Auktionen Oktober 2018

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Andy Warhol

Pittsburgh 1928 – 1987 New York

„Hand with Ink Pen“. Um 1953
Tuschfeder und Bleistift auf Papier (aus einem Zeichenblock). 31,2 × 29,1 cm (12 ¼ × 11 ½ in.) Rückseitig mit dem ovalen Stempel in Blau: The Estate of Andy Warhol. Darüber der runde Stempel in Blau: The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. Sowie die mit Bleistift eingetragene Registriernummer: ARD 403.004 VF. Werkverzeichnis: Mit einer Expertise der Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc., New York, vom 28. Februar 2012.  [3410]

ProvenienzNachlass des Künstlers / Galerie Daniel Blau, München (2012)

EUR 15.000 – 20.000
USD 17,000 – 22,700

„Hand with Ink Pen“

Auktion 296Freitag, den 26. Oktober 2018, 14.00 Uhr

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AusstellungAndy Warhol, 1950s Drawings, From Silverpoint to Silver Screen II. Art Basel, Galerie Daniel Blau, München, Juni 2012, Abbildung im Katalog der Art Basel / Andy Warhol, 1950s Drawings, From Silverpoint to Silver Screen. Humlebæk, Louisiana Museum of Modern Art, 2013, S. 15 und S. 267, mit Abbildung

Das Blatt von 1953 ist ein schönes Beispiel dafür, wie unbefangen Andy Warhol Papiere einsetzte. Nicht das unberührte Zeichnungsblatt interessierte ihn vorrangig, sondern alles, was sich zum Zeichnen eignete, wurde in diesen Jahren, die noch von finanziellen Engpässen geprägt waren, von ihm genutzt. Auf einem aus dem Zeichnungsblock unregelmäßig herausgerissenen Blatt, dessen obere und rechte Seite gleichsam konvex und konkav verkleinert wurden, zeichnet er in sicherer Linienführung eine Hand, die eine Tuschfeder hält. Von links wird in Umrissen die fragmentarische Form der Hand mit angewinkelten Fingern objekthaft dargestellt. Wenige Striche in der Binnenstruktur verleihen der Hand nicht nur räumliches Volumen, sondern auch eine gewisse Anspannung. Mit der senkrecht auf dem Papier angesetzten Tuschfeder gelingt es Andy Warhol, den „magischen“ Moment des Beginns einer Zeichnung einzufangen. Dargestelltes und Imaginiertes verbinden sich in der Wahrnehmung des Betrachters zu einer Einheit – und ein Rechtshänder sieht vielleicht mit Überraschung, dass hier ein Linkshänder Ausgangspunkt der Studie ist.
Warhol scheint seinen transitorischen Weg zwischen Grafiker und Künstler stets im Blick gehabt zu haben. Schon 1952 fand in der New Yorker Hugo Gallery seine erste Einzelausstellung mit fünfzehn kolorierten Zeichnungen statt, die nach Texten von Truman Capote entstanden waren. In jungen Jahren zeigte sich hier bereits eine Wahlverwandtschaft zwischen dem exaltierten Schriftsteller und dem exzentrischen Künstler, die beide später gleichermaßen berühmt werden sollten. Gleitend verschob sich das Verhältnis bald immer mehr vom Grafiker Andy Warhol hin zum Künstler, zur Pop Art-Ikone Andy Warhol.
Doch zurück zu den 1950er-Jahren. Als der Münchner Galerist Daniel Blau auf der Art Basel 2012 Warhol-Zeichnungen dieser Dekade präsentierte, reagierte das internationale Publikum voller Erstaunen auf die Entdeckungen, zumal die Blätter bereits klar die Experimentierfreudigkeit und Ausdruckskraft späterer Werke des Künstlers erkennen ließen. Die damals ausgestellten Zeichnungen sind Bestandteil eines umfangreichen Konvoluts, das Daniel Blau 2011 in der Andy Warhol Foundation for the Visual Arts (AWF) in New York aufgetan hatte und die er danach für seine Galerietätigkeit nutzen durfte. Da die AWF mit Ablauf des Jahres 2011 ihre Nachlasstätigkeit einstellen wollte, erhielt der Galerist ein letztes Mal die Gelegenheit, aus den Beständen eine Auswahl zu treffen, bevor die Andy Warhol Foundation diese dem New Yorker Auktionshaus Christie’s zur weiteren Verwertung übergab. Alle drei Zeichnungen unserer Auktion (Kat.-Nr. 311 bis 313) entstammen dem damaligen Bestand der AWF.



Klaus Schrenk, Berlin

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