Auktionen Frühjahr 2019

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Maria Uhden

Gotha 1892 – 1918 München

„Landschaft mit Kamel“. 1917

Öl auf Leinwand. 42 × 53 cm. (16 ½ × 20 ⅞ in.) Unten rechts (schwach lesbar) monogrammiert: M. U. Rückseitig signiert und betitelt: Maria Uhden „Landschaft m. Kamel“. Auf dem Keilrahmen ein Stempel der Galerie Roche, Bremen. Werkverzeichnis: Hofmann/Präger 1917/3. Das einzige erhaltene Ölbild der Künstlerin. Kleine Retuschen.  [3398] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Bremen (1985) / Privatsammlung, Berlin

EUR 20.000 – 30.000
USD 22,500 – 33,700

Verkauft für:
25.000 EUR (inkl. Aufgeld)

„Landschaft mit Kamel“

Auktion 307Freitag, den 31. Mai 2019, 11.00 Uhr

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AusstellungSechzigste Ausstellung: Georg Schrimpf, Maria Uhden, Fritz Stuckenberg. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Holzschnitte. Berlin, Der Sturm, 1918, Kat.-Nr. 40 / Georg Schrimpf, ein Maler der Neuen Sachlichkeit. Maria Uhden, eine Malerin des Expressionismus. Berlin, Haus am Waldsee; München, Villa Stuck, und Albstadt, Städtische Galerie, 1985, Nr. 123 (in Albstadt Nr. 91) / Arte in due. Coppie di artisti in Europa 1900–1945. Turin, Palazzo Cavour, 2003, Kat.-Nr. 71, Abb. S. 129 / Sturm-Frauen. Künstlerinnen der Avantgarde in Berlin 1910–1932. Frankfurt a.M., Schirn Kunsthalle, 2015/16, S. 396, Abb. S. 297

Literatur und AbbildungOskar Maria Graf: Maria Uhden. Leipzig, Verlag von Klinkhardt & Biermann, 1921 (= Junge Kunst, Bd. 20), m. Abb

Maria Uhden, der nur ein sehr kurzes Leben vergönnt war, muss ein selten pantheistisch beseelter Mensch gewesen sein, der allen Lebewesen und Dingen ein besonderes Eigenleben zusprach. An ihren Mann und Lebensgefährten Georg Schrimpf schrieb sie 1917: „Du hast gewiß Tiere auch sehr lieb. Es macht, finde ich, das Leben so schön, wenn man das Wesen von allen Dingen miterlebt, denn alles hat eine Seele: Blumen, Tiere, Wolken, Berge, Städte, Häuser, die dümmsten Dinge, ein Stein, ein Pinsel, ein Stück Papier, eben alles!“



Dieses starke Einfühlungsvermögen befähigte sie, die Dinge groß und einfach zugleich zu sehen, ohne sie zu überhöhen, und das verleiht ihren Bildern diese kindliche Monumentalität, die ein Ausdruck großer Liebe zu allem ist. So hat es auch Georg Schrimpf empfunden, nachdem er Maria Uhdens Ausstellung im „Sturm“ gesehen hatte: „Die Menschen und Tiere auf diesen Bildern, mit ihren schweren Körpern und Beinen und ihren schwerfälligen plumpen Bewegungen machten einen gewaltigen Eindruck auf mich. Ich war überzeugt davon, nur eine Frau, die mit aller Innigkeit die Welt und die Dinge liebte, konnte so die Menschen, Tiere, Landschaften und Sterne wiedergeben. Diesem Menschen konnte ich ganz glauben.“



Und so glauben auch wir der Künstlerin beim Anblick der Landschaft mit Kamel. Eine ganz elementare Ruhe geht von ihr aus, eine Einheit von Mensch und Tier, die sich aus dem Glauben an die Gleichwertigkeit alles Lebenden speist. Geborgenheit und ein Aufgehoben-Sein sind die entscheidenden Merkmale von Uhdens Weltauffassung, ein Glaube an das Positive, ein argloses Einverständnis, dass alles einen Sinn habe und letztlich gut eingerichtet sei.



Es spricht für Herwarth Waldens unbestechlichen und aufmerksamen Blick, dass er der jungen Künstlerin in der Sturm-Galerie ein Forum für ihre Bilder bot, die aus so tiefer Empfindung elementare Geschichten erzählten. Die „Landschaft mit Kamel“ ist das einzig erhaltene Ölbild Maria Uhdens, und es nimmt uns an die Hand, uns das kindliche Sehen in Erinnerung zu rufen. Oskar Maria Graf hat die Künstlerin einfühlsam beschrieben: „Ihr Grundgefühl strömte hinaus und weg aus dem scheinbaren ,Überfluß’ unseres mechanisch-verkommenen Lebens und wußte tief zu innerst um die einfache Überfülle des Naturhaften und Notwendigen. […] Aus dem drängenden Unterstrom ihres Lebens brach immer und immer wieder mit erneuter Kraft das mögliche Bild ihres unbändigen Wollens, die mögliche Symbolisierung der Wirklichkeit von der Güte alles Seienden …“ MS

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