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Günther Uecker

Wendorf/Mecklenburg 1930 – lebt in Düsseldorf

„Werkzeug, Nagelobjekt“. 1959
Nägel und weiße Farbe auf Holz. 17,5 × 17,5 × 5,5 cm (6 ⅞ × 6 ⅞ × 2 ⅛ in.) Rückseitig mit Pinsel in Blau signiert und datiert: Uecker 59. Dort auch ein Etikett der Ausstellung Krefeld 1963 (s.u.). Werkverzeichnis: Honisch 137.  [3344] Gerahmt 

ProvenienzKarl Heinemann, Mönchengladbach / Galerie Löhrl, Mönchengladbach / Privatsammlung, Deutschland

EUR 100.000 – 150.000
USD 118,000 – 177,000

„Werkzeug, Nagelobjekt“

Auktion 282Donnerstag, den 30. November 2017, 18.30 Uhr

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AusstellungMack, Piene, Uecker. Museum Haus Lange, Krefeld 1963 (lt. rückseitigem Etikett) / Günther Uecker, Muzeum Sztuki w Lodzi, Lodz 1975-75, Abb. / Uecker. Bilder und Zeichnungen, Kunstverein, Braunschweig 1979, Abb. S. 9

„So wie Lucio Fontana dem Raum mit dem Messer Zugang zum Bild verschaffte, so machte Uecker das Bild mit dem Nagel zum Objekt“ (Dieter Honisch: Uecker. Stuttgart, Clett-Kotta, 1983, S. 52).

Günther Uecker kam eher zufällig auf die Idee, dass der Nagel selbst als Bestandteil seiner künstlerischen Werke genutzt werden konnte. Bis in die späten 1950er-Jahre hat er Nägel lediglich als Werkzeug zur Bearbeitung seiner Bildoberflächen verwendet. Dafür hat er Hilfsmittel wie „Nagelbürsten“ konstruiert, um damit Strukturen in die Schichten feuchter Ölfarbe hineinzukämmen. Dabei muss dem Künstler offenbar geworden sein, dass der Nagel mehr als ein Hilfselement ist und ihm bei der „Verräumlichung seiner Bildstruktur“ dienlich sein könnte (Dieter Honisch: Uecker. Stuttgart, Clett-Kotta, 1983, S. 50). Unser außerordentlich frühes Nagelobjekt aus dem Jahr 1959 ist Zeuge eines solchen Schlüsselerlebnisses, in dem Uecker plötzlich das Bearbeitungsgerät für interessanter befand, als das, was er damit herstellen konnte. Das Nagelobjekt hat eine handhabbare Größe, die Nägel sind auf einem quadratischen Holzstück recht frei, aber regelmäßig gesetzt, wodurch ein kissenartiges Volumen entsteht, das eventuell zuvor zur Gestaltung seiner „Strukturfelder“ eingesetzt wurde. Von den Köpfen der Nägel trieft noch Ölfarbe herab, in demselben monochromen Farbton wie der Bildgrund, wodurch die Nägel fast „entmaterialisiert“ werden. Hier geht es (noch) nicht um die Modellierung des Lichts, wie in Ueckers späterer ZERO-Phase, sondern hier wird ein Werkzeug zum autonomen Werk erklärt. Just in der Zeit, in der Uecker Gast bei den ersten Abendausstellungen in Pienes Atelier war, entdeckt er, dass die benagelten Objekte eine „reale Raumhaftigkeit“ haben, die seine bildhaften Werke nicht erreichten (Stephan von Wiese, Bilder und Objekte von 1956-1975, in: Günther Uecker. Bilder und Objekte, Ausst.-Kat. Stuttgart, Staatsgalerie 1976, S. 23). Diese Erkenntnis bildete den Ausgangspunkt für eine Schaffensphase, in der „Gebrauchsgegenstände bürgerliche Imagepflege, alte und neue Statussymbole einen weißen Stachelpanzer erhielten“ (Juliane Roh: Deutsche Kunst der 60er Jahre, München, Bruckmann Verlag, 1971, S. 167). Das Tafelbild sollte nun für eine Weile auf der Strecke bleiben, bot doch die Materialität des Nagels neue Möglichkeiten, um Objekte zu schaffen, die die subjektive Gestik der informellen Kunst überwinden konnten. CG

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