Auktionen Herbst 2018

709aN

Maurice de Vlaminck

Paris 1876 – 1958 Rueil-la-Gadelière

Bouquet de Fleurs.
Öl auf Leinwand. 55 × 38 cm. (21 ⅝ × 15 in.) Unten links signiert: Vlaminck. Auf dem Keilrahmen unten ein rotes Wachssiegel. Mit einer Expertise des Wildenstein Instituts, Paris, vom 19. September 2005. Das Gemälde ist im Archiv „Vlaminck“ des Wildenstein Instituts, Paris, unter der Nr. 6505 registriert und wird in das Werkverzeichnis aufgenommen (in Vorbereitung).  [3559] Gerahmt 

ProvenienzPrivatsammlung, Schweiz

EUR 60.000 – 80.000
USD 69,000 – 92,000

Bouquet de Fleurs

Auktion 299Freitag, den 30. November 2018, 11.00 Uhr

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Eine schicksalhafte Begegnung in einem Zug, der entgleist auf der Bahnstrecke liegen geblieben war, machte Maurice de Vlaminck im Jahr 1900 mit André Derain bekannt. Die Freundschaft, die sich daraus entwickelte, führte beide zur Begründung des Fauvismus, jenes Vorläufers des Expressionismus, bei dem Künstler wie Vlaminck, Derain, Matisse und andere die Farbe aus dem Korsett des Realismus „befreiten“.



Davon ist bei diesem reifen, virtuos ausgeführten Stillleben Vlamincks allerdings nicht mehr viel zu bemerken. Die Sommerblumen, aus denen das titelgebende „Bouquet des eurs“ gesteckt wurde, wirken hier wieder so nah an der Natur wie vor der Bekanntschaft mit Derain. Die Kornblumen und Himmelsröschen, Margeriten und Petunien hat Vlaminck mit einem malerischen Duktus von Verve und großem Temperament auf die Leinwand gebracht. Bei ihrer Farbigkeit jedoch bemühte er sich fast wie in einem Nachschlagewerk zur Pflanzenbestimmung um die korrekte Wiedergabe der Valeurs.



Im Vergleich dazu erscheint der nicht näher de nierte Hintergrund als ein umso härterer Bruch. Düster, dunkel und bedrohlich wie Gewitterwolken an einem heißen Nachmittag im August drängt er nach vorn, zum Betrachter hin, als wolle er nichts Gutes verheißen. Tatsächlich hegte Vlaminck in späteren Jahren grundsätzliche Zweifel an der Fortschrittsgläubigkeit und Technikliebe seiner Zeitgenossen. Er sah darin eine Bedrohung für die „alltäglichen Wunder“ der Natur, denen er sich seit Kindertagen eng verbunden fühlte.



„Ist es Ihnen entgangen, dass sich die Menschen mehr um die Instandhaltung ihrer Maschinen als um ihre eigene Gesundheit und innere Vollendung kümmern?“, schreibt er in seiner 1930 auf Deutsch erschienenen Autobiografie und fährt fort: „Ist es nicht für die Zukunft des Individuums in erster Linie wichtig […] zu wissen, wohin der Fortschritt die Menschen führen wird?“ (Maurice de Vlaminck: Gefahr vor- aus! Aufzeichnungen eines Malers. Berlin und Leipzig 1930, S. 266). Und ein paar Seiten weiter stellt der Künstler melancholisch fest: „Dort, wo sich einst jener Weinberg befand, der einen leichten, in Liedern gerühmten Wein hervorbrachte, ragten zahllose schwarze Kamine auf“ (a.a.O., S. 275). Wer diese mahnenden Zeilen liest, wird in unserem sommerlichen, meisterhaft gemalten Blumenstillleben auch Anzeichen von Morbidität und Niedergang erkennen. Dieses Nebeneinander widersprüchlicher Eindrücke ist es, aus dem nur wahrhaft große Kunst ihre Kraft schöpft. USO

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