2144

Frank Thiel

Kleinmachnow bei Berlin 1966 – lebt in Berlin

„Die Alliierten“. 1994
12-teilige Installation bestehend aus 4 Triptychen, C-Prints, Diasec, 2000/2001. Große Photos jeweils 217,5 × 174 cm (85 5/8 × 68 1/2 in.), kleine Photos jeweils 34,8 × 27,8 cm (13 3/4 × 11 in.). Je auf Rahmenrückwand und unterer Rahmenleiste mit schwarzem Filzstift signiert, datiert (Aufnahme sowie Abzug), betitelt, bezeichnet und nummeriert sowie Maßangaben. Je eines von 6 nummerierten Exemplaren.  [2045] Je gerahmt 

ProvenienzSammlung Wolfgang Joop

EUR 80.000 – 120.000
USD 94,200 – 141,000

Verkauft für:
100.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Die Alliierten“

Auktion 279Mittwoch, den 29. November 2017, 18.00 Uhr

Los empfehlenLos notieren

Mein von mir bewunderter Mode-Design-Künstler Yohji Yamamoto sagte einst in einem Interview ungefähr das, was ich jetzt versuche zu erinnern: „Unsere Wurzeln wie unsere Identität sind beschädigt. Wir mussten den ehemaligen Feind als Freund begreifen.“
Die Porträts der Viermächte- Militärs erinnerten mich an dieses Statement, wann immer ich sie betrachtete. Der Fotokünstler Frank Thiel hatte sie rahmen lassen und eigenhändig an den beiden hohen gegenüberliegenden weißen Wänden befestigt.
Er trug eine Militärhose mit Camouflage-Print.
Die Wände gehörten zum Haus der ehemaligen britischen Militärmission in den Zeiten des Kalten Krieges. Sie lag am rechten Ufer des Heiligen Sees und der Seestraße in der Berliner Vorstadt und somit zu Zeiten der DDR im sogenannten Sperrgebiet.
Die Bilder waren längst angebracht, da besuchte mich eines Sommertages eine Gruppe von Veteranen. Es waren Briten mit ihren Frauen. Sie wollten noch mal das Haus und den Garten sehen. Unter einem flachen japanischen Ahorn lag ein großer Feldstein, in den ein Frauenname mit militärischem Grad eingraviert war. Die Personen der Gruppe betrachteten ihn und erwähnten etwas hinsichtlich dieser Person. Ich habe vergessen, was es war.
Es war seltsam und berührend in diesem Moment, das Phänomen Zeit zu spüren. Aus diesen den einstmals frischen, geradeaus schauenden jungen Soldaten und Soldatinnen waren nun ältere Menschen geworden, die nur noch dem Befehl der eigenen Natur gehorchten.
Gehorsam und Einsatzbereitschaft waren lesbar in all den Gesichtern, die Frank Thiel im richtigen, einmaligen Zeitpunkt vor die Linse bekommen hatte. Kaum zu glauben, dass diese „Alliierten“ einst gekommen waren, um „uns“ vor „uns“ zu beschützen.
Frank Thiels Arbeit ist für mich wie ein Altar des Friedens gewesen. In den 18 Jahren, in denen ich oft vor diesem Altar stand, habe ich mich beim Schicksal stumm bedankt. (Wolfgang Joop)

Irrtum vorbehalten - wir verweisen auf unsere Versteigerungsbedingungen.