Auktionen Herbst 2018

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Gerhard Richter

Dresden 1932 – lebt in Köln

„IV. 1978 - Studie für ein abstraktes Bild“. 1978

Öl auf Holz. 31 × 48 cm. (12 ¼ × 18 ⅞ in.) Rückseitig mit Bleistift signiert, betitelt und datiert: Richter IV. 1978. Werkverzeichnis: Das Werk ist im Online-Werkverzeichnis gerhard-richter.com verzeichnet.  [3360] Gerahmt 

EUR 250.000 – 350.000
USD 287,000 – 402,000

„IV. 1978 - Studie für ein abstraktes Bild“

Auktion 301Freitag, den 30. November 2018, 18.00 Uhr

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AusstellungWege der Abstraktion, Düsseldorf, Galerie Ludorff, 2007 / Gerhard Richter: Abstrakte Bilder, Düsseldorf, Galerie Ludorff, 2013, Abb. S. 52 – 53

Gerhard Richters Kunstausübung begann klassisch an der Dresdner Kunstakademie. 1962 verließ der Künstler seine Heimat und ging nach Düsseldorf. Dort setzte er bei K.O. Götz, einem der Großmeister des Informel, seine Studien fort – und blieb auf Konfrontationskurs. Mit Konrad Lueg, dem späteren Galeristen, und Sigmar Polke fand Richter sich zur Gruppe „Kapitalistischer Realismus“ zusammen; gemeinsam veranstaltete man „demonstrative Ausstellungen“. Zum einen nahm Richter damit Stellung zum in seiner Heimat vorherrschenden sozialistischen Realismus, zum anderen unterzog er die in Amerika und Großbritannien neu entstandene Pop-Art einer zugespitzten Betrachtung. Dieser frühen Stufe im künstlerischen Ausdruck folgte zu Beginn 1960er-Jahre Malerei nach fotografischen Vorlagen. Seitdem ist Richter bekannt für fortgesetzte Änderungen in seinem Stil, seiner Produktion, seiner Technik und so weiter.
1976 setzen die „Abstrakten Bilder“ ein. Sie wollen auf die Frage nach der Realität von Bildern antworten und erkunden Möglichkeiten und Grenzen der Kunst. Die ungegenständlichen Darstellungen handeln nur von der Malerei. Der Künstler wiederholt sich absichtlich, um einen einmal gewonnenen Eindruck oder ein einmal gefundenes Ergebnis erneut zu prüfen, er experimentiert mit technischen Varianten und mit dem gestischen Ausdruck, bezweifelt ein Resultat und lässt ihm ein ganz anderes Thema folgen.
Pink, Rot, Türkis, Grün und Gelb finden sich in ungeheurer Dichte auf dem hölzernen Grund, nebeneinander, nein, übereinander – und auch ganz sporadisch oberflächlich. Zahlreiche Spuren der Entstehung – Linien, Grate, freigelegte Stellen – beleben die Oberfläche. Hier ist mit mechanischen Instrumenten in die Malschicht so eingegriffen worden, dass jenseits aller tradierten Formen, wie Pinselschwünge sie hinterlassen, völlig neue oder vielleicht doch schon längst bekannte Schichten aufblühen. Mit vergleichbarer Ungezwungenheit ist im 19. Jahrhundert, von Makart oder Courbet, das Farbmesser geführt worden, um die Darstellungsmöglichkeiten grundlegend zu erweitern. „Studie IV“ belegt die Realität des Gerhard Richter. „So sind Bilder umso besser, je schöner, klüger, irrsinniger und extremer, je anschaulicher und unverständlicher sie im Gleichnis diese unbegreifliche Wirklichkeit schildern.
Die Kunst ist die höchste Form von Hoffnung“
(Gerhard Richter in einem Interview mit Stefan Koldehoff 1999, zitiert nach: Gerhard Richter: Text 1961–2007; herausgegeben von Dietmar Elger und Hans Ulrich Obrist, Köln 2008, S. 121)
Elke Ostländer

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