Lupe

Herbstauktionen 2020

Kunst des 19. Jahrhunderts

188

Max Liebermann

1847 – Berlin – 1935

„Skizze aus den ,Folies-Bergère‘“. 1873

Öl auf Papier, auf braunen Karton aufgezogen. Ca. 17,7 × 25,5 cm (19 × 26,8 cm). (7 × 10 in. (7 ½ × 10 ½ in.)) Unten rechts auf dem Karton mit Bleistift (nachträglich) vom Künstler signiert und datiert: M Liebermann 1873. Rückseitig ein Stempel der Malakademie Dobroslav Halata, Prag. Werkverzeichnis: Eberle 1873/17. Die auf fragilem Papier (mit größeren Randverlusten, Knicken und Einrissen) ausgeführte Studie wurde schon zu Lebzeiten des Künstlers auf Karton aufgezogen.  [3016] Gerahmt 

ProvenienzMax Liebermann, Berlin (bis mind. 1923) / Sammlung Dorn, Berlin–Prag (spätestens 1981 bis mind. 2014) / Privatsammlung, Tschechien

Addendum/ErratumMit einem Gutachten von Dr. Matthias Eberle, Berlin, vom 5. Oktober 2019.

EUR 20.000 – 30.000
USD 23,500 – 35,300

„Skizze aus den ,Folies-Bergère‘“

Auktion 322Mittwoch, den 2. Dezember 2020, 15.00 Uhr

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Literatur und AbbildungLudwig Kaemmerer: Max Liebermann. In: Zeitschrift für bildende Kunst, N. F. Jg. IV, 1893, S. 252 / Erich Hancke: Max Liebermann. Sein Leben und seine Werke. Berlin, Bruno Cassirer, 1. Aufl. 1914 und 2. Aufl. 1923, S. 78, Abb. S. 79 / Günter Busch: Max Liebermann, Maler, Zeichner, Graphiker. Frankfurt a.M., S. Fischer Verlag, 1986, S. 30, Abb. S. 28 / Bernd Küster: Max Liebermann, Ein Maler-Leben. Hamburg, Ellert & Richter Verlag, 1988, S. 34 / Katrin Boskamp: Studien zum Frühwerk von Max Liebermann mit einem Verzeichnis der Gemälde und Ölstudien von 1866–1889. Hildesheim–Zürich–New York, Georg Olms Verlag, 1994 (= Studien zur Kunstgeschichte, Bd. 88), Kat.-Nr. 39

Diese kleinformatige Ölskizze ist das einzige erhaltene Zeugnis des modernen Lebens in Paris, das Max Liebermann gemalt hat. Lange im Besitz des Künstlers, galt sie jahrzehntelang als verschollen und war der Forschung nur durch eine 1914 angefertigte Schwarz-Weiß-Fotografie bekannt. Liebermann fängt virtuos mit schnellen, pastosen Pinselstrichen das flirrende Licht der Kronleuchter und die farbigen Eindrücke des ausgelassenen Treibens im legendären Vergnügungslokal Folies-Bergère ein. Man meint die Geräuschkulisse förmlich wahrnehmen zu können, in der sich die Musik mit den Stimmen der zylindertragenden Herren und der Damen in ihren eleganten Abendroben und den großen Hüten vermischt. In Zweiergruppen stehend und sitzend, beugen sich die Herren zu den Damen und die Damen nähern sich den Herren. Wer hierher kam, wollte sich amüsieren. Die Folies-Bergère waren seit der Eröffnung 1869 ein Ort des Spektakels, der Begegnung und der Prostitution. Édouard Manet ließ sich hier einige Jahre später zu seinem letzten großen Meisterwerk inspirieren „Un bar aux Folies-Bergère“ (1882, London, Courtauld Gallery). Liebermann war im Dezember 1873 nach Paris gekommen und hatte unweit des Etablissements in der Rue de la Rochefoucauld ein Atelier bezogen. In dem Haus wohnte auch der französische Maler Ludovic-Napoléon Lepic. Eines Tages zeigte Lepic in Abwesend von Liebermann dessen Atelier dem großen Landschaftsmaler Camille Corot. Als dieser die Skizze des 26-jährigen Berliners sah, war er so begeistert, dass er darunter auf den – heute beschnittenen – Karton „bravo, bravissimo!“ schrieb. Liebermann, der Corot sehr verehrte, soll diesen ersten Pariser Erfolg noch Jahrzehnte später mit Stolz vorgezeigt haben. Er war in die französische Hauptstadt gekommen, um neben Corot die Werke von Constant Troyon, Charles-François Daubigny und vor allem von Jean-François Millet zu studieren. Er hielt sich mehrere Monate in Barbizon auf, wo Millet ihm jedoch jeden Kontakt verweigerte. Kurz nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges war es für Liebermann schwierig, Zugang zu den französischen Künstlerkreise zu erhalten. Er unterbrach seinen Aufenthalt für mehrere Studienreisen nach Holland und verließ Paris schließlich 1878. Kurz darauf erfuhren seine Gemälde durch die französische Kunstkritik positive Anerkennung, und 1881 gelang ihm auf dem Pariser Salon der Durchbruch. Liebermann erfuhr in Frankreich die öffentliche Anerkennung, die er in Deutschland erst Jahre später erhalten sollte.

Nina Struckmeyer

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