Lupe Stift
Rudi Weissenstein – Exil und Fotografie
Foto: Roman März

Ausstellung

Rudi Weissenstein – Exil und Fotografie

Eine Ausstellung mit Rudi Weissenstein, Ellen Auerbach und Christian Boltanski, kuratiert von Dr. Sarah Hadda

Fr, 26.07.2019 –
Sa, 21.09.2019

Grisebach
Fasanenstraße 27
10719 Berlin

Zusammen mit Gastkuratorin Dr. Sarah Hadda freut sich Grisebach, ab dem 25. Juli 2019 die Ausstellung „Rudi Weissenstein – Exil und Fotografie“ zu zeigen.

Rudi Weissenstein (1910 Iglau, Böhmen - 1992
Tel Aviv) war einer der größten Fotografen Israels.
Er dokumentierte das Alltagsleben des sich im Aufbau befindenden jüdischen Staates; dabei war der Traum einer Heimat sein großes Thema.
Hinter seinen optimistischen Bildern verbergen sich die komplexe Psychologie und ambivalenten Emotionen der Exilant*innen. Weissensteins Werke beschäftigen sich mit den Themen Hoffnung, Aufbau und Identität. Angetrieben und geprägt vom Verlust seiner alten Heimat, wird in seinen Bildern die Rolle von Identität bei der Erschaffung einer neuen Gesellschaft sichtbar. Dabei spielen individuelle Erfahrungen ebenso wie soziale Erinnerung eine wesentliche Rolle. Gerade sein Beispiel aus Palästina zeigt, wie divers die Exilbedingungen für Fotografen aus Deutschland waren. Wie viele andere musste sich Rudi Weissenstein seine Existenz mühsam aufbauen mit seinem Laden Pri Or (Hebräisch: Fotohaus), in dem er Touristen-, Strand- oder Aufnahmen von Soldaten verkaufte. Einen ähnlichen Weg durchlief die Fotokünstlerin Ellen Auerbach (1906 Karlsruhe – 2004 New York City), die drei Jahre zuvor, 1933, auswanderte und mit ihrer Freundin Liselotte Grschebina in Tel Aviv unter dem Namen Ishon (Hebräisch: Augapfel – Pupille) ein kleines Studio für Kinderportraits gründete, bevor sie ihre Lebensreise weiter nach London und New York führte.

Dank Leihgaben der Akademie der Künste Berlin finden auch Ellen Auerbachs Werke Eingang in die Ausstellung, um das Thema Exil und Fotografie zu vertiefen. In der Ausstellung werden zudem Werke des Künstlers Christian Boltanski (*1944 lebt in Paris) gezeigt. Boltanskis gepflasterte Fotowand „Die Jüdische Schule“ (aus dem Portfolio „The Frozen Leopard“ II, 1992) gemahnt beispielsweise an die Vergessenen, die wie Siegfried Kracauer es formulierte wie „unter einer Schneedecke vergraben“ zu sein scheinen. Die Ausstellung mit größtenteils noch nie gezeigten Werken von Weissenstein untersucht so im Verbund mit Arbeiten seiner Zeitgenossin Ellen Auerbach nicht nur die kunsthistorischen Merkmale der Fotokunst Weissensteins, sondern vertieft und vergegenwärtigt über den Konnex mit Christian Boltanskis Werken das große Thema der Erinnerung – sowohl der eigenen als auch der kollektiven.