000 EUR (inkl. Aufgeld)

Ohne Titel (Münster 1973)

Auktion 308Freitag, den 31. Mai 2019, 18.00 Uhr

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Wir danken Michael Trier, Köln, für freundliche Hinweise

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Klaus Honnef hat Sigmar Polke im Westfälischen Kunstverein in Münster früh die Ausstellung „Franz Liszt kommt gern zu mir zum Fernsehen“ unter dem übergeordneten Titel „Original + Fälschung“ (29. April bis 27. Mai 1973) ermöglicht. Wie andere Künstler bat der damalige Kurator und Leiter des Kunstvereins Sigmar Polke, die Institution mit einer Jahresgabe zu unterstützen, die ausschließlich von Mitgliedern des Vereins erworben werden konnte.
Das Team des Kunstvereins war in keiner Weise vorbereitet auf das, was Polke liefern sollte. Auch heute ist nachvollziehbar, wenn Honnef berichtet: „Als die Sendung aus Willich ausgepackt war, gingen mir die Augen über: Mit farbenprächtigen Gouachen im repräsentativen Format von 100 × 70 Zentimetern hätte ich nie gerechnet“ (zit. nach: Klaus Honnef: Polke und die Jahresgaben für den Westfälischen Kunstverein Münster. In: Sigmar Polke. Erotische Arbeiten. Ausst.-Kat. Galerie Michael Werner, Köln 2013. o.P.). Die Motive, die inhaltlich nicht abgesprochen waren, stellten die zweite Überraschung dar: erotische, teilweise pornografische Darstellungen, linear, schnell erfassbar hervorgehoben und farbige Strukturen und Muster überlagernd.
Das vorliegende Bild ist farblich von einem ornamentalen grünen oberen Bildrand und einer runden gelben Fläche, einem zerplatzenden Eigelb gleichend, am unteren Rand eingefasst. Rote, gestisch und in Wellen aufgetragene Linien und zwei Kreisformen gestalten die Bildfläche. Darüber hat Polke die Kontur eines stehenden weiblichen Akts gezeichnet, und zwar genau so, dass der Kopf, denkt man den nur halb gezeichneten Umriss zu Ende, bis zum oberen Bildrand reicht, während die Scham und die Fingerspitzen der auf den Leisten abgelegten Hände der Frau ein Zentrum in der gelben Farbfläche am unteren Bildrand finden.
Dass Bilder wie dieses, das 1973 als Jahresgabe in Münster eintraf, seinerzeit durchaus als provokant empfunden worden sind, ist nachvollziehbar. Ein Polke-Kenner hat der Autorin berichtet, der Künstler habe sich königlich amüsiert.
Die Jahresgaben waren trotzdem überzeichnet und wurden mittels Los an die interessierten Mitglieder verteilt. Es ist bekannt, dass so manches Blatt nach der Vergabe direkt in einem Grafikschrank verschwunden ist. Nicht jeder, der glücklich durch ein Los bedacht worden ist, hatte anschließend auch die Courage, die Arbeit aufzuhängen.
Anne Ganteführer-Trier

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