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Herbstauktionen 2020

Kunst des 19. Jahrhunderts

207

Fritz von Uhde

Wolkenburg 1848 – 1911 München

Ein Schimmel. 1880

Öl auf Leinwand. Doubliert. 73,8 × 60 cm. (29 × 23 ⅝ in.) Unten rechts signiert: F Uhde. Auf dem Spannrahmen oben rechts ein Etikett der Modernen Galerie Heinrich Thannhauser, München. Studie für das Gemälde „Altdeutscher Reiter“ von 1880 (vgl. Rosenhagen 1908, s.u., Abb. S. 23).  [3646] Gerahmt 

ProvenienzFranz von Lenbach, München / Hofkunsthändler Albert Riegner, München (1908) / Prof. Fritz Meder, München / Moderne Galerie Heinrich Thannhauser, München / Henry P. Newman, Hamburg (erworben 1913 bei Thannhauser, bis vor wenigen Jahren in Familienbesitz) /

EUR 25.000 – 35.000
USD 29,400 – 41,200

Ein Schimmel

Auktion 322Mittwoch, den 2. Dezember 2020, 15.00 Uhr

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AusstellungFritz von Uhde. Vom Realismus zum Impressionismus. Bremen, Kunsthalle; Leipzig, Museum der bildenden Künste, und München, Neue Pinakothek, 1998/99, Kat.-Nr. 1, m. Abbildung

Literatur und AbbildungHans Rosenhagen (Hg.): Uhde, des Meisters Gemälde in 285 Abbildungen. Stuttgart und Leipzig, Deutsche Verlags-Anstalt, 1908 (= Klassiker der Kunst, Zwölfter Band), S. XXIV, Abb. S. 22 / Ausst.-Kat.: Fritz von Uhde. Kollektivausstellung. Berlin, Galerie Eduard Schulte, 1908, S. 6 (nicht ausgestellt) / Sammlung von Ölgemälden moderner Meister aus dem Besitze des Herrn Professor Fr. J. Meder, München. München, Galerie Helbing, 11.6.1912, S. X u. Kat.-Nr. 187, Abb. Tf. 42 („Schimmel im Grünen“) / Stefanie Busold: „Echte Freude an schönen Bildern“. Der Sammler Henry P. Newman. In: Ausst.-Kat.: Private Schätze. Über das Sammeln von Kunst in Hamburg bis 1933 (Katalog zur Ausstellung: Picasso, Beckmann, Nolde und die Moderne. Meisterwerke aus frühen Privatsammlungen in Hamburg). Hamburg, Hamburger Kunsthalle, 2001, S. 52-57, hier S. 55 u. S. 57

Ein „köstliches Stück von Malerei“ – so bezeichnete treffend Fritz von Ostini das 1880 ausgeführte Pferdebildnis. Es entstand in Paris, wo Fritz von Uhde sich seit November 1879 aufhielt und einige Monate im Atelier des erfolgreichen Malers Mihály Munkácsy studierte. Der 31-jährige Uhde hatte gerade seine Offizierskarriere in der sächsischen Armee zugunsten der Malerei aufgegeben. Dem Aufenthalt in der französischen Hauptstadt waren Enttäuschungen und Zurückweisungen vorausgegangen. In Wien hatte Hans Markart es abgelehnt, Uhde als Schüler aufzunehmen, und auch in München blieben seine Bemühungen, bei Carl von Piloty, Wilhelm Diez und Wilhelm von Lindenschmit zu stu- dieren, erfolglos. In München lernte Uhde schließlich Munkácsy kennen, der ihn nach Paris zum Studium in sein Atelier einlud. In Briefen an seine Verlobte Amalie Endres berichtete Uhde schon bald nach seiner Ankunft, er mache große Fortschritte. Seinen ersten Erfolg hatte Uhde mit „La Chanteuse“ (1880, München, Neue Pinakothek), die er im Frühjahr auf dem Salon zeigen und an einen Pariser Sammler verkaufen konnte. In den folgenden Monaten fertigte Uhde neben dem zweiten großen Gemälde „Les chiens savants“ (1880, Flint, Institute of Arts) weitere „zwei Dutzend Naturstudien“ an, denen das Pferdebildnis zuzurechnen ist. Es entstand wohl im Zusammenhang mit dem fast gleichformatigen „Altdeutschen Reiter“ (1880, Privatbesitz). Uhde setzte gekonnt den weißen Körper des Schimmels gegen den dunklen Wiesenhintergrund ab – einen in Munkácsys Gemälden häufig anzutreffender Effekt – und arbeitete den Tierkörper fein gegen die Tiefenunschärfe seiner Komposition heraus. Ende 1880 verließ Uhde Paris und ging nach München zurück. Stilistisch entfernte er sich in den folgenden Jahren von seinem Pariser Lehrer. Rückblickend schrieb Uhde 1902, dass er Munkácsy „sehr viel verdanke, da er mir den schwierigen Schritt von einem kunstfreudigen Dilettantismus zur Kunst zu thun half.“ Das Pferdebildnis befand sich lange im Münchner Privatbesitz, u.a. in der Sammlung Franz von Lenbachs, der Uhde vor seinem Pariser Aufenthalt in München kennengelernt und mit Ratschlägen unterstütz hatte. 1913 erwarb es der Hamburger Kaufmann und Kunstsammler Henry P. Newman für 20.000 Mark in der Galerie Thannhauser.

Nina Struckmeyer

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