Buchpräsentation und Podiumsgespräch

Friedrich Nietzsche mit Lou von Salomé und Paul Ré 1882. Foto: Jules Bonnet, Luzern

Hansdieter Erbsmehl: „Habt Ihr noch eine Photographie von mir?“ – Friedrich Nietzsche in seinen fotografischen Bildnissen. 2017 erschienen in der Weimarer Verlagsgesellschaft (Verlagshaus Römerweg)

 

Der Autor im Gespräch mit Diandra Donecker
am Dienstag, 20. Februar 2018, 19 Uhr

Grisebach
Fasanenstraße 27
10719 Berlin
T +49 30 885 915 0

 

Mit seiner markanten Physiognomie zählt Friedrich Nietzsche zu den bekanntesten Gesichtern in der Porträtfotografie des 19. Jahrhunderts. Unmittelbar nach seinem geistigen Zusammenbruch wurde sein Antlitz zum medialen Ereignis. Heute sehen wir in den Porträts nur noch Icons, die uns durch ihre vielfache Reproduktion vertraut erscheinen. Sinnstiftende Nuancen in den frühen porengenauen Ablichtungen werden dagegen nicht mehr verstanden.


Hansdieter Erbsmehl, Kunsthistoriker und früherer Mitarbeiter der Galerie Pels-Leusden, hat sämtliche Porträtaufnahmen des deutschen Philosophen und Aphoristikers erstmals geschlossen publiziert. Minutiös beschreibt er jede einzelne Aufnahme und beleuchtet die biografischen Umstände ihrer Entstehung.


„Körper sind zeitlich. In fotografischen Porträts bleiben sie der Nachwelt als Augenblicksaufnahmen erhalten. Sie vergegenwärtigen einen Menschen anschaulicher als andere Artefakte – Autografen und sonstige schriftliche Quellen eingeschlossen. Ob Porträtierte gezielt die posthume Erinnerung an ihre Person beanspruchen, lässt sich nur an jedem einzelnen Bildnis klären.“ (Hansdieter Erbsmehl)


Der Autor spricht mit Diandra Donecker, Expertin für Fotografie bei Grisebach, über die Unterschiede zwischen der sogenannten Künstlerfotografie (z.B. eines Nadar oder Carjat) und den kommerziellen Porträtfotografen, von denen Nietzsche sich ablichten ließ. Anlass für ein Gespräch bieten auch zwei inszenierte „Spaßfotos“, die Nietzsche zusammen mit Freunden zeigen. Sie durchbrechen das Schema der herkömmlichen Porträtaufnahme. Stattdessen verweisen sie auf die zukünftige Stellung des Jungprofessors in der akademischen Welt oder – wie im berühmten „Peitschenfoto“ mit der jungen Lou von Salomé – auf seine Haltung in der Geschlechterfrage.


Hansdieter Erbsmehl studierte Kunstgeschichte in Marburg und Los Angeles. In seiner Dissertation behandelte er die Bedeutung Friedrich Nietzsches für die bildende Kunst um 1900. Nach dem Studium war er freiberuflich für die Galerie Pels-Leusden tätig, er nahm Lehraufträge an den Universitäten Zürich und Leipzig wahr und engagierte sich in der freien Künstler- und Theaterszene in Berlin. In zuletzt veröffentlichten Studien widmete er sich Harry Graf Kessler und Henry van de Velde, dem künstlerischen Beraterteam des Weimarer Nietzsche-Archivs, sowie der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts, insbesondere Max Beckmann und der Künstlergruppe „Die Brücke“.

 

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