Lupe

Herbstauktionen 2020

Kunst des 19. Jahrhunderts

229

Richard Müller

Tschirnitz/Böhmen 1874 – 1954 Dresden-Loschwitz

„Ruine Bösig“. 1906

Öl auf Leinwand. 98 × 82 cm. (38 ⅝ × 32 ¼ in.) In der Mitte, links neben dem Torbogen, monogrammiert und datiert: RM 06. Werkverzeichnis: Wodarz 1906.05.  [3107] Gerahmt 

ProvenienzEhemals im Nachlass des Künstlers

EUR 30.000 – 40.000
USD 35,300 – 47,100

„Ruine Bösig“

Auktion 322Mittwoch, den 2. Dezember 2020, 15.00 Uhr

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Im letzten Band seines 1855 vollendeten Romans „Der Grüne Heinrich” beschreibt Gottfried Keller, wie ein Künstler eine große Papierbahn auf seiner Staffelei aufspannt, darauf zunächst zwei Nadelbäume zeichnet, dann aber beginnt, die Bildfläche mit einem Gespinst von gedankenlos hingestrichelten Linien zu füllen. Schließlich verbreitet sich sein Gekritzel wie ein ungeheures graues Spinnennetz über den größten Teil der Fläche. Auf den ersten Blick erscheint das Ganze wie ein sinnloses Wirrwarr, doch bei näherer Betrachtung, so heißt es bei Keller wörtlich, „entdeckte man den bewundernswertesten Zusammenhang, den löblichsten Fleiß darin, indem es in einem fortgesetzten Zuge von Federstrichen und Krümmungen, welche vielleicht Tausende von Ellen ausmachten, ein Labyrinth bildete, das vom Anfangspunkte bis zum Ende zu verfolgen war,“ und außerdem fand man darin mancherlei „neue Muster und Motive, oft sehr zart und anmutig“.
Keller zeigt, wie sich der Übergang zur Abstraktion ganz zwanglos und ohne deklariertes Programm allein aus der praktischen Arbeit am Bild ergeben kann. Deshalb ist seine Beschreibung von besonderem Interesse, wenn man verstehen möchte, was an Richard Müllers grandioser Darstellung der Burg Bösig mit der Losnummer 229 so bemerkenswert ist ...

Den Begleittext von Prof. Dr. Karlheinz Lüdeking hier weiterlesen

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