Auktionen Frühjahr 2019

357d

Naum Slutzky

Kiew 1894 – 1965 Stevenage, England

D Paar Kerzenständer. Um 1930

Neusilber, vernickelt, mattiert; Glas. 6,5 cm; Ø 7,5 cm. (2 ½ in.; Ø 3 in.) Keine Meistermarke.  [3133]

ProvenienzAnna Sophie (1895–1986) und Fritz Block (1889–1955), Hamburg, ab 1938 Los Angeles / Privatsammlung, Schweden (durch Erbschaft)

EUR 6.000 – 8.000
USD 6,740 – 8,990

D Paar Kerzenständer

Auktion 305Donnerstag, den 30. Mai 2019, 14.00 Uhr

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Vergleichsliteratur und -objekt: Monika Rudolph: Naum Slutzky. Meister am Bauhaus. Goldschmied und Designer. Stuttgart, 1990, S. 198, Abb. 65 / Ein Kerzenständer im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg

Slutzky ließ sich 1928 durch den ehemaligen Bauhaus-Mitstudenten Fritz Schleifer, der mittlerweile ebenfalls nach Hamburg gezogen war, einen Werbezettel entwerfen, auf dem er seine Produktpalette annoncierte. Von „Lampen, Teegeschirren, Dosen, Aschenbechern, Damen- und Herrenschmuck“ war hier die Rede, nicht jedoch von Kerzenleuchtern. Im Licht der großen Beleuchtungsaufträge, die Slutzky unmittelbar vor und nach 1930 in Hamburg für die Bibliothek Warburg, die Bugenhagenkirche, den Emelka-Filmpalast oder die neue Synagoge in der Oberstraße ausführte, muteen die fast Zentimeter hohen Leuchter verschwindend klein und intim an. Doch ließ sich auch an ihnen ein Stück gelungener Gestaltung demonstrieren.
Auf einem scheibenförmigen Fuß erhebt sich ein zylindrischer Schaft mit kreisförmigem Abschluss. Dieser dient als Auflage für eine kreisrunde Tropfschale aus Glas, deren Größe der des Fußes entspricht. Waagrechte und senkrechte Bauelemente erlauben eine Reduktion des Leuchters auf ein Mindestmaß. In der Verbindung von Metall und Glas zeigt der Leuchter Verwandtschaft mit Dosen, die Slutzky zur selben Zeit konzipierte.
Die Werke markieren eine Phase in Slutzkys Schaffen, die von Erfahrungen seiner Reise 1930 zur Werkbund-Ausstellung in Paris geprägt waren. Sein Stil wandelte sich nach seiner Rückkehr 1931, indem er dazu tendierte, handwerklich arbeitsintensive Verfahren durch rationelle Montagetechnik zu ersetzen und in der Kombination von Glas und Metall noch konzeptioneller zu arbeiten.
Die Sammler Fritz und Anna Sophie Block besaßen ursprünglich zehn dieser Leuchter. Ein weiteres, minimal größeres Exemplar konnte Monika Rudolph in Brüssel nachweisen. Wahrscheinlich hatte Slutzky also von Anfang an die Absicht, den Leuchter in größerer Stückzahl, vielleicht in limitierter Auflage, anzubieten.
Am Bauhaus war die Konstruktion von Kerzenleuchtern kein wirkliches Thema. Vermutlich galten sie den Studierenden in Weimar, die nichts weniger als eine neue Welt entwerfen wollten, als Ausdruck überwundener Romantik. Ab 1924 wandte man sich vor allem dem Entwurf von Hänge-, Decken- und Tischlampen zu, zwischen denen Kerzenleuchter altmodisch erschienen. Aber offenbar gab es, wie die Kerzenleuchter Slutzkys bezeugen, in der Inneneinrichtung auch weiterhin Bedarf an klassischen Accessoires. RJ

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