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Porzellanmanufaktur Frankenthal

Konsoltisch mit Porzellanplatte für Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz (1724–1799) – Modell wohl von Franz Conrad Link (1730–1793). Um 1770
Porzellan, plastisch geformt, goldstaffiert; Linde, geschnitzt, gefasst; Marmorplatte (Fleur de Pêcher). 84 × 99 × 52 cm (33 ⅛ × 39 × 20 ½ in.) Kartusche mit Monogramm unter Fürstenhut: CT.  [3401]

ProvenienzSchloss Mannheim, Magazin (1775–1800 nachweisbar) / Sammlung des Kunsthändlers Arne Schlesch (1922–2010), New York und Kopenhagen (1991–2000) / Privatsammlung, Niedersachsen

EUR 30.000 – 40.000
USD 36,900 – 49,200

Verkauft für:
37.500 EUR (inkl. Aufgeld)

Konsoltisch mit Porzellanplatte für Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz (1724–1799) – Modell wohl von Franz Conrad Link (1730–1793)

Auktion 289Donnerstag, den 31. Mai 2018, 11.00 Uhr

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Wir danken Barbara Beaucamp-Markowsky, Frankfurt am Main, für freundliche Hinweise.

Literatur und AbbildungAuktion: French and Continental Furniture and Decorations. New York, Sotheby's, 5. Oktober 1991, Kat.-Nr. 315, S. 110 / Auktion: The Collection of Arne Schlesch. New York, Sotheby's, 5. April 2000, Kat.-Nr. 361, S. 148 / Barbara Beaucamp-Markowsky: Frankenthaler Porzellan. München, 2010, Bd. 2 (Die Archivalien), S. 327 und 396, Anm. 127 und 139

Carl Theodor demonstrierte als Mäzen eindringlich, dass er mehr war als das „Glücksschwein“, als das ihn Friedrich II. von Preußen bezeichnet hatte. Denn als Kurfürst von der Pfalz erwies sich Carl Theodor als durchaus aktiver und innovativer Gestalter seiner Zeit: Als Förderer von Oper und Theater zog er Voltaire und Mozart an seinen Hof. Darüber hinaus gründete er Akademien und Kunstsammlungen und stach als Bauherr einer der größten Schlossanlagen der deutschen Lande in Mannheim hervor. Im nahe gelegenen Frankenthal übernahm Kurfürst Carl Theodor 1762 die „vortreffliche Porcellanfabrique, die weder an Schönheit des Gemahldes, noch Feine der Materie, noch weniger künstlicher Arbeit dem Meisner oder Dresdner Porcellan weichet“ (Philipp Wilhelm Ludwig Flad, 1794).
Porzellan war Mitte des 18. Jahrhunderts das Repräsentationsmittel und Glück der deutschen Herrscher. Am Wettbewerb des „Schöner, Cremefarbener und Prezioser“ beteiligte sich Carl Theodor mit fragil-schönen, aber auch konstruktiv gewagt großen Porzellanen in Form von Möbeln, die er in der Mannheimer Residenz ausstellte. So befand sich im Kabinett des Kurfürsten ein großer Kronleuchter, den die Manufaktur zu seinem Namenstag 1766 gefertigt hatte (heute verloren). Im Kleinen Kabinett der Kurfürstin prunkten „2 Spiegel mit Porcellain Rahmen“, und im Magazin stand „Ein porcellainener Consol tisch nebst Blat von franckenthal“ (Inventar 1775), der schließlich um 1800 als „1 porcelaine Consol Tisch Platt“ und „1 porcelaine Consol Tisch Fues“ zusammen mit den Porzellanspiegeln in der Silberkammer aufbewahrt wurde (Inventar 1800).
Während die Spiegel 1803 nach München gebracht wurden, verliert sich die Spur des Porzellankonsoltisches bzw. seiner Einzelteile im Dunkel der Umzugswirren, als Carl Theodor als nunmehriger Kurfürst von Bayern die Mannheimer Residenz ab 1778 sukzessive verließ. Möglicherweise war der Konsoltisch, der nach einem Formverzeichnis der Frankenthaler Manufaktur aus 81 Formteilen bestand, von Anfang an wegen seiner für damalige Verhältnisse waghalsigen Großkonstruktion aus zartem Porzellan beschädigt, was seine Aufbewahrung im Magazin und später auch das einzelne Möbelbein in der Silberkammer erklären mag. Erst 1991 tauchte der Konsoltisch mit der Porzellanzarge und dem Monogramm Carl Theodors in New York wieder auf.
Dessen große Zargenplatte zentral aus cremefarbenem Porzellan, nur durch Goldstaffierung gehöht, entstand – wie Spiegel und Kronleuchter – nach Vorgaben des Modelleurs und Hofbildhauers Franz Conrad Link. Die Porzellanmöbel waren eigens für den Kurfürsten gefertigte Einzelstücke, denn Herstellung, Montage, Transport und Aufstellung waren für den allgemeinen Absatz zu aufwändig und zu teuer. Barbara Beaucamp-Markowsky nennt die Frankenthaler Kronleuchter daher eine „tour de force“ der kurpfälzischen Manufaktur. Nur mit den berühmten – da sehr großen – Porzellantieren der Meissener Porzellanmanufaktur lassen sich diese in Größe und Könnerschaft messen, weswegen der Konsoltisch zu den „anspruchsvollsten Schöpfungen der Frankenthaler Manufaktur“ (Beaucamp-Markowsky 2010, S. 396, Anm. 127) zu zählen ist. Der Tisch beweist, dass Kurfürst Carl Theodor ein wirklicher Tausendsassa war, der aktiv und erfolgreich sein Glück in Form von Porzellan und die Kunst des 18. Jahrhunderts zu gestalten wusste. SK

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